Interview

Dr. Tobias Weiler

Seit über einem Jahr ist Dr. Tobias Weiler neuer Geschäftsführer des Industrieverbandes SPECTARIS. Der promovierte Politikwissenschaftler war vor seinem Einstieg bei SPECTARIS unter anderem in der EU-Repräsentanz des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und als Leiter des Europa-Büros des VDI in Brüssel tätig.


LABO: Herr Dr. Weiler, SPECTARIS vertritt im Fachverband Analysen-, Bio- und Labortechnik (ABL) rund 80 Hersteller der Branche. Wie waren diese mit dem letzten Jahr zufrieden?

Dr. Weiler: Die meisten Firmen blicken auf ein erfolgreiches Jahr 2011 zurück. Nach ersten Angaben konnten die Umsätze um sechs bis sieben Prozent gesteigert werden. Dabei trug insbesondere ein positives Auslandsgeschäft zum Umsatzwachstum bei. Uns freut dabei besonders, dass nicht nur die Umsätze, sondern auch die Anzahl der Mitarbeiter zulegen konnte. Inzwischen sind rund 36 400 Menschen bei den deutschen ABL-Herstellern beschäftigt – zwei Prozent mehr als im Jahr 2010.

LABO: Mitte September waren Sie bzw. Ihr Verband noch recht zuversichtlich, dass 2012 ein „gutes“ Jahr für unsere Branche wird. Bleibt es angesichts der ganzen aktuellen Krisen – Stichworte Eurokurs, drohende Staatsbankrotte, Turbulenzen in der Finanzwelt – bei dieser Einschätzung?

Dr. Weiler: Vor dem Hintergrund der aktuellen Marktrisiken ist es natürlich schwer, verlässliche Prognosen abzugeben. Noch ist die Stimmung in der Branche für Analysen-, Bio- und Labortechnik aber gut. Viele Firmen rechnen weiterhin mit Zuwächsen im laufenden Jahr. Entscheidend wird dabei die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte sein. Die optimistische Einschätzung wird übrigens auch von vielen Firmen anderer bei SPECTARIS organisierter Branchen, wie beispielsweise der Medizintechnik, geteilt. Die aktuellen Ergebnisse der jährlichen Verbandsumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigen, dass die positiven Erwartungen von vielen anderen Industriezweigen geteilt werden. 26 der 46 durch das IW befragten Wirtschaftsverbände gehen für das kommende Jahr von etwas höheren Umsätzen bzw. Produktionszahlen als 2011 aus.

LABO: Die Firmen unserer Branche sind immer mehr exportorientiert und -abhängig. Wo liegen denn zurzeit die wachstumsstärksten Märkte?

Dr. Weiler: Ganz klar in Asien und Mittel-/Südamerika. In Asien, speziell natürlich auch in China, sehen die Firmen ein hohes Wachstumspotenzial in den Bereichen Pharma, Umwelt, Chemie und Food. In Mittel- und Südamerika spielt der Lebensmittelsektor eine wichtige Rolle.

LABO: Welches sind aktuelle Probleme und Herausforderungen, mit denen sich Ihre Mitglieder zurzeit konfrontiert sehen?

Dr. Weiler: Die Firmen sehen sich mit zunehmenden regulatorischen Anforderungen konfrontiert. Die Maschinenrichtlinie, REACH sowie die RoHS- und WEEE-Richt- linien sind nur einige der Vorschriften im Bereich Maschinensicherheit und Umweltrecht, die die ABL-Unternehmen umzusetzen haben. Darüber hinaus gelten für die verschiedenen Märkte außerhalb der EU unterschiedlichste Zulassungsvoraussetzungen. Mit der neu gegründeten Technischen Kommission ABL leistet SPECTARIS seinen Mitgliedern bei dieser Thematik Hilfestellung. Eine Arbeitsgruppe erarbeitet derzeit einen Leitfaden zum Umgang mit Laborgeräten unter der EU-Maschinenrichtlinie.

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