Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz

DFG-Senatskommission legt 54. MAK- und BAT-Werte-Liste vor

Die Ständige Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die MAK- und BAT-Werte-Liste 2018 vorgelegt. Die Liste wurde jetzt an den Bundesminister für Arbeit und Soziales übergeben; sie enthält 95 Änderungen und Neuaufnahmen und ist in gedruckter Form wie auch digital im Open Access verfügbar. Sie ist Teil der wissenschaftlichen Politikberatung, die sich die DFG in ihrer Satzung selbst zur Aufgabe gemacht hat.

In der aktuellen Liste legte die Kommission eine neue Maximale Arbeitsplatz-Konzentration (MAK-Wert) für Polytetrafluorethen fest. Der Stoff ist unter anderem bekannt als Teflon oder Gore-Tex durch seine Verwendung zur Beschichtung von Bratpfannen oder Funktionskleidung und ist grundsätzlich nicht toxisch. Der neue MAK-Wert gilt daher nur für die feinen Partikel von Polytetrafluorethen-Staub, die bei der Herstellung oder Verarbeitung am Arbeitsplatz entstehen und zum Teil bis in die Lungenbläschen vordringen können. Ist ein Mensch solchem Staub dauerhaft in hohen Konzentrationen ausgesetzt, können die Staubpartikel zu einer Entzündung in der Lunge und den verschiedenen daraus resultierenden Gewebeveränderungen bis hin zur Tumorentwicklung führen.

Die Kommission folgt bei der Bewertung arbeitsstoffrelevanter Chemikalien ihrem Grundsatz, unterschiedlichste Aspekte einzubeziehen. Dies zeigt zum einen die Festlegung eines Biologischen Arbeitsstoff-Referenzwertes (BAR) für Aluminium im Urin von 15 µg/g Kreatinin. Dieser trägt dazu bei, die Hintergrundbelastung der Allgemeinbevölkerung, also nicht nur der beruflich exponierten Personen, durch das Metall zu beschreiben. Bei Überschreitung dieses Wertes liegt nicht zwangsläufig ein Gesundheitsrisiko vor, der Wert dient aber als Hinweis auf eine zusätzliche Aluminiumbelastung, deren Ursache zu prüfen ist. Wie Aluminium im Körper wirkt, ist bislang nicht vollständig geklärt. Die Kommission hatte 2017 bereits einen BAT-Wert für das Metall festgelegt.

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Zum anderen hat die Kommission speziell für die Beratung von Frauen im gebärfähigen Alter und von Schwangeren geprüft, bis zu welcher Plasmakonzentration eine fruchtschädigende Wirkung durch Chlorierte Biphenyle (auch Polychlorierte Biphenyle, PCB) nicht anzunehmen ist. Diese Stoffe wurden früher als Weichmacher oder auch in Dichtungsmassen verwendet und dürfen in Deutschland seit 1989 nicht mehr hergestellt oder verkauft werden. Sie sind in älteren Gebäuden oder Geräten jedoch noch enthalten. Aus den vorliegenden Studien konnte die Kommission ableiten, dass bis zu einer Konzentration von 3,5 µg der sogenannten PCB-Indikatorkongenere/L Plasma – diese erlauben einen Rückschluss auf die Gesamtbelastung des Körpers durch Chlorierte Biphenyle – eine fruchtschädigende Wirkung nicht zu befürchten ist.

Die MAK- und BAT-Werte-Liste enthält neben den namensgebenden MAK-Werten – den Stoffmengen, die als Gas, Dampf oder Aerosol in der Luft am Arbeitsplatz langfristig keinen Schaden verursachen – Angaben darüber, ob Arbeitsstoffe Krebs erzeugen, Keimzellen oder in der Schwangerschaft das werdende Kind schädigen, Haut oder Atemwege sensibilisieren oder in toxischen Mengen über die Haut aufgenommen werden. Sie weist außerdem die Konzentration eines Stoffes im Körper aus, der ein Mensch sein Arbeitsleben lang ausgesetzt sein kann, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen (BAT-Werte). Außerdem beschreibt sie die Biologischen Leit-Werte (BLW) sowie die Arbeitsstoff-Referenzwerte (BAR). Zu allen überprüften Stoffen liegen jeweils ausführliche wissenschaftliche Begründungen vor, die die Entscheidungsprozesse der Kommission transparent darlegen. Die Vorschläge für Änderungen und Neuaufnahmen stehen bis zum 31. Dezember 2018 zur Diskussion. Bis dahin können dem Kommissionssekretariat neue Daten oder wissenschaftliche Kommentare vorgelegt werden.

Insgesamt legte die Kommission für 14 Stoffe den MAK-Wert neu fest, bei acht Stoffen änderte sie den Wert, bei 13 Stoffen bestätigte sie ihn nach eingehender Prüfung der neueren Literatur. Ein MAK-Wert wurde gestrichen. Die 35 Stoffe mit einem MAK-Wert wurden zudem auf die Begrenzung von kurzzeitigen Expositionsspitzen und auf eine Gefährdung während der Schwangerschaft hin überprüft.

Alle in der Liste genannten Stoffe prüfte die Kommission auch auf ihre atemwegs- und hautsensibilisierenden Eigenschaften, bei Azinphos-methyl, 1-Butanthiol und Isobornylacrylat wurde neu auf die hautsensibilisierende Wirkung hingewiesen. Fünf Stoffe erhielten erstmalig den Warnhinweis, dass auch die Aufnahme durch die Haut neben der Inhalation wesentlich zur Gefährdung der Gesundheit beitragen kann, bei zwölf weiteren Stoffen wurde dieser Hinweis beibehalten. Im Teil „BAT-Werte, BLW, EKA und BAR“ nahmen die Expertinnen und Experten zehn Änderungen und Neuaufnahmen vor. Dabei änderten sie beispielsweise den BAT-Wert für Chlorbenzol, Dimethylformamid, Methanol und 1,1,1-Trichlorethan. Der biologische Arbeitsstoff-Referenzwert für Benzol wurde geändert und für Aluminium und Molybdän neu abgeleitet. Für Blei wurde ein BLW-Wert festgelegt.

Die digitale Fassung der MAK- und BAT-Werte-Liste steht seit diesem Jahr nicht nur in deutscher und englischer Sprache, sondern auch auf Spanisch zur Verfügung. Die von der Senatskommission veröffentlichten Daten bieten zahlreichen lateinamerikanischen Schwellenländern – denen Ressourcen für evidenzbasierte Arbeitsschutzgrenzwerte und Leitlinien für Vorsorgeuntersuchungen fehlen – eine unabhängige und fachlich fundierte Informationsquelle. Die Kommission trägt damit zur Weiterentwicklung und zum aktiven Arbeitsschutz in Ländern bei, deren wirtschaftliche Verflechtungen zunehmend globaler werden.

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