Editorial

Nobelpreis-Zeit

Seit 1901 werden jedes Jahr im Oktober – liebe LABO-Leserinnen und -Leser – die Nobelpreise vergeben, und zwar in der Reihenfolge Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden. Den diesjährigen Chemie-Nobelpreis erhielten die beiden US-Zellforscher Brian K. Kobilka und Robert J. Lefkowitz für ihre bahnbrechenden Entdeckungen bezüglich G-Protein-gekoppelter Rezeptoren (englisch abgekürzt GPCR). Was so überaus kompliziert klingt – und es auch ist – hat eine immense Bedeutung für alle Lebewesen und für die Behandlung vieler Krankheiten. Die Untersuchungen der beiden US-Forscher seien entscheidend, um die Funktion dieser Rezeptoren in Zellmembranen, die bei der Zellkommunikation eine wichtige Rolle spielen, zu verstehen, lautete die Begründung der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften.

Inzwischen kennt man etwa 1000 Rezeptoren in menschlichen Zellen, mit denen diese mit der Umwelt kommunizieren. Sie verarbeiten zum Beispiel Reize wie Licht, Geruch und Geschmack oder reagieren auf Hormone wie Adrenalin, Histamin, Dopamin und Serotonin sowie auf Wachstumsfaktoren. Funktionieren die Schaltkreise von G-Proteinen nicht einwandfrei, können Behinderungen oder Krankheiten wie Diabetes, Allergien, Depressionen, Herz-Kreislauferkrankungen oder Tumore entstehen. Rund 50 % (!) aller Medikamente sollen ihre Wirkung durch GPCRs entfalten. Die Erklärung ihrer Wirkweise ist daher von enormer Bedeutung für die Medizin. Denn dadurch könnten wirksamere Medikamente mit geringeren Nebenwirkungen entwickelt werden, wie das Nobelpreis-Komitee erklärte.

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Noch ein paar Worte zu den Preisträgern: Lefkowitz (Jahrgang 1943) promovierte 1966 an der Columbia University in New York. Er ist Professor für Biochemie am Duke University Medical Center in Durham (North Carolina) und arbeitet auch am Howard Hughes Medical Institute. Kobilka (Jahrgang 1955) promovierte 1981 an der Yale University School of Medicine. Er ist Professor für Medizin und für Molekulare und Zelluläre Physiologie an der Stanford University School of Medicine (Kalifornien).

Und zur Erinnerung: Der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) war ein engagierter Pazifist und konnte es daher nicht verwinden, dass seine bedeutendste und erfolgreichste Erfindung - das Dynamit - auch in Kriegen eingesetzt wurde. Daher vermachte er einen Großteil seines Vermögens einer Stiftung. Die Zinsen daraus sollten Preise für Persönlichkeiten finanzieren, die "im vorhergehenden Jahr der Menschheit den größten Nutzen erwiesen haben". Die Nobeljurys sind aber bald dazu übergegangen, in größeren Zeiträumen - also über Jahre, wenn nicht sogar über Jahrzehnte hinweg - die Leistungen von Persönlichkeiten zu beurteilen. Die Dotierung stieg übrigens von anfangs 150 000 schwedischen Kronen in den vergangenen Jahren auf 10 Millionen Kronen. Ab diesem Jahr reduziert sich allerdings die Summe um 20 %, um auch zukünftig den Preis finanzieren zu können. Denn auch das Stiftungskapital hat unter der Wirtschafts- und Finanzkrise gelitten. Die beiden Preisträger können sich also 8 Millionen Kronen (umgerechnet rund 930 000 Euro) teilen. Eine immer noch ordentliche Summe!

Dr. Hans-Jürgen Hundrieser

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