Alkoholische Leberfibrose diagnostizieren

Darmbakterien als Indikator?

Das Forschungskonsortium GALAXY entwickelt neuartige Diagnose- und Therapiemethoden, mit denen Lebererkrankungen deutlich früher erkannt und therapiert werden sollen.

Prof. Dr. Jonel Trebicka von der Medizinische Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums Bonn ist am internationalen GALAXY-Projekt beteiligt. (© Foto: Marianne Lie Becker / University of Southern Denmark)

Vor allem durch starken Alkoholkonsum ausgelöste Leberzirrhosen weisen geringere Überlebensraten auf, als verschiedene Krebsarten. Das Projekt wird von der Europäischen Union mit rund 6,3 Mio. Euro gefördert. Die Federführung hat die University of Southern Denmark, das Bonner Universitätsklinikum ist beteiligt.

Leberzirrhosen sind für 170000 Todesfälle jährlich in Europa verantwortlich. Der Kontinent ist hinsichtlich des Alkoholkonsums im weltweiten Vergleich führend. Alkohol wiederum ist die Hauptursache von Lebererkrankungen - insbesondere der Leberzirrhose als Endstadium. Während die Überlebensraten bei der Behandlung vieler Erkrankungen in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen sind, stagnieren die Therapieerfolge bei Lebererkrankungen. Das Forschungskonsortium GALAXY, das vom Odense-Universitätsklinikum in Dänemark geleitet wird, will nun in die Offensive gehen.

Das internationale Forschungsteam wird von der Europäischen Union mit 6,3 Mio. Euro gefördert. Aleksander Krag, Koordinator der Forschergruppe und Prof. an der University of Southern Denmark sowie am Odense University Hospital, setzt große Hoffnungen in dieses Projekt.

Die Anfälligkeit für durch Alkohol ausgelöste Erkrankungen variiert von Mensch zu Mensch. Rund 5 bis 10 % der starken Alkoholiker erkranken an einer Leberzirrhose. Allerdings kann eine solche Lebererkrankung auch bereits durch weitaus geringeren Alkoholkonsum ausgelöst werden. Da es bislang keine verlässliche Vorhersage gibt, erfolgt bei vielen Patienten die Diagnose erst zu einem Zeitpunkt, wenn bereits irreparable Schäden der Leber vorliegen.

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Leberschäden sollen viel früher diagnostiziert werden
Das Ziel des sechs Jahre lang geförderten Forschungsprojektes ist es, auf eine möglichst einfache Weise die Menschen zu erkennen, die von einer schleichenden Lebererkrankung betroffen sind. Das könnte zum Beispiel ein einfacher Bluttest sein, der anzeigt, wenn Menschen besonders schnell eine Leberzirrhose entwickeln und deshalb besonders rasch eine Therapie benötigen.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass im Darm lebende Bakterien hierfür ein vielversprechender Ansatz sind. Die Hypothese lautet, dass diese Bakterien mit der Leber zusammenwirken – sie können das Organ entweder schützen oder die Ausbildung von schädlichem Narbengewebe begünstigen.

Während in Dänemark hierzu Untersuchungen an Patienten durchgeführt werden, prüfen Wissenschaftler um Prof. Dr. Jonel Trebicka, Oberarzt an der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums Bonn, die so gewonnenen Ergebnisse modellhaft an Tieren. „Wir werden versuchen, für diese Pathomechanismen Behandlungsmöglichkeiten zu testen“, sagt Prof. Trebicka. Der Wissenschaftler geht von einer sehr hohen Dunkelziffer bei Leberzirrhosen aus, weil dieser Erkrankung aufgrund des zugrundeliegenden Alkoholkonsums ein Stigma anhaftet. „Das Ausmaß, vor allem bei jungen Menschen, ist erschreckend“, sagt der Oberarzt des Uniklinikums Bonn. Das Projekt werde helfen, Patienten mit einem hohen Risiko früher zu erkennen und mögliche Therapien zu entwickeln.

Die Projektpartner im Konsortium
An GALAXY sind das Center for Basic Metabolic Research der Universität Kopenhagen (Dänemark), das Steno Diabetes Center in Gentofte (Dänemark), die Universität Oslo (Norwegen), das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg, das Universitätsklinikum Bonn, die Akademie für Biomedizinische Forschung (Griechenland), Nordic Bioscience (Dänemark) und Nordic Rebalance (Dänemark) beteiligt.

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