Europäische Forschungslandschaft im Wandel

Melanie Steinbeck,

EOSC Federation – NFDI unterzeichnet Memorandum of Understanding

Auf dem diesjährigen EOSC Symposium hat die European Open Science Cloud (EOSC) einen wichtigen Schritt unternommen, um sich als zentraler europäischer Datenraum für Forschung und Innovation zu etablieren. Ein Memorandum of Understanding legt mit Beteiligung der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) den Weg für Open Science fest.

Symbolbild © Illustrissima/stock.adobe.com

Die European Open Science Cloud (EOSC) hat auf dem diesjährigen EOSC Symposium einen wichtigen Schritt in Richtung ihrer Konsolidierung als europäischer Datenraum für Forschung und Innovation gemacht. Die 14 Koordinator:innen der ersten Welle von EOSC Nodes – also den regionalen oder thematischen Knotenpunkten, die Daten, Dienste und Infrastrukturen für die EOSC bereitstellen – stellten gemeinsam mit Klaus Tochtermann, Präsident der EOSC Association (EOSC-A), und Bob Jones, Co-Vorsitzender der Build-up Group der EOSC Federation, die Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) der EOSC Federation vor.

Champions der europäischen Forschungsgemeinschaft

Die Vereinbarung, die von 13 Candidate EOSC Nodes und der EOSC-A unterzeichnet werden soll, ist das Ergebnis von acht Monaten intensiver Arbeit und Koordination. Zahlreiche europäische Organisationen, die hinter den Knotenpunkten stehen – darunter Forschungsinfrastrukturen, e-Infrastrukturen und wissenschaftliche Einrichtungen – haben auf freiwilliger Basis die technischen und organisatorischen Grundlagen für die Zukunft der Open Science in Europa geschaffen.

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Das Vorhaben wird von der dreigliedrigen EOSC-Governance getragen, die sich aus der Europäischen Kommission (EK), den EU-Mitgliedstaaten und den mit Horizon Europe assoziierten Ländern sowie der EOSC Association zusammensetzt. Die Kommission fungiert dabei als Eigentümerin und Betreiberin des EOSC EU Node und wird das Memorandum ebenfalls unterzeichnen.

Marc Lemaître, Generaldirektor des Directorate General for Research and Innovation (DG RTD) der Europäischen Kommission, hielt die Eröffnungsrede des Symposiums.

„Die Federation ist die Zukunft“

Das MoU der EOSC Federation markiert einen entscheidenden Schritt hin zu einem grenzenlosen europäischen Forschungsökosystem. Es soll Open Science fördern, die europäische Datenhoheit stärken und die Wettbewerbsfähigkeit Europas in der globalen Wissenswirtschaft verbessern.

Die feierliche Unterzeichnung der Absichtserklärung bildete den Abschluss eines Tages, der im Zeichen hochrangiger Diskussionen zwischen europäischen Entscheidungsträger:innen und Vertreter:innen der Forschungsgemeinschaft stand. Am Nachmittag wurden die EOSC Federation und ihr wissenschaftlicher Beitrag vorgestellt.

Zu den Redner:innen des Eröffnungstages gehörten neben Marc Lemaître auch Robbert Dijkgraaf, designierter Präsident des International Science Council, Maria Leptin, Präsidentin des Europäischen Forschungsrats, Mattias Björnmalm, Generalsekretär des EOSC-A-Gründungsmitglieds CESAER, Jean-David Malo, Direktor DG RTD’s ERA & Innovation Acting, Volker Beckmann, Co-Vorsitzender des Steering Board der EOSC vom französischen Ministerium für Hochschulbildung, Forschung und Raumfahrt, sowie Klaus Tochtermann.

„Dieser Moment zeigt, was eine gemeinsame Steuerung des europäischen Forschungsökosystems bewirken kann", betont Tochtermann. „Die EOSC-Föderation wird nicht nur technische Infrastrukturen miteinander verbinden, sondern auch Menschen und Prinzipien in einer entsprechenden sozialen Infrastruktur. Die Absichtserklärung gibt uns den operativen Rahmen, um Dienste grenzüberschreitend zu testen, zu integrieren und zu skalieren – und damit die Grundlage für ein nachhaltiges, interoperables europäisches Forschungsdaten-Commons zu schaffen.“

Rückgrat der digitalen Strategie Europas

Das Memorandum definiert einen gemeinsamen operativen und vorläufigen Regelungsrahmen für die Pilotphase der Federation. Nach dem Produktionsstart soll die EOSC Federation of Nodes als Rückgrat einer interoperablen, offenen und vertrauenswürdigen digitalen Infrastruktur Europas dienen. Diese ermöglicht Forscher:innen und Innovator:innen einen nahtlosen Zugang zu hochwertigen Daten und Tools über Disziplinen und Ländergrenzen hinweg.

Die Bedeutung der EOSC und ihrer Federation wurde im Jahr 2025 mehrfach hervorgehoben – etwa in den Empfehlungen des Europäischen Rates zur ERA-Politikagenda, in der europäischen Strategie für Forschungs- und Technologieinfrastrukturen sowie in der jüngst veröffentlichten Strategie für KI in der Wissenschaft. In letzterer wird die EOSC-Föderation als entscheidender Wegbereiter für KI in der Wissenschaft identifiziert, da sie Zugang zu interoperablen und wiederverwendbaren Datensätzen schafft.

Als Unterzeichnerin des MoU und integraler Bestandteil der ersten Welle der EOSC Federation möchte die Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) ihre wissenschaftlichen Dienste für die ambitionierten Ziele der Federation einbringen. Die Teilnahme an der ersten Welle ist ein aus eigenen Mitteln finanziertes Engagement der NFDI – ein Beitrag zum Aufbau von Vertrauen und gemeinsamen Arbeitsweisen, die die EOSC Federation als unverzichtbare Forschungsinfrastruktur in Europa etablieren sollen.

Aufruf zum Ausbau der EOSC-Föderation

Der Ausbau der EOSC-Föderation soll umgehend beginnen. Der erste Tag des Symposiums diente zugleich als Startschuss für einen Aufruf zur nächsten Welle zukünftiger EOSC-Knoten durch die dreigliedrige EOSC-Governance. Zudem wurden zwei Aufrufe des von EOSC-A koordinierten Projekts EOSC-Gravity für Vorbereitungs- und projektübergreifende Fördermittel angekündigt.

Mit dem Wachstum der Federation wird die nun geschlossene vorläufige Vereinbarung den Weg zu einer künftig verbindlichen, rechtlich gegründeten operativen EOSC Federation ebnen.

Über die NFDI

Die Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) verfolgt die Vision, Daten als gemeinsames Gut für exzellente Forschung zu organisieren. Forschungsdaten sind ein wertvoller Schatz für die Gesellschaft – sie ermöglichen neue Erkenntnisse und stärken Deutschland als Wissensstandort.

Viele Forschungsdaten sind bislang weder auffindbar noch interoperabel und daher nicht wieder- oder weiterverwertbar. Die NFDI möchte dies ändern und neue Potenziale zur Wissensgenerierung sowie zur interdisziplinären Vernetzung erschließen.

Bund und Länder fördern die NFDI bis 2028 mit bis zu 90 Millionen Euro jährlich, um modernes Forschungsdatenmanagement und offene Wissenschaft in Deutschland nachhaltig zu stärken.

Quelle: Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI)

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