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12. internationaler Thermophiles-KongressNeueste Forschungen zu Urbakterien

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In durch Vulkanismus geprägten Biotopen wie marinen Hydrothermalsystemen, Schwarzen Rauchern in der Tiefsee und heißen Quellen auf dem Festland leben Thermophile und Hyperthermophile (Wachstumsoptimum über 80 °C) bei Temperaturen zwischen 70 und 115 °C. Es handelt sich dabei meist um Archaeen, es gibt aber auch einige thermophile und hyperthermophile Bakterien, wie z.B. Thermus, der als Quelle der DNA-Polymerase für die PCR-Reaktion dient. Sie sind von großem Interesse, da in ihnen wahrscheinlich Merkmale des frühen Lebens auf der Erde erhalten geblieben sind. Forscher aus aller Welt treffen sich 5 Tage lang in Regensburg, um sich über die neuesten Erkenntnisse zu diesen geheimnisvollen zellulären Lebewesen auszutauschen. Beim 12. Thermophiles-Kongress vom 8. bis 13. September werden dazu alle wichtigen Forschungsbereiche einschließlich Molekularbiologie, Genetik, Physiologie, Ökologie, Genom-Analysen bis hin zu industriellen Anwendungen abgedeckt.

Wissenschaftlern an der Universität Regensburg gelang die Identifizierung, Charakterisierung und Kultivierung von bisher unbekannten Vertretern der einzelligen Organismen, die über einzigartige genetische, physiologische, strukturelle und biochemische Eigenschaften verfügen. Archaeen können sich im Bezug zu ihrer geringen Größe extrem schnell fortbewegen. Sie erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 500 Körperlängen pro Sekunde, der Gepard als schnellstes Wirbeltier bewegt sich maximal mit etwa 20 Körperlängen pro Sekunde fort. Nach einer Studie der Universität Regensburg sind einige Archaeen damit, bezogen auf die Körpergröße, die schnellsten bisher vermessenen Lebewesen. Von besonderem Interesse ist die Molekularbiologie dieser Lebensform. Die genetische Maschinerie der Archaeen weist große Ähnlichkeit zur der von höheren Zellen auf. Die Enzyme und Transkriptionsfaktoren, die die Genexpression in unseren Zellen steuern, haben ihren evolutionären Ursprung bei den Archaeen. Die molekulare Maschinerie der Bakterien ist völlig anders aufgebaut, wird am Lehrstuhl für Mikrobiologie in Regensburg bearbeitet und auch als vereinfachtes Modell zum Verständnis der molekularen Abläufe in den komplexeren höheren Zellen genutzt.

An extreme Temperaturbedingungen angepasst, wachsen hyperthermophile Arten bevorzugt bei Temperaturen von über 80 °C. Der außergewöhnliche Stoffwechsel von Archaeen ist für praktische Anwendungen interessant. Auf dem Kongress können Hyperthermophile in einer Fermentationsanlage in 8 unterschiedlichen Behältern bis zum 300-l-Maßstab beobachtet werden.

Im mikrobiologischen Labor wird die Anpassung an extreme Lebensbedingungen und die Transkriptionsmaschinerie der Archaea untersucht. Das Archaea-Zentrum in Regensburg ist weltweit führend bei der Zucht von Archaeen und Extremophiles. Die Forschungen haben grundlegend zum Verständnis der Besonderheiten und der Physiologie der Hyperthermophilen beigetragen und führen zu neuen Einsichten in die frühe Evolution. Aktuelle Untersuchungen führen zu weiteren einzigartigen Entdeckungen und spannenden Ergebnissen, die auf dem internationalen Kongress diskutiert werden.

Informationen zur Tagung unter Thermophiles 2013

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