Fortschritte in der Alzheimer-Forschung
Forschende fordern praktische Umsetzung von Diagnose-und Behandlungsmöglichkeiten
Die Möglichkeiten bei einer Alzheimer-Erkrankung haben sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Neue Bluttests und Medikamente ermöglichen frühere Diagnosen und gezielte Behandlung. Forschende fordern, diese Fortschritte schneller in die Praxis zu bringen.
Die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten bei Alzheimer-Krankheit haben sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Führende Forschende fordern nun, dass die neuen Methoden stärker in der klinischen Praxis umgesetzt werden. Eine Artikelreihe im Fachjournal The Lancet gibt einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der internationalen Forschung.
„Alzheimer ist keine Erkrankung mehr, gegen die man kaum etwas tun kann“
„Dies ist ein klares Statement und ein Weckruf für Schweden. Wir haben einen Punkt erreicht, an dem Alzheimer keine Erkrankung mehr ist, gegen die man kaum etwas tun kann. Wir müssen jetzt die neuen diagnostischen Methoden und Medikamente implementieren und das Gesundheitssystem verändern“, sagt Henrik Zetterberg, Professor für Neurochemie an der Universität Göteborg.
Zetterberg ist Koautor von zwei der drei Artikel der Reihe The Lancet Series on Alzheimer’s disease, die den Forschungsstand weltweit zusammenfasst.
Konsens über Krankheitsmechanismen und Biomarker
Die Artikel beschreiben die Geschichte der Alzheimer-Forschung, zentrale Entdeckungen, Kontroversen und den aktuellen Konsens: Die Erkrankung wird durch pathologische Veränderungen mit hohen Konzentrationen von Amyloid- und Tau-Proteinen im Gehirn ausgelöst.
Ebenso herrscht Einigkeit darüber, dass Menschen mit Gedächtnisproblemen einen Fingerstich erhalten sollten, um eine Blutprobe für die Analyse von Alzheimer-Biomarkern zu entnehmen – möglichst früh, wenn Symptome erst mild ausgeprägt sind.
Neue Tests und Medikamente
„Die Debatte ist, ob die neuen klinischen Tests ausreichend sind und ob die neuen Medikamente einen klinisch relevanten Effekt haben. Die Antwort auf diese Fragen lautet laut der Forschenden ja: Die Tests seien adäquat, und die Medikamente nützlich und sollten eingesetzt werden – solange Risiken wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen richtig gemanagt werden“, betont Zetterberg.
Die EU hat die Wirkstoffe Lecanemab und Donanemab zugelassen. Beide sollen in bestimmten Fällen das Fortschreiten einer leichten Alzheimer-Demenz verlangsamen, indem sie Amyloid-Plaques im Gehirn abbauen. Der Stand der Einführung unterscheidet sich aber zwischen den EU-Mitgliedsstaaten. In Schweden wartet das Gesundheitssystem derzeit noch auf eine regulatorische Freigabe, bevor die Medikamente eingesetzt werden können.
Mehr Bluttests in der Primärversorgung
Unterdessen werden in der schwedischen Primärversorgung aber bereits zunehmend Bluttests bei grundlegenden Gedächtnisuntersuchungen durchgeführt – als Ergänzung zu kognitiven Tests und Untersuchungen der körperlichen und geistigen Gesundheit. Diese Tests helfen auch, andere Ursachen wie Stress, Depression oder Hirntumoren auszuschließen.
Im Labor von Henrik Zetterberg am Sahlgrenska Universitätskrankenhaus in Mölndal hat die Zahl der eingesandten Blutproben in den vergangenen Monaten stark zugenommen: „Jede Woche bearbeiten wir vielleicht 40 bis 50 Proben, vor allem aus Schweden und aus verschiedenen Teilen des Landes, und ich erwarte, dass diese Zahl im Herbst noch deutlich steigt“, sagt er.
Keine Screening-Maßnahme, sondern klinische Routine
Zetterberg betont, dass es sich dabei nicht um ein Screening handele, sondern um die reguläre Versorgung von Patientinnen und Patienten, die aufgrund nachlassender Gedächtnis- oder kognitiver Fähigkeiten Hilfe suchen. Eine seiner Lancet-Publikationen beschreibt die Fortschritte in der Alzheimer-Diagnostik als eine Revolution.
„Es ist großartig, dass wir dies in Schweden bereits implementiert haben; wir sind klinisch an der Spitze. Dass wir die Medikamente noch nicht verfügbar haben, ist ärgerlich und ethisch problematisch, um es milde auszudrücken. Die Lancet-Artikel beziehen klar Stellung: Wir haben jetzt etwas, das tatsächlich vielversprechend aussieht, und können die Diskussion über den Nutzen hinter uns lassen“, fasst Zetterberg zusammen.
Originalpublikationen:
Frisoni, G. B., et al. (2025). New landscape of the diagnosis of Alzheimer's disease. The Lancet, 406(10510), 1389–1401. DOI:10.1016/S0140-6736(25)01294-2
Fox, N. C., et al. (2025). Treatment for Alzheimer's disease. The Lancet, 406(10510), 1402–1414. DOI:10.1016/S0140-6736(25)01329-7
Frisoni, G. B., et al. (2025). Alzheimer’s disease outlook: controversies and future directions. The Lancet, 406(10510), 1415–1427. DOI:10.1016/S0140-6736(25)01389-3
Quelle: Universität Göteborg










