Teamplay in Echtzeit

Gebäudetechnik für das „Analytik-Labor der Zukunft“

Für das 2016 bezogene neue Heidelberger Diagnoselabor der Limbach­ Gruppe realisierte die Helmut Herbert GmbH & Co die Gebäudetechnik inklusive Raumlufttechnik, Klima, Heizung und Sanitär. Der Auftrag umfasste nicht nur die Montage. Techniker erarbeiteten auch die TGA-­Ausführungsplanung. Der Laborneubau in Heidelberg gilt architektonisch und technisch als Vorzeigebau der größten inhabergeführten Laborgruppe Deutschlands.

(Bild: Helmut Herbert GmbH & Co)

Die medizinische Labordiagnostik in Deutschland gehört zur Weltspitze auf vielen medizinischen Gebieten. Jedes Jahr werden neue Analysenmethoden und Diagnosemöglichkeiten entwickelt. Deutsche Analytik-Labore sind außerdem häufig Hightech auf höchstem Niveau. Neue Diagnosemöglichkeiten erfordern auch Labortechnik auf dem neuesten Stand, angefangen beim Laborgebäude, das die nötige Infrastruktur bereitstellen muss. Aus diesem Grund zog das Labor Limbach am Standort Heidelberg in seiner 35­-jährigen Geschichte bereits 1988 in einen Laborneubau um. Anfang 2016 bezog es erneut ein neues Laborgebäude am Hauptstandort der Limbach Gruppe. Das neue „Flaggschiff“ der Laborgruppe setzt als hochmodernes und architektonisch ansprechendes Laborgebäude und als „Analytik-Labor der Zukunft“ Maßstäbe in Laboren der medizinischen Diagnostik.

Zukunftssichere Planung der Gebäudetechnik
Raumlufttechnik und die Klimatisierung sind für ein Laborgebäude wichtige Schlüsselfaktoren, wenn es darum geht, ideale Arbeitsbedingungen zu schaffen. Dabei sollte selbstverständlich nur zukunftssichere State­of­the­Art-Technik eingesetzt werden, damit das Labor optimal auf weitere Entwicklungen vorbereitet ist. Ein Labor, das auch in Zukunft den technischen Anforderungen gerecht wird, ist das Ziel der haustechnischen Ausstattung.

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Gerade einmal zwölf Monate waren für die gesamte Projektabwicklung eingeplant, ein sehr ehrgeiziges Ziel für alle Arbeiten inklusive Ausführungsplanung, Montageplanung und der eigentlichen Montage. Alles musste perfekt Hand in Hand gehen. Auf der Baustelle arbeiteten zwischen acht und 28 Mitarbeiter gleichzeitig an der technischen Gebäudeausrüstung. Die Montageplanung und die Montage mussten abschnittsweise sofort nach der Ausführungsplanung erfolgen. Oftmals waren die Planer gleichzeitig mit der Ausführungs-­ und Montageplanung an jeweils unterschiedlichen Abschnitten des Laborgebäudes beschäftigt.

Die extra für die Limbach-Gruppe entwickelten sogenannten „Laborsegel“ versorgen pro Modul die Laborarbeitsplätze mit Licht, Luft, Wärme und Kälte. (Bild: Helmut Herbert GmbH & Co)

Know-how-Transfer nach Mönchengladbach
Der Laborbau in Heidelberg hielt eine zusätzliche Herausforderung für das Projektmanagement bereit: Die Limbach ­Gruppe beauftragte in Mönchengladbach einen weiteren Laborneubau, das modernste Labor in Nordrhein­-Westfalen. Auch dort plante und installierte die Firma Herbert die Gebäudetechnik.

Beide Bauprojekte liefen fast zeitgleich ab. Die klassische Feedback­-Schleife aus Projektabwicklung – Auswertung – Know­-how-Transfer musste also dermaßen verdichtet werden, dass so gut wie keine Latenzzeit blieb. Während der gesamten Projektabwicklung standen die TGA­-Ausführungsplaner (TGA = technische Gebäudeausrüstung) in engem Kontakt mit dem Generalunternehmer Diringer & Scheidel und den Kollegen in Mönchengladbach.

Bild 2: Die Kältezentrale im Untergeschoss beherbergt zwei Kältemaschinen mit einer Leistung von jeweils 390 kW. (Bild: Helmut Herbert GmbH & Co)

Jörg Bartelt, Projektleiter Gebäudetechnik bei Herbert, erinnert sich: „Gefühlt zeitgleich liefen Ausführungsplanung und Montageplanung in Heidelberg ab. Da hat sich gezeigt, wie gut unsere Projektteams eingespielt sind. Alles musste beim ersten Versuch sitzen. Jeder musste in jedem Moment wissen, was seine aktuelle Aufgabe ist und wer über welchen Schritt umgehend informiert werden soll. Das war Teamplay in Echtzeit!“

Raumlufttechnik inklusive spezialgefertigter „Laborsegel“
Für die Labore der Limbach­ Gruppe wurde ein spezielles Modul entwickelt, über das geheizt, gekühlt, belüftet und beleuchtet wird: An der Decke über den Labortischen angebracht, verknüpfen „Laborsegel“ als zentrale Knotenpunkte jeden einzelnen Labortisch mit der Gebäudetechnik. Dies gewährt einen möglichst individuellen Zugang zur gebäudetechnischen Infrastruktur für jeden Arbeitsplatz in den großen Laborräumen.

Die Rückkühlwerke auf dem Dach besitzen eine Leistung von 2 × 490 kW. (Bild: Helmut Herbert GmbH & Co)

Schallgedämmte, variable Volumenstromregler führen den Laborräumen über die Laborsegel die Luft zu. Die Laborsegel sind mit einer getrennten Zu-­ und Abluftanlage verbunden. Die Luftschächte werden mit motorbetätigten Brandschutzklappen gesichert. Zahlreiche direkt abzusaugende Laboreinheiten (wie z. B. Digestorien, Giftschränke oder Absaugarme) sind mit Sonderabluftanlagen ausgestattet. Besprechungsräume sowie Technikräume und Kantine werden über eine raumlufttechnische (RLT-) Anlage mit kombinierter Zu­- und Abluft versorgt.

Wärme und Kälte geplant und montiert
Das gesamte Laborgebäude wird mit Fernwärme versorgt. Die Fernwärmestation und die weitere Verteilertechnik wurden von Herbert geplant und montiert. Über redundante Hauptversorgungspumpen wird die Wärme sowohl zum Wärmetauscher der RLT­-Anlagen als auch zur direkten Verteilung (über Laborsegel, Deckenstrahlplatten, Heizkörper sowie einzelne Heiz-­ und Kühldecken) in weitere Gebäudetrakte gefördert.

In der Kältezentrale im Untergeschoss befinden sich zwei Kältemaschinen mit einer Leistung von 2 × 390 kW. Die entsprechenden Rückkühlanlagen auf dem Dach besitzen eine Leistung von 2 × 490 kW. Die Kälte wird zur Verteilung sowohl zum Wärmetauscher der RLT-Anlage geleitet als auch direkt zu den Laborsegeln und Deckenstrahlplatten, den Heiz-­ und Kühldecken in den Büros und Besprechungsräumen sowie zu Umluftkühlern für Server- und EDV­-Räume.

Sanitäreinrichtungen für den Laborbetrieb
Bei der Planung von Sanitäranlagen müssen für Labore spezielle Sicherheits­ und Hygienevorschriften beachtet werden. So musste beispielsweise die Entwässerung des Labor­abwassers als separates System ausgeführt werden.

Die Sonderabluftanlagen der Labore sind aus dem Kunststoff PPS gefertigt. (Bild: Helmut Herbert GmbH & Co)

Auch die Installation von Körpernotduschen ist für Laborbetriebe verpflichtend. Das Abwasserrohrsystem ist nicht brennbar ausgeführt. Hierfür wurden alle Schmutzwasserleitungen, sowie die Objektanschlussleitungen aus gusseisernem, muffenlosen Rohr (SML) hergestellt. Bei Durchdringungen durch die Geschossdecken bzw. Bauteile mit brandschutztechnischen Anforderungen wurden Brandschotts verwendet.

Fazit
Herausforderung dieses Großprojekts war, die TGA­-Gewerke und deren Ausführungsplanung reibungslos in dem kleinen Zeitfenster von zwölf Monaten zu takten – und das unter den Bedingungen, dass ein Laborbau dieser Größe für alle beteiligten Baufirmen keine Routine darstellte.

Mit unbekannten Situationen vor Ort rechnen und gleichzeitig die gesammelten Erfahrungen in das parallel im Bau befindliche Laborgebäude in Mönchengladbach einfließen lassen – auch diese Aufgabe galt es zu stemmen. Team-Play und eine gute Projektleitung verhalfen hier zum Erfolg.


Die Limbach-Gruppe
Das Medizinische Versorgungszentrum Dr. Limbach und Kollegen wurde 1979 in Heidelberg gegründet. Mittlerweile ist die heutige Limbach-Gruppe die größte inhabergeführte Laborgruppe in Deutschland. Sie bildet mit mehr als 30 Laboren und über 5.000 Mitarbeitern das gesamte Spektrum der Labordiagnostik ab. 
www.limbachgruppe.com

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