Management

Fachkompetenzen nicht immer up to date

Aufstiegsfortbildung und lebenslanges Lernen zur persönlichen Weiterentwicklung
Anfang 2011 ist Band 10 der Reihe Berufsbildungsforschung des BMBF erschienen, in dem die Studienergebnisse zum Thema „Aufstiegsfortbildung und Studium“ ausgeführt sind. Im Folgenden werden einige Studienergebnisse dieser Berufsbildungsforschung näher beleuchtet.


Erhoben wurden die Daten anhand von Umfragen und Interviews mit etwas mehr als 400 Personen, darunter Absolventen, deren Abschlüsse mindestens drei Jahre zurückliegen, Mitglieder von Prüfungsausschüssen und Personalverantwortliche von Unternehmen, Handwerks-, Industrie- und Handelskammern. Auch wenn die Teilnehmer der Studie überwiegend in den Fachbereichen Betriebswirtschaftslehre, Informatik und Ingenieurswissenschaften anzusiedeln sind, sollten sich die Statements nicht großartig von denen unterscheiden, die Chemiker, Biologen oder Pharmazeuten abgeben würden. Zumal der sich in der Studie abzeichnende Trend dem entspricht, der bereits im HIS-Projektbericht 2004 des BMBF, dem die Befragung von Hochschulabsolventen zum Berufs- übergang jeweils drei bis vier Jahre nach Studienabschluss zugrunde lag, deutlich wurde.

Motive zur Weiterqualifikation

Der Studie kann man einige interessante Aussagen entnehmen; im Hinblick auf den Nutzen der Weiterqualifikation zieht der BMBF folgendes Fazit: „Bedeutsam für die Entscheidung, eine Fortbildung zu absolvieren, sind neben der klassischen Aufstiegsorientierung weitere Motive. So dient diese Art der Fortbildung offensichtlich immer mehr dazu, Wissen und Fähigkeiten den steigenden Anforderungen am Arbeitsplatz anzupassen und die Beschäftigungsfähigkeit zu sichern, ohne dass zugleich eine Veränderung der beruflichen Stellung in Aussicht steht bzw. angestrebt wird. Zum Teil wird die Fortbildung angestrebt, um sich die für die Bewältigung dieser neuen Stelle erforderlichen Kompetenzen anzueignen.“

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Was nicht verwundert, denn von Führungskräften werden neben fundierten Kenntnissen und praktischen Erfahrungen in der jeweiligen Disziplin elementare Fähigkeiten in Aufgabenfeldern erwartet, die im Allgemeinen jenseits ihrer Ausbildung liegen. So müssen sich in der Laborbranche Projektverantwortliche und Laborleiter, deren Kernkompetenzen in der Chemie, Biologie, Pharmazie oder Medizin zu finden sind, ebenso versiert mit Themen wie Aufbau- und Ablauforganisation, Qualitätsmanagement, Dokumentenlenkung, Projektsteuerung, Effizienzsteigerung, Kostenminimierung oder Marktorientierung bis hin zu Personal- und Konfliktmanagement auseinandersetzen.
In den letzten Jahrzehnten hat die Entwicklung in den naturwissen- schaftlich-technischen Disziplinen dazu geführt, dass der Kenntnisstand und das jeweilige fachspezifische Detailwissen enorm angestiegen sind. Fast sind schon die Grenzen dessen erreicht, was in einem regulären Studium an Wissen vermittelt werden kann. Wenn eine qualifizierte und innovative Tätigkeit ausgeübt werden soll, ist dieses detaillierte Fachwissen jedoch unabdingbar notwendig.

Branchenspezifische Themengebiete

Der Erwerb ebenso fundierter und aufgrund der jeweiligen Tätigkeit auch geforderter Kenntnisse würde in einigen Fällen mindestens eines weiteren komplexen Studiums, z.B. der Betriebswirtschaft, bedürfen, was jedoch die Wenigsten aus Zeit- und Kostengründen absolvieren können. Darüber hinaus sind diese Studiengänge auch keinesfalls auf die speziellen Bedürfnisse der jeweiligen Branchen Chemie, Pharma, Food oder Life Sciences ausgerichtet. Als ein Beispiel sei hier die nationale und internationale Gesetzgebung angeführt mit Arzneimittel- und Chemikaliengesetz, REACH, Gesetze zu Verbraucherschutz, Produkthaftung, Arbeitsschutz, Umweltschutz, GMP, GLP, etc., die in diesen Branchen einen immer umfangreicheren regulatorischen Rahmen schaffen. Da die Regulierungsdichte weiter zunimmt und die Nichteinhaltung eklatante Folgen für die Unternehmen nach sich ziehen kann, ist es unabdingbar, dass die Mitarbeiter in entsprechenden Positionen und Branchen über Kenntnisse in den relevanten Regelwerken verfügen. In einem klassischen Zweitstudium wären diese Themen höchst wahrscheinlich nicht behandelt worden. Daher erwerben viele in Labor- oder Qualitätsmanagement tätigen Chemiker, Biologen, Pharmazeuten oder Mediziner diese zusätzlich notwendigen Kompetenzen nach wie vor oft autodidaktisch und „on the job“. Vielfach werden Defizite in Kenntnissen durch Eigeninitiative beseitigt und die fehlenden Informationen aus eigenem Antrieb recherchiert.

Interner und externer Erwerb von Kernkompetenzen

Da sich heute jedoch kein Unternehmen leisten kann, dass aus simpler Unkenntnis Gesetze und Regelwerke nicht eingehalten werden, oder dass ineffizient gewirtschaftet oder produziert wird, unterstützen viele Unternehmen die Schulung und Weiterentwicklung neuer Mitarbeiter, damit diese die in ihrem Bereich nötigen Kernkompetenzen erwerben. So greifen Unternehmen der Laborbranche auf Wissensvermittler zurück, die sich in der Branche auskennen und die Wissenslücken ihrer Mitarbeiter gezielt schließen können. Solche Weiterbildungsmaßnahmen funktionieren jedoch nicht ohne die Eigenmotivation der Mitarbeiter, die Voraussetzung dafür ist, dass Fortbildungen begonnen, durchgehalten und vor allem erfolgreich abgeschlossen werden. Dies wurde auch bei der Umfrage des BMBF durchgängig erklärt: Motivator für die Aufstiegsfortbildung sei die „persönliche Weiterentwicklung, der Wunsch, mehr berufsrelevantes theoretisches bzw. Hintergrundwissen zu erlangen und den Horizont zu erweitern“. Dies ist eine gute Voraussetzung zur Umsetzung des lebenslangen Lernens.

Weiterbildung auf Hochschulniveau

In innovativen Branchen, wo sich Innovation gegen Stagnation aufbäumt und ständig neue Tätigkeiten verlangt werden, müssen sich Fach- und Führungskräfte immer wieder auf neue Arbeitsbereiche einstellen. Mit spezifischen Weiterbildungen sind sie bestens gewappnet, die neuen Herausforderungen zu meistern. Viele Hochschulen und hochschulnahen Bildungsträger haben sich bereits auf die Bedürfnisse der Fachkräfte eingestellt und bieten universitäre Weiterbildung für Berufstätige an. Dabei wird insbesondere bei berufsbegleitenden Zusatzqualifizierungen die klassische Präsenzlehre zunehmend durch multimediale und netzgestützte Komponenten wie E-Learning-Aktivitäten oder Fernstudienangebote ergänzt. Nebenstehende Tabelle bietet einen kleinen Einblick in das komplexe Angebot an berufsbegleitenden Weiterbildungsangeboten, die spezifisch auf die Laborbranche ausgerichtet sind. Darüber hinaus ermöglichen viele Weiterbildungsinstitute von Hochschulen den Erwerb von sogenannten „Soft Skills“ und „Tools“ wie Kommunikation, Moderation, Zeitmanagement oder Selbstorganisation.

Dr. habil. Nicole Maas*)

  1. Klinkner & Partner GmbH, Saarbrücken, E-Mail: nicole.maas@klinkner.de
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