Editorial

Back to Made in Germany + die Chemie spart Energie

Es gibt Jahre – liebe LABO-Leser –, da schaut man gerne zurück, und andere wie dieses Jahr, da blickt man besser nach vorne. Denn die schlechten Nachrichten überwogen 2009. Und so möchte ich Ihnen zum Jahresausklang wenigstens etwas Erfreuliches, nämlich die Ergebnisse zweier neuer „Studien“, präsentieren.

Thema 1 – Back to Made in Germany: Eine aktuelle Umfrage des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des VDI hat nämlich ergeben, dass die Zahl der Produktionsverlagerungen ins Ausland in den letzten drei Jahren um 40 % zurückgegangen ist. „Der Produktionsstandort Deutschland ist derzeit höchst attraktiv“, kommentiert VDI-Direktor Dr. Willi Fuchs die Zahlen. Im Verarbeitenden Gewerbe beträgt die Quote der Produktionsverlagerungen aktuell nur noch 9 % – der tiefste Stand seit 15 Jahren. „Wir erleben eine Renaissance des Produktionsstandortes Deutschland. Statt auf günstiges Personal in Niedriglohnländern zu setzen, entdecken Unternehmen in der Wirtschaftskrise stärker die Vorteile, die der Standort Deutschland bietet“, ergänzt Fuchs. Mittlerweile kommt sogar auf jeden dritten Verlagerer ein Unternehmen, das Produktionskapazitäten aus dem Ausland zurückzieht. Hauptmotiv sind Qualitätsprobleme am ausländischen Standort.

Befragt wurden rund 1500 Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. „Die Ergebnisse sind insofern überraschend, als dass bei früheren Wirtschaftskrisen, die Unternehmen verstärkt Produktionsverlagerungen zur Kosteneinsparung genutzt haben“, sagt Dr. Steffen Kinkel, Projektleiter der Studie am Fraunhofer ISI. „In der aktuellen Absatzkrise scheint es für die Unternehmen dagegen wichtiger zu sein, ihre Kapazitäten an ihren inländischen Produktionsstandorten bestmöglich auszulasten. Dazu werden teilweise auch Produktionsumfänge von ausländischen Zulieferern wieder ingesourct.“

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Thema 2 – die Chemie spart Energie: Sie zu sparen ist bekanntlich die beste Form der Energiegewinnung – das gilt auch für den Betrieb von Chemieanlagen. Aber auch das Potenzial, durch weiterentwickelte chemische Erzeugnisse selbst noch mehr Energie als bisher einzusparen, wie beispielsweise durch wirkungsvollere Wärmedämmmaterialien oder Brennstoffzellen, verbesserte Leuchtstoffe und Solarzellen und die Optimierung von Energiespeichern, ist noch längst nicht ausgereizt. Innovative Verfahren wiederum werden es ermöglichen, bisher noch unzugängliche Ressourcen wie Ölsande besser oder überhaupt erst zu nutzen bzw. ganz neue zu erschließen – Energie und Rohstoffe aus pflanzlichen Abfällen seien hier stellvertretend genannt.

Und so könnten Fortschritte in der Chemieforschung den Energiebedarf in Deutschland innerhalb der nächsten 20 Jahre zu einem Fünftel decken. So jedenfalls lautet das Fazit des Positionspapiers „Energieversorgung der Zukunft – der Beitrag der Chemie: Eine quantitative Potenzialanalyse“, das die deutschen Chemieorganisationen (DBG, DECHEMA, DGMK, GDCh, VCI und VDI-GVC) kürzlich in Frankfurt vorstellten. „Zusammen mit den Forschungserfolgen auf anderen Gebieten erscheint es daher mehr als nur möglich, auch künftig den Energiebedarf der Menschheit befriedigen zu können“, erklärte Prof. Dr. Ferdi Schüth, der den Koordinierungskreis Chemische Energieforschung leitet. Dr. Andreas Kreimeyer, Vorsitzender des Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung im VCI, forderte in diesem Zusammenhang: „Die Bundesregierung sollte ihre geplante nationale Energieforschungsinitiative dazu nutzen, eine Energieforschungspolitik aus einem Guss zu gestalten, die die unterschiedlichen Programme der Ministerien bündelt und vor allem aufeinander abstimmt.“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, außer, dass Sie dieses Positionspapier unter http://www.energie-und-chemie.de herunterladen bzw. die gedruckte Version dort anfordern können.

Und damit wünsche ich Ihnen im Namen des gesamten LABO-Teams besinnliche Festtage und einen guten Rutsch ins hoffentlich bessere Jahr 2010!

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