Nach zwei verhaltenen Geschäftsjahren:

Heraeus plant Wende

Der Hanauer Edelmetall- und Technologiekonzern Heraeus hat das Geschäftsjahr 2013 trotz rückläufiger Zahlen noch zufriedenstellend abgeschlossen. Das gab die Geschäftsführung der Heraeus Holding GmbH auf der Bilanzpressekonferenz am 08. Mai in Frankfurt/Main bekannt.

Die nachlassende Wachstumsdynamik auf dem für Heraeus wichtigen chinesischen Markt sowie die weiterhin unsichere Situation auf den Märkten in Europa und USA führten bei gleichzeitig gesunkenen Edelmetallpreisen zu einem erneuten Umsatz- und Ergebnisrückgang des Heraeus Konzerns gegenüber dem Vorjahr.

In Summe erzielte Heraeus einen Produktumsatz von 3,6 Mrd. Euro (-10 % gegenüber 2012). Dieses Ergebnis wurde jedoch stark von Edelmetalleffekten beeinflusst: Der bereinigte Umsatz ohne Edelmetallanteile liegt für 2013 mit einem Plus von 2 % leicht über dem Vorjahr. Die schwache industrielle Nachfrage nach Platin, Gold und Silber führte im abgelaufenen Geschäftsjahr zu einem Rückgang des Edelmetallhandelsumsatzes auf 13,5 Mrd. Euro (-16 %).

Das operative Ergebnis (EBIT) sank um 29 % auf 256 Mio. Euro. Der weiterhin stagnierende Photovoltaikmarkt, Einmaleffekte aus Restrukturierungsmaßnahmen sowie Aufwendungen für das IT-basierte Prozessharmonisierungsprogramm Magellan waren hier die wesentlichen Gründe. Deutlich positiv hingegen entwickelte sich das Jahresergebnis des Heraeus Konzerns mit 454 Mio. Euro (+92 % gegenüber 2012). Diese Steigerung ist auf die Erlöse beim Verkauf des Geschäftsbereichs Heraeus Dental im vergangenen Geschäftsjahr zurückzuführen.

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"Heraeus konnte sich der eher verhaltenen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im vergangenen Jahr nicht vollständig entziehen, auch wenn die signifikanten Rückgänge beim Produktumsatz und operativen Ergebnis im Wesentlichen Edelmetall- und Einmaleffekten zuzuordnen sind", fasste Jan Rinnert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Heraeus Holding GmbH, die wirtschaftliche Entwicklung zusammen. "Vor den beschriebenen Hintergründen sind wir mit dem Geschäftsjahr 2013 gerade noch zufrieden, planen aber für die Zukunft deutliches Wachstum."

Investitionen auf hohem Niveau
Mit 141 Mio. Euro lagen die Investitionen in Sachanlagen 2013 erneut deutlich über dem Vorjahresniveau (2012: 126 Mio. Euro). Dabei entfiel ein Großteil der Investitionen auf den Aufbau neuer Produktionsstandorte in Südost-Asien, China und Osteuropa.

Daneben hat sich Heraeus im abgelaufenen Geschäftsjahr zielgerichtet durch Akquisitionen verstärkt: So übernahm der Geschäftsbereich Speziallichtquellen die Fusion UV Systems-Gruppe, USA, um das Technologieportfolio im Bereich der UV-Lichterzeugung zu erweitern. Das neue, gemeinsame Angebot deckt unterschiedliche UV-Lichterzeugungsverfahren ab, was auch neue Anwendungsfelder ermöglicht. Daneben übernahm der Geschäftsbereich Edelmetalle das Solarpasten-Geschäft des US-amerikanischen Konzerns Ferro. Die vormaligen Ferro-Aktivitäten wurden in die bestehenden Photovoltaikaktivitäten von Heraeus integriert.  

Im Geschäftsjahr 2013 führte der Heraeus Konzern auch ein Desinvestment durch: Zum 30. Juni wurde der Geschäftsbereich Dentalprodukte (Heraeus Kulzer) an den japanischen Chemiekonzern Mitsui verkauft. Hauptgrund ist die grundlegende Veränderung des globalen Dentalmarkts, der immer weniger dem Heraeus Kerngeschäft entsprach.

"2013 haben wir die Weichen für einen neuen Kurs gestellt. Dazu gehörten die strategische Neuausrichtung einiger Geschäftsbereiche genauso wie die Akquisitionen und das Desinvestment", erläuterte Jan Rinnert. "Gleichzeitig haben wir wie in den Vorjahren in attraktive Wachstumsmärkte in wichtigen Regionen investiert."

Innovation und Mitarbeiter als Grundlage erfolgreicher Tätigkeit
Mit dem Stichtag 31. Dezember 2013 beschäftigte Heraeus 12454 Mitarbeiter. Das sind 1161 Personen bzw. 9 % weniger als zum Vergleichszeitpunkt des Vorjahres, was im Wesentlichen auf die Veräußerung der Dentalsparte zurückzuführen ist.

Die große Bedeutung von Innovationen bei Heraeus zeigt sich in aktuell über 5200 Patenten und Patentanmeldungen. Allein im Geschäftsjahr 2013 kamen 110 neue Basispatente hinzu. Jedes Patent wird in durchschnittlich vier bis fünf Ländern/Regionen angemeldet. In die Entwicklung neuer Produkte und Technologien investierte der Konzern rund 86 Mio. Euro.

Für künftiges Wachstum wird Heraeus noch stärker als bisher in Forschung & Entwicklung investieren. "Wir wollen stärker zukünftige Trends antizipieren", erläuterte Rolf Najork, COO und Mitglied der Heraeus Holding Geschäftsführung. "Um weiter erfolgreich zu bleiben, entwickeln wir eine Technologie-Roadmap, die zu den Produktplänen unserer Kunden passt. Und das machen wir verstärkt geschäftsbereichsübergreifend." Der Fokus liegt dabei auf interessanten Zukunftsmärkten wie erneuerbare Energien.

Geschäftsbereiche mit unterschiedlicher Entwicklung
Auch im Geschäftsjahr 2013 verzeichneten die Geschäftsbereiche des Heraeus Konzerns zum Teil sehr unterschiedliche Entwicklungen.

Positive Impulse gingen von der Nachfrage nach Medizinkomponenten, Aufbau- und Verbindungstechnik für die Automobilindustrie sowie Sensoren für die Stahlproduktion aus. Weiterhin entwickelten sich die Märkte für Knochenzemente wie auch für Glasfasern für die Telekommunikationsindustrie sehr gut. Relevante Märkte wie die Photovoltaik, das Halbleitergeschäft sowie das Edelmetallrecycling führten in einigen Geschäftsbereichen zu Umsatzrückgängen. So entwickelten sich die Geschäftsbereiche im Einzelnen:

Durch die massive Marktkonsolidierung im Photovoltaikbereich wurde der Vorjahresumsatz im Geschäftsbereich Edelmetalle nicht erreicht. Der Produktumsatz ging gegenüber 2012 um 14 % zurück. Der Edelmetallhandelsumsatz lag vor allem wegen der geschwächten industriellen Nachfrage mit minus 16 % deutlich unterhalb des Vorjahreswerts. Die angesichts der gesunkenen Edelmetallpreise gute Nachfrage des Investmentsektors konnte die negative Entwicklung nur teilweise kompensieren.

Die Segmente des Geschäftsbereichs Materialien und Technologien bewegten sich bei einem stabilen Geschäftsverlauf auf durchschnittlichem Niveau. Auch die Auftragslage blieb im Jahresverlauf weitestgehend konstant. Der Produktumsatz lag jedoch 18 % unter dem Vorjahreswert, was im Wesentlichen auf die verhaltene Nachfrage in der Elektronik- und Halbleiterindustrie zurückzuführen ist.

Im Zusammenspiel von steigendem Preisdruck und einer zunehmenden Dominanz des Stahlmarkts in China konnte der Geschäftsbereich Sensoren den Umsatz bei relativ stabiler Auftragslage im Jahr 2013 gegenüber dem Vorjahr um 2 % leicht steigern. Dabei hatte der Geschäftsbereich spürbar unter dem im Vergleich zu anderen Währungen starken Euro zu leiden.

2013 war das bislang erfolgreichste Jahr des Geschäftsbereichs Biomaterialien und Medizinprodukte: Das Umsatzwachstum entwickelte sich mit 10 % deutlich über dem durchschnittlichen Branchenwachstum des Jahres in Höhe von 3 %. Beigetragen haben hierzu die positive Entwicklung in den etablierten Märkten Europa und Nordamerika sowie das Neugeschäft in Asien und Afrika.

Der Geschäftsbereich Quarzglas steigerte im abgelaufenen Geschäftsjahr seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 10 %. Die erfreuliche Auftragslage entstand insbesondere durch die weiterhin hohe Nachfrage nach optischen Glasfasern für die Telekommunikationsindustrie. Die Nachfrage nach synthetischem Quarzglas für Infrastrukturprojekte, vor allem in China, wächst seit 2005 kontinuierlich. Gerade auf diesem Markt konnte der Geschäftsbereich Marktanteile gewinnen.

Der Geschäftsbereich Speziallichtquellen erreichte einen Umsatzanstieg von 49 % gegenüber dem Vorjahr, der jedoch vor allem aus der Akquisition der Fusion UV Systems-Gruppe resultierte. Bereinigt um diesen Effekt lag der Umsatz des Geschäftsbereichs leicht über dem Niveau des Vorjahres (+1,3 %). Vor allem das Geschäft mit industrieller Prozesstechnik entwickelte sich im Berichtsjahr zurückhaltend. Grund dafür ist das weiterhin schwache Marktumfeld für Investitionsgüter in den Hauptabsatzmärkten Europa, USA und Asien.

Ausblick: Leichte konjunkturelle Belebung bei großen Unsicherheiten auf globalökonomischer Ebene
Der Heraeus Konzern liegt im laufenden Geschäftsjahr insgesamt im Plan. Das zeigen die Ergebnisse des ersten Quartals, in dem einige Geschäftsbereiche gut ins Jahr 2014 gestartet sind, andere wiederum weiterhin recht verhalten. Die unsichere ökonomische Gesamtsituation, mit der der Heraeus Konzern im Jahr 2013 umgehen musste, wird sich aller Voraussicht nach im laufenden Geschäftsjahr vorerst fortsetzen.

"Wir erwarten für 2014 insgesamt eine Verbesserung des operativen Ergebnisses. Dies soll vor allem über zahlreiche Initiativen und Maßnahmen erreicht werden, die derzeit im Heraeus Konzern zur Steigerung der Effizienz und Verbesserung der Margen umgesetzt werden. Die damit verbundenen Kosten wurden bereits im Ergebnis für 2013 verarbeitet", so Jan Rinnert. "Dazu kommt, dass Prognosen eine konjunkturelle Erholung insbesondere im zweiten Halbjahr sehen."

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