Editorial

Teller oder Tank?

Nachwachsende Rohstoffe – spätestens seit der Einführung des E10-Benzins an deutschen Tankstellen weiß die breite Öffentlichkeit mit diesem Begriff etwas anzufangen. Im Prinzip ist die Idee, Benzin mit Ethanol zu „strecken“ ja auch nicht verkehrt: Der Rohölbedarf sinkt dadurch und die CO2-Bilanz des Gemisches ist dem Klima zuträglicher als die reinen Benzins. Dennoch hat die Sache einen Haken: Das für E10 verwendete Ethanol wird überwiegend aus Getreidestärke gewonnen und angesichts des Hungers auf der Welt ist es zweifellos fragwürdig, Nahrungsmittel in den Tank statt auf den Teller zu bringen. Dieses Dilemma beenden könnten jedoch neue Verfahren zur Herstellung von Biokraftstoffen der 2. Generation. Diese basieren auf nachwachsenden Rohstoffen, die nicht der Ernährung dienen und bestenfalls Abfallstoffe sind wie etwa Stroh, Sägespäne, Bagasse aus Zuckerrohr, etc.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Technologien, um aus diesen zellulosehaltigen Stoffen Sprit zu erzeugen:

Bei dem einen Verfahren, das zum Beispiel am Karlsruher Institut für Technologie erprobt wird, dient ein durch thermische Verfahren aus Stroh etc. gewonnenes Synthesegas zur Herstellung von Benzin oder Diesel-Kraftstoff.

Einen anderen Weg hat die in München ansässige Süd Chemie eingeschlagen: Hier wird die Zellulose der eingesetzten Abfallstoffe enzymatisch in ihre Zuckerbestandteile gespalten und letztere dann zu Ethanol vergoren.

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Süd Chemie errichtet derzeit in Straubing eine größere Pilotanlage für eine Jahresproduktion von 1000 Tonnen Zellulose-Ethanol. Sie soll bereits Anfang nächsten Jahres in Betrieb gehen. Der Start des Karlsruher „bioliq“-Verfahrens – ebenfalls in größerem Pilotmaßstab – ist für 2013 vorgesehen. Selbstverständlich arbeiten weitere Chemieunternehmen und Forschungsinstitute weltweit an ähnlichen Verfahren zur Herstellung von Biokraftstoffen der 2. Generation – schließlich ist Zellulose die häufigste organische Verbindung auf unserem Planeten!

Nachwachsende Rohstoffe sind auch das Thema unseres Leitartikels in der Ihnen hier vorliegenden LABO. Der Beitrag zeigt, dass sich aus geeigneten Pflanzen weitaus mehr herstellen lässt als nur Biosprit.

Viel Freude und Informationsgewinn beim Lesen unserer aktuellen Ausgabe wünscht Ihnen

Jürgen Wagner

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