Das Porträt

Das Porträt

7 Fragen an Alexandra Knauer, KNAUER

Was reizt Sie besonders an Ihrer jetzigen Tätigkeit?

Mein Vater hat mir vor 6 Jahren ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk gemacht. Er übertrug mir seine Firmen und das Produktionsgebäude zu 100 %. Ich war mir der enormen Verantwortung, die er mir übertrug, bewusst. Im Dezember 2000 sagte ich ihm, dass ich ihm nicht versprechen kann, das Unternehmen KNAUER bis an das Ende meiner Tage zu führen und zu behalten. Heute sehe ich das anders. Ich bin mit meinen Aufgaben gewachsen und konnte sehr viel lernen. Ich habe eine sehr abwechslungsreiche Arbeit und eine hervorragende Belegschaft. Erfolg macht Spaß, und ich möchte das Lebenswerk meiner Eltern erhalten. Ich freue mich, in der Lage zu sein, auch außerhalb der eigenen Firma unterstützend und beratend tätig zu sein. Als Schirmherrin des regionalen Unternehmerinnen-Netzwerkes „Connecting Women“ kann ich Geschäftsfrauen und Firmen-Neugründerinnen mit meinen Erfahrungen auf diversen Gebieten weiterhelfen.

Welche Ziele haben Sie sich bzw. für Ihr Unternehmen in nächster Zeit und für die Zukunft gesetzt?

KNAUER arbeitet profitabel und kann alle Investitionen aus eigenen Mitteln finanzieren. Wir freuen uns, dass wir keine Bankkredite benötigen und unabhängig agieren können. Das soll so bleiben.

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Da wir weiter wachsen wollen, planen wir, unsere Produktionskapazitäten im Berliner Werk deutlich auszuweiten. Wir werden in diesem Jahr neue Chromatographiegeräte und Säulenfüllmaterialien auf den Markt bringen, die unser Verkaufsprogramm sehr gut ergänzen. Biochromatographie ist ein Feld, das wir langfristig ebenfalls erobern möchten.

Im Export ist es mein Ziel, in den nächsten Jahren den Marktanteil speziell in afrikanischen Ländern wesentlich zu erhöhen.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen für Sie?

Zu unseren Konkurrenten gehören zum Teil sehr große Konzerne. Sie verfügen über mehrere Tausend Mitarbeiter, große Entwicklungsabteilungen und enorme Marketing-Budgets. 1/3 unseres Umsatzes erzielen wir dennoch mit diesen Wettbewerbern, die HPLC-Pumpen und -Detektoren in ihrer Farbe und ihrem Logo bei uns herstellen lassen. Dieses sogenannte OEM-Geschäft würden wir gerne erweitern.

Für uns ist es wichtig – und hier möchten wir auch besser werden – klar zu kommunizieren, wofür KNAUER steht. Wir sind Spezialisten für Osmometrie, HPLC (Hochdruck-Flüssigkeitschromatographie) und SMB (präparative kontinuierliche Chromatographie). In diesen Kernbereichen müssen wir in puncto Qualität und Preis immer Spitze sein und bleiben. Die Herausforderung besteht dauerhaft darin, für diese Aufgabe die richtigen Mitarbeiter auszuwählen, sie zu fördern, zu motivieren und in das Team zu integrieren.
Kunden und Lieferanten wissen, dass sie sich seit fast 45 Jahren auf Fairness und Treue verlassen können. Diese Fairness und Partner-Bindung soll auch für die nächsten Jahrzehnte erhalten bleiben.

Was halten Sie für Ihre größten Stärken und Schwächen?

Ich höre anderen zu, verhalte mich fair und stehe zu meinem Wort. Ich bin kein impulsiver Mensch, sondern überlege gründlich, bevor ich Entscheidungen treffe. Das hat sich bewährt, wenn auch Spontanität zuweilen besser ankäme.

Ich kenne viele Regeln zum Thema Zeitmanagement. Zeitfresser sind demnach streng zu meiden. Meine Schwäche ist es, wichtige Dinge nicht immer zuerst zu erledigen, sondern gelegentlich Projekte zu bevorzugen, die mir Freude bereiten, weil sie kreative Fähigkeiten verlangen.

Wie wird sich die Wirtschaft in Deutschland entwickeln? Und wie beurteilen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Deutschland?

Niemand hat die Konjunkturbelebung in Deutschland vorhergesehen. Ich bin darüber sehr erfreut. Pessimisten haben vorausgesagt, dass die Mehrwertsteuererhöhung extrem negative Auswirkungen haben wird. Dies trifft nicht zu, und ich bin für das gesamte Jahr 2007 sehr optimistisch für den Exportweltmeister Deutschland.

KNAUER nutzt diese guten Zeiten, um in die Ausbildung der Mitarbeiter und neueste Produktionsanlagen zu investieren. Nur mit weiteren innovativen HPLC-Systemen höchster Qualität können wir auch in Zukunft der starken Konkurrenz auf allen Erdteilen Paroli bieten.

Gab es ganz besondere Höhepunkte in Ihrem Leben?

Im privaten Bereich waren dies die Geburten meiner Kinder Lukas (6 Jahre) und Melina (4 Jahre).

Für meine unternehmerischen Leistungen wurde ich im Oktober 2004 mit dem 1. Berliner Unternehmerinnenpreis ausgezeichnet. Diese Auszeichnung hatte den erfreulichen Nebeneffekt, dass ich seither häufig zu Podiumsdiskussionen und interessanten Veranstaltungen als aktive Teilnehmerin eingeladen werde.

Was möchten Sie unseren Lesern noch mitteilen?

In vielen Betrieben Deutschlands steht aus Altersgründen eine Übergabe des Unternehmens in jüngere Hände an. Dieser Prozess scheitert häufig an zwischenmenschlichen Problemen, so dass die Existenz vieler Betriebe bedroht ist. Bei KNAUER ist die schwierige Phase des Generationswechsels erfolgreich geglückt. Ich würde gerne auch die Kinder anderer Unternehmer unterstützen, damit sie die Probleme bei der Firmennachfolge (Machtwechsel) erfolgreich überwinden. Dafür stehe ich telefonisch für einen Erfahrungsaustausch zur Verfügung.

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