Zelluläre Stressreaktion
Forschende entdecken möglichen Therapieansatz für Herzschwäche
Ein Team des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) identifiziert ein Schlüsselenzym bei HFpEF – mit vielversprechenden therapeutischen Perspektiven.
Die sogenannte Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) nimmt zu. Insbesondere Menschen mit Adipositas oder Bluthochdruck sind betroffen. Obwohl die Pumpleistung des Herzens bei dieser Form der Herzschwäche erhalten bleibt, handelt es sich um eine ernsthafte und bislang schwer behandelbare Erkrankung. Für andere Formen der Herzinsuffizienz existieren bereits erprobte Therapien, für HFpEF fehlen diese bisher.
Forschende des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Universitätsklinikum Heidelberg und der Medizinischen Fakultät Heidelberg haben nun ein Schlüsselmolekül identifiziert, das eine zentrale Rolle bei der Entstehung von HFpEF spielt: das Enzym Nicotinamid-Nukleotid-Transhydrogenase (NNT). Dieses Enzym ist in den Mitochondrien angesiedelt – den „Kraftwerken“ der Zellen – und reguliert dort das Gleichgewicht zwischen Energieproduktion und dem Schutz vor oxidativem Stress durch freie Radikale.
Gen-Umwelt-Wechselwirkungen entscheidend
„Unsere Studie ist die erste, die zeigt, dass kardiometabolische HFpEF nicht nur eine Folge von Systemerkrankungen wie Übergewicht und Bluthochdruck ist, sondern dass es auch Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt gibt“, erklärt Dr. Mark Pepin, Erstautor der Studie und Forscher am Institut für Experimentelle Kardiologie des Universitätsklinikums Heidelberg.
Im Tiermodell zeigte das Team, dass Mäuse, denen funktionierendes NNT fehlt, besser vor der Entwicklung von HFpEF geschützt sind – obwohl sie vergleichbare Stoffwechselstörungen wie ihre Artgenossen aufwiesen. Dies belegt laut den Forschenden erstmals, dass NNT eine zentrale Rolle im pathologischen Umbau des Herzmuskels einnimmt.
FGF1 und die Steifigkeit des Herzmuskels
Dabei rückte auch das Wachstumshormon FGF1 in den Fokus, das durch NNT aktiviert wird. Es scheint direkt mit einer Versteifung des Herzmuskels in Verbindung zu stehen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass nicht allein die Stoffwechselkrankheiten entscheidend sind – sondern wie das Herz auf den daraus entstehenden Stress reagiert“, betont Pepin.
Ansatzpunkt für neue Therapien
Die Ergebnisse eröffnen neue therapeutische Perspektiven. Eine gezielte Hemmung von NNT könnte künftig ein vielversprechender Behandlungsansatz gegen HFpEF sein. „Das ist ein vielversprechender Ansatz, um eine der häufigsten und am schwersten behandelbaren Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zukunft besser zu verstehen und zu therapieren“, so Prof. Johannes Backs, Leiter der Studie.
Originalpublikation:
Pepin, M. E., Konrad, P. J. M., Nazir, S., Bazgir, F., Maack, C., Nickel, A., Gorman, J. M., … Backs, J. (2025). Mitochondrial NNT Promotes Diastolic Dysfunction in Cardiometabolic HFpEF. Circulation Research, 136(12). https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.125.326154
Quelle: Deutsches Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK)










