Neurologie der elterlichen Fürsorge

Eppendorf & Science Prize 2018 für deutschen Wissenschaftler

Der deutsche Wissenschaftler Johannes Kohl, Ph.D., hat für seine Arbeit zu neuronalen Mechanismen, die der elterlichen Fürsorge zugrunde liegen, den Eppendorf & Science Prize for Neurobiology 2018 gewonnen.

Johannes Kohl, Ph.D., Gewinner des Eppendorf & Science Prize 2018 © Eppendorf AG

Mit seiner Arbeit hat Kohl gezeigt, wie eine kleine Population genetisch definierter Neuronen die motorischen, motivatorischen, hormonellen und sozialen Aspekte des elterlichen Verhaltens bei männlichen und weiblichen Mäusen steuert. Frühere Arbeiten hatten spezifische Neuronen, die sich im medialen präoptischen Bereich (MPOA) des Hypothalamus befinden, mit der Brutpflege in Verbindung gebracht. (Der Hypothalamus ist ein Teil des Gehirns, der gemeinsame Merkmale mit anderen Wirbeltieren aufweist.) Dabei war jedoch unklar geblieben, wie eine kleine Neuronengruppe ein so komplexes Sozialverhalten steuern könnte.

Johannes Kohl zeigte zunächst mit anatomischen Techniken, dass diese Neuronen einen Hub, also einen Knotenpunkt, in einem komplexen hirnweiten Brutpflege-Netzwerk bilden. Anschließend machte er mit Bildgebungsverfahren die Aktivität dieser MPOA-Neuronen bei der Brutpflege sichtbar und manipulierte ihre Funktion bei Tieren, deren Verhalten beobachtet wurde. Zusammen zeigten diese Versuche, dass MPOA-Neuronen Subpopulationen bilden, die jeweils unterschiedliche Aspekte der Brutpflege steuern. Diese Entdeckung liefert ein neues Modell dafür, wie spezifische Komponenten eines Sozialverhaltens auf der Ebene der neuronalen Erregungskreise generiert werden. Die Entschlüsselung des funktionalen Aufbaus solcher Erregungskreise wird unser Verständnis, wie das Gehirn komplexe Verhaltensweisen koordiniert, weiter voranbringen.

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Seine Forschungen hatte Johannes Kohl im Labor von Catherine Dulac an der Harvard University durchgeführt. Im Jahr 2019 wird Kohl seine eigene Gruppe am Francis Crick Institute in London gründen. Er wird untersuchen, wie physiologische Zustände die Informationsverarbeitung in neuronalen Erregungskreisen beeinflussen.

Der mit 25 000 US-Dollar dotierte Eppendorf & Science Prize for Neurobiology wird jährlich an Wissenschaftler für bahnbrechende Forschungsarbeiten verliehen. Johannes Kohl ist der 17. Preisträger dieser von Eppendorf und dem Journal Science verliehenen internationalen Auszeichnung.

Für diesen Preis können sich Wissenschaftler bewerben, die nicht älter als 35 Jahre alt sind und die herausragende Beiträge in der neurobiologischen Forschung mit Methoden der Molekular- und Zellbiologie geleistet haben. Die nächste Abgabefrist für Bewerbungen endet am 15. Juni 2019.

Mehr Informationen über Johannes Kohl und den Eppendorf & Science Prize for Neurobiology unter: www.eppendorf.com/prize

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