Editorial

Katalysator gesucht

Katalysator gesucht

Ein Katalysator ist ein Stoff, der die Geschwindigkeit einer chemischen Reaktion erhöht, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Diese Definition ist Ihnen, liebe LABO-Leser, sicher noch aus Ihrer Schulzeit bekannt, als im Chemieunterricht die Haber-Bosch-Synthese und das Ostwald-Verfahren auf dem Lehrplan standen. Tatsächlich spielen Katalysatoren in der Chemischen Industrie und sogar im Alltag - Stichwort Pkw-Abgasreinigung - eine bedeutende Rolle. Hätten Sie gewusst, dass bei der Herstellung chemischer Erzeugnisse in 85 % aller Fälle diese Reaktionsbeschleuniger zum Einsatz kommen? Allein diese Zahl macht deutlich, wie wichtig bzw. wie lohnend es ist, im Produktionsprozess den jeweils bestgeeignetsten Katalysator zu verwenden. Denn nur dann lassen sich maximale Ausbeuten bei geringen Prozesszeiten und niedrigem Ressourcenverbrauch realisieren - sprich, die Wertschöpfung optimieren.

Es verwundert daher nicht, dass die Chemische Industrie an neuen oder zumindest strukturell verbesserten Katalysatoren interessiert ist. Auch bei Innovationen wie Brennstoffzellen, Batterien für Elektromobile, oder etwa zur Herstellung von Biokraftstoffen sind geeignete Reaktionsbeschleuniger ebenso gefragt wie bei den aktuellen Forschungsanstrengungen zur Nutzung des "Klimakillers" CO2 als Chemierohstoff. Allerdings sind die erforderlichen Entwicklungsarbeiten für neue Katalysatoren zeit­intensiv und teuer: Wegen der oftmals aggressiven Ausgangssubstanzen werden hohe Anforderungen an die Materialeigenschaften von Rohrleitungen, Ventilen und Reaktoren gestellt und hohe Drücke und Temperaturen müssen beherrscht werden. Zudem ist eine Automatisierung der Tests nicht so ohne weiteres zu bewerkstelligen.

Gelungen ist Letzteres jetzt einer Arbeitsgruppe um Professor Ferdi Schüth, Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr. Gemeinsam mit der Heidelberger Firma hte wurde in den letzten Jahren ein System entwickelt, das die Suche nach dem optimalen Katalysator um den Faktor 10...100 verkürzt. Es ist in der Lage, mehrere hundert Substanzen gleichzeitig auf ihre katalytischen Eigenschaften zu testen, und zwar automatisiert - sozusagen High Throughput Screening von potenziellen Katalysatoren. Das System ist mittlerweile kommerziell verfügbar und wird bereits in der Chemischen Industrie routinemäßig eingesetzt.

Am 1. Dezember - also in wenigen Tagen - verleiht Bundespräsident Christian Wulff den Deutschen Zukunftspreis 2010. Dieser ist mit 250 000 Euro dotiert und wird für innovative Produkte vergeben, die zur Zukunftsfähigkeit unseres Landes beitragen. In die Endausscheidung dieses Wettbewerbs hat die Jury drei Teams gewählt, darunter das von Professor Schüth. Die Projekte der beiden anderen Teams haben das Recycling von PET-Flaschen sowie ein bionisches Handhabungssystem zum Thema.

Die Preisverleihung wird am 1. Dezember im ZDF übertragen. Man darf schon jetzt gespannt sein, welchen Platz das neue Hochdurchsatzverfahren zur beschleunigten Katalysatorentwicklung erzielt.

Jürgen Wagner

Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Editorial

Lachen tut gut

Dass Lachen ansteckt und wichtig für die soziale Bindung zwischen zwei Menschen ist, haben wir irgendwie ja schon gewusst. Neu ist, dass das „soziale Lachen“ zu einer Endorphin-Freisetzung im Gehirn führt und dies möglicherweise die...

mehr...
Anzeige

EIN MUSS FÜR LABOREXPERTEN: LABSOLUTIONS

Am 04.09.2019 erwarten Sie bei der Th. Geyer Laborfachmesse LABSOLUTIONS in der MesseHalle Hamburg-Schnelsen 60 namhafte Aussteller, 22 Fachvorträge, ein Gewinnspiel und Catering. Unbezahlbare Vorteile komplett kostenfrei für Sie. Infos und Anmeldung unter www.thgeyer.de. Wir freuen uns auf Sie!

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Editorial

Chemiegeschäft köchelt verhalten

Wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am 8. März vor der Presse in Frankfurt bekannt gab, ging das Geschäftsjahr 2016 für die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland mit einem „versöhnlichen“ vierten Quartal zu Ende.

mehr...

Editorial

Designer-Stoffwechselweg

Der Begriff „Synthetische Biologie“ wurde erstmals 2010 einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Auch wir haben damals an dieser Stelle darüber berichtet.

mehr...
Anzeige

Highlight der Woche

Mikrobielles Arbeiten unter definierter Atmosphäre
Die A25 ist platzsparend, aber spart nicht an Funktionen! Die "kleine" Arbeitsstation verfügt über stulpenlose Handeingänge, einen Farb-Touchscreen und eine Schleuse, aber bietet dennoch strengste anaerobe Bedingungen.

Zum Highlight der Woche...
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

NEU: LABO Kompass
HPLC Anwenderwissen im August 2019

Kompakte Orientierung in Ihrem Laboralltag. Richten Sie sich richtig aus! Anwenderwissen, Produkt- und Firmenpräsentationen, Anbieterverzeichnis, Trends, Termine uvm.

Zum Highlight der Woche...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Editorial

Fluch oder Segen?

Unter Molekularbiologen ist das CRISPR-Cas9-System derzeit Thema Nummer 1 – gilt es doch als die größte Innovation in der Gentechnik seit der Etablierung der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) in den 1990er-Jahren.

mehr...

Editorial

Nachhaltige Imprägnierungsmittel

Vermutlich hat jeder von uns eine Regenjacke im Schrank oder in der Garderobe hängen sowie einen Regenschirm griff bereit. Aber imprägnierte Textilien, die Wasser und eventuell auch Schmutz abweisen, kommen nicht nur in Outdoor-Produkten zum Einsatz.

mehr...