Interdisziplinäre Forschung

Melanie Steinbeck/dpa,

Labore als Ideenschmiede für die Zukunft

Was haben Labore mit Kunst und Design zu tun? Für die Studenten der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle sind das einzigartige Angebote. «Was dort entwickelt wird, sind Ideen für die Zukunft», sagt die Projektleiterin der BurgLabs und Professorin für Industriedesign, Mareike Gast. In den Laboren forschen die interdisziplinären Teams an zukunftsweisenden Themen. Ebenso stehen sie Studierenden für Semesterprojekte zur Verfügung. «Das ist deutschlandweit in dieser Ausrichtung einmalig. Und das Angebot wird rege wahrgenommen, weil die Themen Nachhaltigkeit, Biotechnologie und Robotik auch Kunst- und Designstudierende betreffen», so Gast. Insgesamt gibt es drei Labore.

Mit einer Schlauchstruktur aus Alginat wird im X-Lab der Burg Giebichenstein- Kunsthochschule Halle die Form einer Schuhsohle im Spritzgussverfahren gefertigt. An der Bildungseinrichtung werden neue, nachhaltige Werkstoffe zum Beispiel auf Basis von Algen oder Pilzen entwickelt. © Sebastian Willnow/dpa

Lebende Materialien wachsen zu Schuhsohlen

Im Labor «BioLab» wachsen lebende Materialien zu dreidimensionalen Produkten. Beispielsweise druckt ein Roboterarm mit einer Nadel eine grüne, gallertartige Substanz als Schlauch in ein Gel, dabei wird das Muster einer Schuhsohle geformt. Auf dem Schlauch werden Pilze, Bakterien und andere Mikroorganismen angesiedelt, die schließlich zu einer Schuhsohle heranwachsen – ein Forschungsprojekt des BioLab Teams. «Für die Studierenden ist das Experimentieren Teil ihrer Arbeit», sagt Gast. «Es geht hier zunächst um gestalterische Forschung und neue Lösungsansätze für konkrete Anwendungen, weniger um die unmittelbare Verwertung.»

Im Nachhaltigkeits-Labor «SustainLab» werden Möglichkeiten eines nachhaltigeren Umgangs mit Materialien erforscht. Eines der Forschungsthemen der künstlerischen und wissenschaftlichen Mitarbeitenden: Schuhe reparieren, aufarbeiten und tauschen. «Wir arbeiten unter anderem an neuen Techniken für die Aufarbeitung von Schuhsohlen. Neue Umgangsformen können neue Reparaturformen ermöglichen», sagt die künstlerische Mitarbeiterin des SustainLab, Ina Turinsky.

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Mareike Gast, Projektleiterin für Industriedesign an der Burg Giebichenstein - Kunsthochschule Halle. An der Bildungseinrichtung werden neue, nachhaltige Werkstoffe zum Beispiel auf Basis von Algen oder Pilzen entwickelt. © Sebastian Willnow/dpa

«Auch gibt es Ideen, Schuhe völlig anders zu produzieren. Der Prototyp eines Schuhs der Zukunft wird durch spezielle Fäden zusammengehalten, die wieder abgewickelt werden können, wenn der Schuh nicht mehr gebraucht wird.» Das Ganze könnte von Robotern geschnürt werden. Ein weiterer Vorteil: Die jeweilige Schuhgröße und -form kann individuell angepasst werden.

Türklinken aus Insektenmaterial

Ein anderes Forschungsprojekt beschäftigt sich mit Produkten aus Insektenchitin. Das Material fällt bei der Häutung von Larven in Insektenfarmen für die Futtermittelindustrie in großen Mengen an. Als Beispiel wurde eine Tischlampe und eine Türklinke hergestellt. Der Vorteil dieses Materials ist, dass es durch lokal ansässige Unternehmen gewonnen, verarbeitet und recycelt werden kann.

Erste Anwendung aus der Forschung

«Das Labor "XLab" beschäftigt sich mit der Entwicklung von zukünftigen Anwendungen für Roboter und andere digitale Fertigungsmethoden», sagt der Leiter des Labors, Kristian Gohlke. «Für die Studierenden ist es ein Privileg, an derartigen Techniken hier arbeiten zu können.»

Vieles von den Projekten ist noch Zukunftsmusik und Grundlagenforschung. Aber es gibt auch Ansätze der praktischen Verwertung. Eine Ausgründung eines ehemaligen Studenten gewinnt Verpackungsmaterial aus den dünnen Häuten, die sich bei Hühnereiern zwischen Schale und Eiweiß befinden.

Die Ergebnisse werden in den Jahresausstellungen der Hochschule und etwa bei der Langen Nacht der Wissenschaften in Halle und derzeit im Grassi-Museum Leipzig präsentiert.

Quelle: dpa

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