Editorial

Neue Märkte stützen Aufschwung

Deutliche Preissteigerungen bei Öl, Strom und Gas, aber auch bei Lebensmitteln, dabei nur mäßige bis geringe Lohn- bzw. Rentenerhöhungen, steigende Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie drohender Stellenabbau bei einigen deutschen Konzernen ¿ kein Wunder, dass Arbeitnehmer und Verbraucher hierzulande skeptisch in die Zukunft blicken. Doch es gibt auch positive Signale aus der Wirtschaft. So ist die Zahl der Erwerbslosen mit derzeit 3160¿000 auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 1992. Und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) korrigierte Anfang des Monats seine Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes nach oben, und zwar auf 2,7 Prozent. Zu Jahresbeginn ging das Berliner Institut noch von einem nur 2-prozentigen Anstieg in 2008 aus. Der Aufschwung in Deutschland geht also weiter und das trotz der aktuellen Konjunkturschwäche in den USA. Einer der Gründe: Der boomende Export in Länder wie China oder Indien sowie in die osteuropäischen Staaten. Anfang des Monats hat auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI) wirtschaftliche Kennzahlen veröffentlicht. Diese zeigen, dass auch die Chemiebranche von neuen Märkten profitiert: Die stark wachsende Industrie in Mittel- und Osteuropa muss aufgrund des hohen Bedarfs zunehmend chemische Erzeugnisse einführen. Deutsche Chemieexporte in diese Region stiegen in den letzten Jahren mit zweistelligen Raten, und 2007 hatten sie einen Anteil von immerhin 12 Prozent am gesamten deutschen Chemieexport. Der starke Euro und die schwächelnde US-Wirtschaft wirkten sich bis jetzt nicht negativ auf das Exportgeschäft der deutschen chemischen Industrie aus. Dieses nahm im ersten Halbjahr 2008 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11,5 Prozent auf 70,5 Mrd. Euro zu. Die Chemieproduktion kletterte im ersten Halbjahr um 3 Prozent (erstes Halbjahr 2007: Anstieg um 6 Prozent), so dass von anhaltendem Wachstum, wenngleich mit geringerer Dynamik, gesprochen werden kann. Dass die deutsche Chemieindustrie im internationalen Wettbewerb ganz gut aufgestellt ist, belegen auch diese Zahlen des VCI: Seit Beginn des Konjunkturaufschwungs 2003 ist die Chemieindustrie hierzulande mit über 4 Prozent Produktionszuwachs im Jahresdurchschnitt weitaus dynamischer gewachsen als die Branche in den USA (+2,7 Prozent), Japan (+1,1 Prozent) und den anderen EU-Mitgliedsstaaten (+2,6 Prozent).

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VCI-Präsident Prof. Dr. Ulrich Lehner sieht die deutsche Chemie auch weiterhin auf Wachstumskurs: "Wir sind heute deutlich besser aufgestellt als in den 90er Jahren und trauen uns zu, die Produktion bis 2020 um durchschnittlich 3 Prozent jährlich zu steigern, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen." Die Chemieunternehmen hätten ihre Verfahren und internen Prozesse in den letzten Jahren optimiert, die Ertragskraft gesteigert und die Forschungsetats für Innovationen erhöht. Bessere Produkte als die Konkurrenz anbieten zu können, so Lehner, sei aus seiner Sicht der wichtigste Faktor für den Erfolg der deutschen Chemieunternehmen.

Und wie sieht die Prognose des DIW für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland aus? Auch 2009 soll der Aufschwung anhalten, wenngleich sich das Wachstum mit 1,2 Prozent merklich verlang­samt. Der private Konsum jedoch wird, glaubt man der Einschätzung des DIW, anziehen, denn die Inflationsrate soll nächstes Jahr wieder sinken. Bleibt zu hoffen, dass das Berliner Institut Recht behält und der Aufschwung endlich auch beim Verbraucher ankommt.

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