Entropy-Piano-Tuner

Neue Software stimmt Klaviere

Per Software ein Klavier stimmen: Zwei Physiker von der Universität Würzburg machen es möglich. Ihre Entwicklung mit dem Namen „Entropy-Piano-Tuner“ stellen sie kostenfrei im Internet zur Verfügung.

Christoph Wick und Haye Hinrichsen (rechts) von der Universität Würzburg haben die Software entwickelt. (Foto: privat)

„Klavierstimmer werden arbeitslos“: So titelten vor gut drei Jahren manche Medien, nachdem sie von einer Idee aus Würzburg Wind bekommen hatten. Physikprofessor Haye Hinrichsen hatte in einer Publikation Folgendes behauptet: Die physikalische Größe der Entropie, ein Maß für die Unordnung eines Systems, müsste für das Stimmen eines Klaviers nutzbar sein. Der Haken an der Sache: Es war nur eine Idee, zum damaligen Zeitpunkt war noch kein einziges Klavier tatsächlich nach dem „neuen Verfahren“ gestimmt worden.

Jetzt allerdings, im Oktober 2014, meldet Hinrichsen den Vollzug seiner Idee: „Mein ehemaliger Masterstudent Christoph Wick und ich haben eine Software entwickelt und sie in Zusammenarbeit mit Professor Andreas C. Lehmann von der Würzburger Hochschule für Musik im Doppelblindverfahren getestet.“

Der Test verlief erfolgreich. „Darum haben wir die Software unter dem Namen ‚Entropy-Piano-Tuner‘ als Open-Source-Projekt veröffentlicht. Sie kann kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden, ist leicht zu bedienen und läuft auf allen gängigen Geräten, sogar auf Handys und Tablets“, sagt Hinrichsen.

Was gewöhnliche elektronische Stimm-Helfer bisher nicht konnten
Klaviere besitzen ein komplexes Obertonspektrum. Klavierstimmer brauchen ein feines Gehör und technisches Können, um diese Vielzahl von Obertönen aufeinander abzustimmen.

Anzeige
So arbeitet es sich beim Klavierstimmen mit dem „Entropy-Piano-Tuner“. (Bild: Haye Hinrichsen)

Im Handel gibt es zwar seit längerem einfache elektronische Geräte, mit denen sich Musikinstrumente auf die korrekten Tonfrequenzen bringen lassen. Für Klaviere sind sie aber nicht geeignet, denn: „Klaviere, die damit gestimmt werden, klingen für das musikalisch geschulte Gehör so, als seien sie verstimmt“, so Hinrichsen.

Die Ursache dafür: Mit den elektronischen Helfern lassen sich zwar die Grundtöne in Harmonie bringen, nicht aber die Obertöne. Die aber seien ausschlaggebend dafür, ob der Mensch einen Klang als harmonisch empfindet oder nicht.

Wie der „Entropy-Piano-Tuner“ bei Fachleuten ankommt
Mit der physikalischen Größe der Entropie und einem passenden Algorithmus haben Hinrichsen und Wick diesen Mangel behoben. „Unser Entropy-Piano-Tuner wird gerade von Klavierstimmern wohlwollend aufgenommen und in einschlägigen Foren diskutiert“, freut sich Hinrichsen. Das Arbeiten mit der neuen Software scheint zwar einigen Profis zu lange zu dauern, dafür zeigen sich wieder andere beeindruckt vom guten Ergebnis.

Die Nachfrage nach der Software ist laut Hinrichsen überraschend groß: Allein von der Android-Version gebe es inzwischen weltweit über 5000 aktive Installationen. Und die Physiker sind weiter auf Expansionskurs: „Engagierte Klaviertechniker helfen uns freiwillig beim Übersetzen des Tuners in andere Sprachen, sogar ins Chinesische.“

Kontakt:
Prof. Dr. Haye Hinrichsen
Lehrstuhl für Theoretische Physik III, Universität Würzburg
E-Mail: hinrichsen@physik.uni-wuerzburg.de

Weitere Infos:
Zum Download des Entropy Piano Tuners: http://piano-tuner.org/
Einige Hörbeispiele: http://piano-tuner.org/de/audio-samples

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem LABO Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite