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"Bedarf an Bioinformatikern wird immer größer" - 10 Jahre Bioinformatik an der Fachhochschule Bingen wurde gefeiert

Medikamente haben eine sogenannte Wirkrate von bis zu 60, selten 80 Prozent, das heißt von 100 mit einem Medikament behandelten Patienten, hilft es nicht allen, sondern nur etwa 60, maximal 80. Der Grund sind im Allgemeinen die individuellen genetischen Voraussetzungen. Um herauszufinden, warum das so ist, brauchen Wissenschaftler genug Informationen über das menschliche Erbgut. Für die Entschlüsselung des Erbguts, den Weg des Erbguts vom Reagenzglas in den Computer, werden immer schnellere und kostengünstigere Laborverfahren zur Sequenzierung entwickelt. Der inzwischen aufwändigere Teil der Untersuchung findet heute am Computer statt. Neue Software, die große Datenmengen aus dem Labor schnell für den Erkenntnisgewinn von Biologen und Medizinern aufbereitet, wird gebraucht. Dies ist nur ein Einsatzgebiet von Bioinformatikern in der Pharmaforschung, das am vergangenen Freitag anlässlich der Feier zum zehnjährigen Bestehen des Studiengangs Bioinformatik an der Fachhochschule Bingen vorgestellt wurde.

Studiengangleiterin Dr. Antje Krause streifte in ihrem Vortrag im Rahmen der Jubiläumsfeier die Geschichte der heutigen Bioinformatik. ( Foto: Corinna Espenschied, FH Bingen)

Bürgermeister Thomas Feser gratulierte den Aktivisten und Wegbegleitern der gelungenen Pionierarbeit zum Erfolg. Als der Studiengang in dieser noch jungen Querschnittdisziplin im Wintersemester 2000 in Bingen startete, war er der einzige an Fachhochschulen bundesweit. Die Geburtstagsfeier war Anlass, vor über 100 Gästen aus der Hochschule, kooperierenden Firmen, mit Absolventen und Studierenden auf die Dekade zurückzublicken, Bilanz zu ziehen und den Blick in die Zukunft zu richten. "Es ist wunderbar, dass alle an der Entwicklung des Studienangebots maßgeblich Beteiligten heute mit dabei sein können", begrüßten Vizepräsident Professor Dieter Kilsch und Professorin Marianne Krefft besonders herzlich ihre ehemaligen Kollegen Professor Dr. Daniel Hoffmann aus Essen und Professor Dr. Hans-Peter Wiedling aus Darmstadt sowie Dr. Andreas Weith vom Boehringer-Standort Biberach, der die FH in der Gründungsphase des Studiengangs beratend unterstützt hatte, unter den Gästen.

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Zu Beginn erinnerten die Initiatoren Dr. Krefft und Dr. Wiedling an die Umsetzung der gemeinsamen Idee eines interdisziplinären Studienangebots, das in fachbereichsübergreifender Zusammenarbeit nach nur einem Jahr Vorbereitungszeit im Oktober 2000 mit 24 Studierenden startete und seitdem 117 Absolventen erfolgreich abschlossen. Mit einem Diskurs von den historischen Anfängen der Protein-Sequenzierung im Jahr 1955 erläuterte Studiengangleiterin Dr. Antje Krause die Entwicklung der Bioinformatik an der Schnittstelle von biologischer Forschung und Informationstechnologie, die seit dem Beginn der Entschlüsselung des menschlichen Genoms im Jahr 2001 und dem Einsatz moderner Informationstechnologie zur Verarbeitung immenser Datenmengen rasant voran schreitet. Die Bioinformatik stehe vor immer neuen Herausforderungen und sei inzwischen in der modernen Molekularbiologie, Genetik, Biotechnologie und Medizin unverzichtbar geworden. Vom Verständnis einzelner Teilbereiche gehe die Reise hin zum Verständnis der Biologie ganzer Systeme. "Der Bedarf an Bioinformatikern wird immer größer", ist Professorin Krause überzeugt, die vor allem in der Entwicklung spezifischer Software ein wichtiges Handlungsfeld in der Ausbildung an der Fachhochschule sieht. Neue Fragestellungen zum Beispiel nach der Funktionsweise von Medikamenten, den genetischen Ursachen von Krankheiten oder den krankmachenden Mechanismen von Bakterien und Viren benötigen heute nicht nur intensive Laborarbeit sondern auch spezialisierte Software und Datenhaltung. Dr. Weith und Dr. Hoffmann unterstrichen mit ihren Ausführungen zu den Anwendungsfeldern der Bioinformatik in der pharmazeutischen und universitären Forschung die ungeheure Dynamik des Fortschritts. Stellvertretend für viele erfolgreich arbeitende Absolventen der Fachhochschule Bingen, von denen ein großer Teil die Promotion anstrebt, berichteten Oliver Brand, Nikolaj Dybowski, Aslihan Gerehold-Ay und Janine Weix aus ihren Tätigkeitsfeldern und umrissen so die verschiedenen Aufgabenbereiche der Bioinformatik in der medizinischen und pharmakologischen Forschung und Entwicklung, in klinischen Studien und in der Softwareentwicklung.

Die Gründerin des Studiengangs, Dr. Marianne Krefft, und Studiengangsleiterin Dr. Krause waren sich einig, eine gelungene Feier und Ansporn, die erfolgreiche Arbeit fortzusetzen.

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