Berufsverband ALM zur Pandemie-Entwicklung

„Anlasslose Tests sollten jetzt vermieden werden"

Der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin beleuchtet die aktuelle Corona-Situation mit Blick auf die Labore. Punkte: Personal, Geräte und Material sind knappe Ressourcen; Labore arbeiten am Anschlag der Belastung; zum Testaufkommen: SARS-CoV-2-Tests sollten auf das Notwendige fokussiert werden.

Die fachärztlichen Labore im Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e.V.) weisen seit einigen Wochen auf die dynamische Entwicklung der Pandemie hin: Die Zahlen der Corona-Infizierten steigen auch weiterhin drastisch. Die jetzt 162 an der wöchentlichen und freiwilligen Datenerhebung teilnehmenden Labore aus dem ambulanten und stationären Bereich aus ganz Deutschland übermittelten eine deutlich steigende Positivrate von 5,7 Prozent (Vorwoche: 3,7 Prozent), das entsprach in der KW 43 insgesamt 70.106 positiven SARS-CoV-2-PCR-Tests. Mit insgesamt 1.235.321 (+ 12 Prozent) PCR-Tests ist das Testaufkommen erneut extrem hoch.

Die fachärztlichen Labore arbeiten seit einigen Wochen „am Anschlag“. Die bundesweit zunehmende Auslastung auf mittlerweile 89 Prozent ist ein Ausdruck der Überlastung. In einigen Bundesländern wird schon seit mehreren Wochen über der Kapazitätsgrenze gearbeitet. So ist es keine Überraschung, dass am Montagmorgen bei den teilnehmenden 162 Laboren auch weitaus mehr Proben aus der Vorwoche noch ohne Befund waren (68.231, + 228 Prozent im Vergleich zur Vorwoche). „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die einen unfassbar schweren Job leisten und dafür unsere besondere Wertschätzung verdienen, aber auch die Maschinen stehen seit Wochen unter extremer Dauerbelastung. Das macht uns wirklich Sorgen“, sagt Professor Dr. Jan Kramer, Vorstand im ALM e.V. Und Vorstand Wolf Kupatt bestätigt: „Anlasslose Tests sollten jetzt vermieden werden. Der Fokus muss nun konsequent auf dem medizinisch Notwendigen liegen. Dazu gibt uns die bekannte Nationale Teststrategie die richtige Guidance!“

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Seit dem Ende der Sommerferien sehen sich die fachärztlichen Labore mit einer ununterbrochen extrem hohen PCR-Auslastung konfrontiert. Dabei hat die Herbst-Winter-Saison mit der zunehmenden Zahl an Grippe-Erkrankten noch gar nicht richtig begonnen. „Wir setzen alles daran, die Bürgerinnen und Bürger so gut wie möglich in angemessener Zeit mit Diagnostik aus dem Labor zu versorgen“, erklärt Dr. Michael Müller. Doch nicht nur die Ärztinnen und Ärzte im Labor, das gesamte Gesundheitswesen sowie Wirtschaft und Politik seien bei der Bewältigung der Pandemie jetzt mehr als je zuvor gefragt: „Jeder Einzelne sollte jeden Tag sein Handeln so ausrichten, dass wir gut durch die nächsten Wochen kommen“, betont Müller.

Materialien und Menschen sind keine unendliche Ressourcen
Neben der bekannten und enorm wichtigen Empfehlung zum Einhalten der AHA + A + L-Regel (Abstand-Hygiene-Alltagsmasken plus App plus Lüften) gehe es insbesondere darum, unnötige Kontakte, große Menschenansammlungen und nicht notwendige Reisen zu vermeiden. „Auch die von uns erhobenen Zahlen zum Testgeschehen sprechen eine eindeutige Sprache: Sie zeigen, dass wir jetzt alle dringend gefordert sind, damit weiterhin insbesondere vulnerable Gruppen gut versorgt werden können“, so Müller.

Problematisch sei außerdem, dass es immer wieder zu Lieferengpässen der IVD-Hersteller kommt. „Mal sind es Abstrichtupfer, mal Reagenzien, dann wieder Verbrauchsmaterialien, jetzt gerade Pipettenspitzen, die fehlen. Das macht die Arbeit in den Laboren unnötig schwer. Hier muss dringend Abhilfe durch verlässliche Lieferungen geschaffen werden. Die SARS-CoV-2-Testungen sind unbedingt noch enger und bundesweit an der Nationalen Teststrategie und deren Priorisierung auszurichten“, fordert ALM-Vorstand Evangelos Kotsopoulos.

„Alle Verantwortlichen sollten im Blick haben, dass auch die medizinischen Labore als wichtiger Teil des Gesundheitssystems nicht überfordert werden. Wir haben schon während der Sommerferien darauf hingewiesen, dass Labordiagnostik keine unendliche und für jeden frei verfügbare oder gar disponierbare Ressource ist. Die Labore unternehmen große Anstrengungen, die Testkapazität kontinuierlich weiter auszubauen, sind aber von den Diagnostik-Herstellern abhängig. Wir sind Teil eines globalen Systems und merken jeden Tag, dass wir nicht alles, was wir dringend benötigen, auch immer sofort geliefert bekommen.“ Umso wichtiger sei es, dass gerade diejenigen Menschen, die die Tests vordringlich brauchen, diese auch rasch und niedrigschwellig erhalten, betont ALM-Vorstandsvorsitzender Michael Müller.

Regelungsdschungel lässt Akzeptanz schwinden
Eine große Herausforderung sei darüber hinaus immer noch, dass viele Bürgerinnen und Bürger die vielen unterschiedlichen Regelungen, die auch noch von Bundesland zu Bundesland variieren können, nicht mehr verstehen und dann auch nicht in der Lage sind, diese nachzuvollziehen und umzusetzen. ALM-Vorstand Müller: „Wir brauchen unbedingt einfache, klare und einheitliche Regelungen.“ Das sollte, so die einhellige Meinung des ALM-Vorstandes, auch im Hinblick auf das nächste Treffen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Länder an diesem Mittwoch berücksichtigt werden.

„Klare Regelungen und Empfehlungen gibt es im Übrigen schon, was die Priorisierung und den sinnvollen Einsatz von SARS-CoV-2-Tests in der Pandemie anbelangt“, so Müller. „Die Nationale Teststrategie des Bundesministeriums für Gesundheit, die auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts als die wesentliche Grundlage für Entscheidungen dargestellt und umfangreich erläutert ist.“

Quelle: ALM – Akkreditierte Labore in der Medizin e.V.

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