Bergregenwälder in Peru

Biodiversitäts-Hotspot in Flammen

Die tropischen Anden Südamerikas sind eines der wichtigsten Zentren der biologischen Vielfalt unseres Planeten. Dabei hebt sich besonders die Grenzregion zwischen Ecuador und Peru hervor. Unbemerkt von der Weltöffentlichkeit wüteten Ende 2016 dort, im Norden Perus, verheerende Waldbrände.

Das Tal von Kañaris im November 2014: Auch in dieser Gegend hat es 2016 großflächig gebrannt. (© Foto: Tim Böhnert)

Wissenschaftler des Nees-Instituts für Biodiversität der Pflanzen der Universität Bonn erforschen seit Jahren gemeinsam mit lokalen Kollegen diese abgelegenen Gebiete. Im Journal „Nature“ veröffentlichten die Wissenschaftler des Nees-Instituts nun einen Weckruf an die internationale Wissenschaftsgemeinschaft.

„Eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren kommen weltweit ausschließlich dort vor“, sagt Prof. Dr. Maximilian Weigend, Direktor der Bonner Botanischen Gärten, welcher selbst seit 20 Jahren regelmäßig Expeditionen in diese Region unternimmt. Für die Artenvielfalt des Gebietes befürchtet er aufgrund der Brände das Schlimmste. Eigentlich herrscht in den Wäldern ganzjährig feuchtes Klima. Selbst in der Trockenzeit bildet sich täglich Nebel, so die Forscher. Dies habe die Wälder über Jahrtausende vor Waldbränden geschützt.

Jedoch wurde die Region 2016 von einer der stärksten Dürren seit Jahrzehnten getroffen. Dabei handele es sich offenbar um eine Überlagerung des El Niño-Zyklus und der zunehmenden Erderwärmung, schreiben die Forscher. Bedingt durch die Trockenheit entstanden zwischen Oktober und Dezember 2016 hunderte von Waldbränden, die fast alle Reliktwälder betrafen und ganz oder zumindest teilweise zerstörten.

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Mehrere Menschen kamen in den Flammen ums Leben. Landesweit wurden über 12000 Hektar Wald zerstört. Große Feuer wüteten in Naturschutzgebieten im Norden Perus, wie dem Nationalpark Cerros de Amotape, dem Schutzwald Pagaibamba und dem Schutzgebiet Laquipampa. Auch der Nationalpark Cutervo, das älteste Naturschutzgebiet des Landes, wurde ein Opfer der Flammen.

Wenige Hektar große Waldfragmente beherbergen einzigartige Spezies

Wissenschaftler nennen das am stärksten betroffene Gebiet aufgrund seiner Lage „Amotape-Huancabamba-Zone“. Die Natur besteht dort aus einem Mosaik von offenen Grasflächen und dichten, geschlossenen Wäldern. Diese Waldstücke sind oft nur wenige Hektar groß und beherbergen Pflanzenarten, welche nur in einem einzigen dieser Waldfragmente vorkommen.

„Im November 2014 haben wir eine wissenschaftliche Exkursion zusammen mit peruanischen Kollegen in das große Waldgebiet bei Sinchihual gemacht und umfangreiche Sammlungen mitgebracht. Wir haben so viele unbekannte Arten gefunden, dass wir bis heute deren wissenschaftliche Beschreibung noch nicht abgeschlossen haben“, erklärt Prof. Weigend. Dieser Wald ist seit November 2016 von der Erdoberfläche verschwunden. „Wir müssen leider davon ausgehen, dass einige der neu entdeckten Arten nun ausgestorben sind“, fürchtet Dr. Jens Mutke, welcher die Verbreitung andiner Pflanzen erforscht.

„Eine eingehendere Untersuchung der letzten Wälder dieser Region und gezielte Programme zur Wiederaufforstung mit dort heimischen Arten sind jetzt von größter Dringlichkeit“, sagt Prof. Weigend. Die Brände dürften, obwohl sie nur wenige Wochen gewütet haben, viele dieser äußerst seltenen und kaum erforschten Pflanzenarten ausgerottet oder zumindest an den Rand des Aussterbens gebracht haben. Dies könnte einer der ersten Fälle sein, wo die menschgemachte Erderwärmung direkt das Aussterben einer Vielzahl von Arten innerhalb weniger Monate zur Folge hatte, lautet die Einschätzung der Wissenschaftler.

Publikation:

Save last cloud forests in western Andes, Nature: Correspondence, DOI: 10.1038/541157e.

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