"Lust auf Leistung"

Prof. Hans-Jürgen Warnecke feiert 80. Geburtstag

"Lust auf Leistung" bezeichnete er einst als sein Lebensprinzip. Viele sahen in ihm einen Strategen, Reformer und Visionär gleichermaßen, der den angewandten wissenschaftlichen Zeitgeist maßgeblich prägte und aktiv mitgestaltete. In einem feierlichen Festakt würdigten am 4. April etwa 400 geladene Gäste das Schaffen des ehemaligen Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft und Institutsleiters des Fraunhofer IPA. Zu den Laudatoren gehörte neben Michael Stoschek, dem Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung der Brose Gruppe, auch der ehemalige Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Dr. Erwin Teufel.

Prof. Hans-Jürgen Warnecke im Kreise der Gastgeber und Referenten. (Bild: Fraunhofer IPA)

Mit den Worten "Nicht nur als leidenschaftlicher Segler hatte er das Ruder fest im Griff. Auch als charismatische Führungspersönlichkeit brachte er seine Mannschaft erfolgreich auf Kurs", begrüßte der ehemalige Institutsleiter des Fraunhofer IPA, Prof. Rolf Dieter Schraft, die Besucher des Symposiums in der Stuttgarter Liederhalle anlässlich des 80. Geburtstags von Prof. Hans-Jürgen Warnecke. Freunde, Bekannte, Wegbegleiter und IPA-Mitarbeiter hatten sich dort eingefunden, um das mehr als 30-jährige Fraunhofer-Engagement des gebürtigen Braunschweigers zu würdigen.

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In seiner Amtszeit als Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft in den Jahren 1993 bis 2002 verdoppelte sich das Gesamtbudget der Fraunhofer-Gesellschaft auf eine Milliarde Euro. Warnecke setzte in dieser Zeit auf eine stärkere Zusammenarbeit mit der Wirtschaft - der Anteil der Wirtschaftserträge erhöhte sich daraufhin von relativ 28 auf 40 %. Mit der Einführung eines einheitlichen Corporate Designs stärkte er nicht nur das Marken- und Erscheinungsbild, sondern erhöhte auch insgesamt den Bekanntheitsgrad der in zwischen mehr als 60 Fraunhofer-Institute weit über die Grenzen der nationalen Forschungslandschaft hinaus.

Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, brachte in seiner Festrede die Verdienste Warneckes wie folgt auf den Punkt: "Hans-Jürgen Warnecke hat als Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft diese zu einer hochleistungsfähigen Forschungsorganisation als Innovationstreiber für die Wirtschaft entwickelt und ihr durch Profilierung in fachorientierte Verbünde und nachfrageorientierte Allianzen völlig neue Möglichkeiten des Schaffens von Synergien und strategischen Agierens eröffnet. Die Internationalisierung und das Durchsetzen von Leistungsgerechtigkeit gehen ebenfalls auf ihn zurück."

Prof. Hans-Jörg Bullinger, Nachfolger von Prof. Warnecke und Vorgänger von Prof. Neugebauer, fügt hinzu: "Lehrer, Forscher und Manager in einer Person. Über eine solche Qualifikationsbündelung verfügen nicht viele. Kaum jemand hat die Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft so beherrscht wie er. Von seiner außergewöhnlichen Arbeit zeugt nicht nur die Entwicklung der Stuttgarter Produktionsforschung zur Weltgeltung, sondern auch die Entwicklung der Fraunhofer-Gesellschaft zu ihrer heutigen Bedeutung. Sein Wirken ist nicht nur in Veröffentlichungen, Büchern und in Patenten dokumentiert. Es lebt über seine Schüler und Mitarbeiter weiter, von denen heute viele in verantwortungsvollen Stellungen in der Industrie und in der Wissenschaft sein Werk fortführen."

Bereits im Jahr 1971 folgte Warnecke als promovierter Maschinenbauer dem Ruf der angewandten Forschung im Sinne und nach dem Vorbild von Joseph von Fraunhofer. Neben der Leitung des Lehrstuhls für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb der Universität Stuttgart übernahm er zeitgleich auch die Leitung des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. Unter seiner Führung entwickelte sich das Fraunhofer IPA zu einem der größten und erfolgreichsten Fraunhofer-Institute. Zu seinen Kernthemen zählte in dieser Zeit vor allem die Entwicklung der Automatisierung des Material- und Informationsflusses durch den Einsatz von Industrierobotern. Im Jahr 1992 fasste Warnecke seine Erfahrungen und Gedanken zur Unternehmensführung und Organisation in dem Buch "Die Fraktale Fabrik" zusammen, das ihn in der Produktionswelt bekannt machte und ihm international Anerkennung brachte.

"Hans-Jürgen Warnecke hat das Fraunhofer IPA an die Spitze der produktionsorientierten Forschungsinstitute in Deutschland gebracht. Noch heute genießt unser Institut weltweit einen exzellenten Ruf. Die Ideen, die im Zusammenhang mit dem Fraktalen Unternehmen entstanden sind, werden uns alle wohl noch lange begleiten", beschreibt Prof. Alexander Verl, Vorstandsmitglied der Fraunhofer-Gesellschaft und ehemaliger IPA-Institutsleiter, das Wirken Warneckes.

IPA-Institutsleiter Prof. Thomas Bauernhansl ergänzt: "Das Konzept der Fraktalen Fabrik, das Hans-Jürgen Warnecke in den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts vorgestellt hat, ist aktueller denn je und sinnstiftend für viele produzierende Unternehmen. Die visionäre Kraft dieses Organisationsmodells zeigt sich in vielen Veränderungsprozessen hin zu agilen und flexiblen Produktionsstrukturen.2

Schon als junger Ingenieur wurde Warnecke mit dem VDI-Ehrenring ausgezeichnet. In den Jahren 1994 bis 1997 war er Präsident des VDI. Während seines gesamten Berufslebens wirkte er in der Gemeinschaftsarbeit des Vereins Deutscher Ingenieure mit. Viele Titel (Ehrensenator Prof. Dr.-Ing. Prof. h.c. mult. Dr. h.c. mult. Dr.-Ing. e.h.) und Ehrungen (Großes Bundesverdienstkreuz, Grashof-Denkmünze des VDI, Ehrenring der Eduard-Rhein-Stiftung) sowie Ämter in Wirtschaft und Wissenschaft zeugen bis heute von der Anerkennung seines Wirkens.

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA wurde 1959 gegründet. Es ist eines der größten Einzelinstitute innerhalb dieser Forschungsgesellschaft und beschäftigt rund 435 Wissenschaftler/innen. Das Jahresbudget beträgt rund 58,4 Mio. Euro, davon stammen 22,9 Mio. Euro aus Industrieprojekten.

Das Fraunhofer IPA ist in 14 Fachabteilungen gegliedert und in den Arbeitsgebieten Produktionsorganisation, Oberflächentechnologie, Automatisierung und Prozesstechnologie tätig. Schwerpunkte der Forschung und Entwicklung sind organisatorische und technologische Aufgabenstellungen aus dem Produktionsbereich der Zukunftsbranchen Automotive, Maschinen- und Anlagenbau, Elektronik und Mikrosystemtechnik, Energiewirtschaft sowie Medizin- und Biotechnik. Die FuE-Projekte zielen darauf ab, Automatisierungs- und Rationalisierungsreserven in den Unternehmen aufzuzeigen und auszuschöpfen, um mit verbesserten, kostengünstigeren und umweltfreundlicheren Produktionsabläufen und Produkten die Wettbewerbsfähigkeit und die Arbeitsplätze in den Unternehmen zu erhalten oder zu verbessern.

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