Donnerstag 15.9.2016 - Freitag 16.9.2016
Industriekreis Tagung Zeitzeugen XIII

Der in der Fachgruppe Geschichte der Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) angesiedelte Industriekreis hält seine diesjährige Zeitzeugentagung in Hannover im Hause der TÜV NORD AG ab. Wie bei den bisherigen zwölf Veranstaltungen ist es auch diesmal wieder gelungen, Zeitzeugen zu gewinnen, die über die Entwicklung der chemischen Industrie in den letzten Jahrzehnten vor allem in Deutschland berichten. Insgesamt wurden 19 Beiträge eingereicht.
Professor Dr. Dietrich Braun, ehemaliger langjähriger Leiter des Deutschen Kunststoff-Instituts Darmstadt, gibt einen Überblick über die praktisch alle Lebensbereiche erfassenden Umwälzungen, die mit der Entwicklung der Kunststoffe verbunden waren und sind. Das Zeitalter der Kunststoffe lässt Braun um das Jahr 1840 beginnen, als Charles Goodyear die Vulkanisation des Kautschuks entdeckte. Aufgrund steter Verbesserungen der polymeren Materialien und Werkstoffe ist ein Ende des Kunststoffzeitalters nicht absehbar.
Dr. Claus Christ berichtet über die regulatorische und technische Entwicklung des Umweltschutzes bei der Hoechst AG und ihren Vorläuferfirmen, beginnend bei ersten innerbetrieblichen "Instructionen" im späten 19. Jahrhundert bis hin zur modernen Umweltschutzgesetzgebung und deren Auswirkungen auf die Wirtschaft und Branchenpolitik in Deutschland. Dezidiert werden vor allem die Umweltaktivitäten in den verschiedenen Werken nach der Neugründung des Unternehmens 1951 beschrieben.
Als einer der "Väter" des Organikums erläutert Professor Dr. Egon Fanghänel die Entstehungsgeschichte des berühmten Lehrbuchs ab 1958, das mit 450.000 verkauften Exemplaren eines der erfolgreichsten akademischen Unterrichtswerke der organischen Chemie wurde. Und als Fachbuch für synthetisch arbeitende Chemiker – auch in der Industrie – vor allem aber für die Bachelorausbildung hat „Das Organikum“ weiterhin seine Daseinsberechtigung. Es wurde bislang in elf Sprachen übersetzt.
Dr. Egbert Gritz informiert über die Historie und den gegenwärtigen Stellenwert der Fischer-Tropsch-Synthese, die in Deutschland entwickelt wurde, um flüssige Kohlenwasserstoffe, insbesondere Benzin, aus Kohle zu gewinnen. Das erste Patent wurde den beiden Forschern, Franz Fischer und Hans Tropsch, 1925 erteilt. Zehn Jahre später gelang die Produktion in großem Maßstab, nachdem dafür leistungsfähige Katalysatoren entwickelt werden konnten. Als nach dem Krieg in Westdeutschland ausreichend Erdöl zur Verfügung stand, war die Fischer-Tropsch-Synthese hier nicht mehr konkurrenzfähig, in Südafrika hingegen entschied man sich für dieses Verfahren, das in Sasolburg 1955 anlief. Gritz war zeitweilig bei der Firma Sasol in Südafrika in der Katalysatorforschung leitend tätig.
Der Chemiker Dr. Klaus-D. Röker gibt als ehemaliger Vorstandsvorsitzender der TÜV Nord AG einen Überblick über die Geschichte der Technischen Überwachungsvereine von der Dampfkesselüberwachung ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum heutigen Dienstleister in Sachen Sicherheit. In einem zweiten Vortrag berichtet er über die Fortschritte, die mit dem Einzug Computer gestützter Verfahren (CAD, CAE, FEM) bei der Entwicklung von Fahrzeugreifen zu verzeichnen waren und – statt empirischer Methoden – heute ein zielgenaues Design des Endprodukts ermöglichen.
Veranstalter:
GESELLSCHAFT DEUTSCHER CHEMIKER e.V. (GDCh)
Fortbildung
Postfach 90 04 40
60444 Frankfurt am Main
E-Mail: [email protected]
http://www.gdch.de
- Termininformationen:
- Donnerstag 15.9.2016 - Freitag 16.9.2016
- Ort:
- Hannover
