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Das zweite Leben der Bakterien von Alexander von Humboldt

Paris 1823: Der große Naturforscher Alexander von Humboldt erhält eine Staubprobe aus der Sahara als Geschenk. Jahre später findet diese Probe ihren Weg nach Berlin zu Christian Gottfried Ehrenberg, ebenfalls berühmter Naturforscher und Freund Humboldts. Heute ist die Probe Teil der Ehrenberg-Sammlung im Museum für Naturkunde in Berlin. Sie enthält sehr viele Typen von Mikroorganismen, unveröffentlichten Zeichenblättern sowie Original-Probenmaterial aus aller Welt.

Paris 2011: Die Bakterien sind zurück und leben. Sie wurden durch die Berliner Wis¬senschaftlerin Prof. Dr. Anna Gorbushina von der BAM Bundesanstalt für Materialfor¬schung und -prüfung "wiederbelebt" und werden nun durch die High-Tech-Kunst-Installation von Sabine Kacunko in der École nationale supérieure des Beaux-Arts (ENSDBA) sichtbar gemacht.

Um die Organismen in der absolut trockenen Staubprobe wiederzubeleben, wurde ein winziger Teil der Probe zunächst mit physiologischer Kochsalzlösung versetzt. Danach wurde der Staub abgetrennt und die zurückgebliebene Lösung auf Nährböden in Petri-Schalen ausgestrichen. Was dann in den nächsten Stunden in den Brutschränken der BAM bei angenehmer Wärme heranwuchs, lebte auch schon vor 188 Jahren, aber war aufgrund der ungünstigen Lebensbedingungen seitdem inaktiv. "Ich hatte Ehrfurcht, als ich die historische Probe in der Hand hielt. Und ich zögerte anfangs doch ein wenig, die Probe anzusetzen", so Prof. Gorbushina.

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Bakterien sind Überlebenskünstler. Sie sind sehr beständig, sie halten große Temperaturschwankungen oder UV-Strahlung aus und überleben lange in absoluter Trockenheit. Bakterien oder allgemeiner Mikroorganismen überziehen alle Materialien auf der Erde mit einem Biofilm. Diese Materialien können Staubpartikel bis hin zu Denkmälern aus Stein oder Fassaden aus Metall sein.

Die Formen und Widerstandsfähigkeit dieser Mikroorganismen und deren Visualisierung interessieren die Künstlerin Sabine Kacunko. Mit ihrem aktuellen Kunstprojekt BOOTSCHAFT - CRISTAL MIRROR entwickelte sie eine neue Methode, um Biofilme im öffentlichen Raum an historisch, politisch oder geographisch bedeutenden Objekten sichtbar zu machen. Dazu gestaltete sie eine oktaedrische Skulptur aus Karbon, dessen Proportion der der Cheops-Pyramide entspricht. Eine Petri-Schale mit den wiederbelebten historischen Bakterienkulturen wird in der Skulptur, unter einem Video-Mikroskop platziert und die Aufnahmen vom Zellwachstum werden live in das World Wide Web transferiert. Während der Aktionszeit wachsen die lebenden Kulturen und digitale Netzwerke sowie auch Telekommunikationsnetzwerke werden künstlerisch zur Vermittlung und Aussendung von Botschaften genutzt. Die "Wiederbelebung" eines beinahe 200 Jahre alten Bakteriums als Produkt transdisziplinärer Kollaboration birgt eine vielschichtige Symbolik.

Am 27. November von 18 bis 21 Uhr eröffnet BOOTSCHAFT - CRYSTAL MIRROR in Paris in der ENSDBA die 17. ICOMOS Generalkonferenz. BOOTSCHAFT - CRYSTAL MIRROR ist ein aufbauendes und prozessorientiertes lebendes Kunstwerk, welches nach Eröffnung in Paris weltweit auf Tour gehen wird. Zur Eröffnung werden rund 1500 Gäste erwartet, darunter Frankreichs Präsident, Nicolas Sarkozy, der neben der General-Direktorin der UNESCO Irina Bokova Schirmherr dieser Veranstaltung ist.

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