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Europäische Doppelkonferenz zu Verfahrenstechnik und Biotechnologie in Berlin erfolgreich beendet

Mit einem positiven Fazit gingen am letzten Donnerstag der 8. European Congress of Chemical Engineering und 1. European Congress of Applied Biotechnology zu Ende. Vier Tage lang hatten sich rund 3000 Wissenschaftler aus Industrie und Forschungseinrichtungen über Fragestellungen aus Forschung und Anwendung ausgetauscht. Besonderer Andrang herrschte in den Vorträgen zur Aufarbeitung biotechnologischer Produkte; aber auch Sessions zu Energiespeicherung, Future Thinking in Innovation und Prozessintensivierung stießen auf außerordentlich reges Interesse.

Dr. Hermann Feise, Chairman der ECCE, hatte bereits in seiner Eröffnungsansprache betont, dass es sich nicht um zwei parallele Kongresse am gleichen Ort handele, sondern um eine gemeinsame Veranstaltung. Entsprechend trafen sich die unterschiedlichen Disziplinen nicht nur in den gemeinsamen Vortragssträngen, sondern nutzten die Gelegenheit, auch Vorträge des jeweils anderen Faches zu hören. "Biotechnologen und Verfahrenstechniker haben zusammengefunden und gemeinsam diskutiert, bis die Räume geplatzt sind", resümiert Dr. Andreas Förster, Geschäftsleiter von ProcessNet. "Das ist für mich ein Riesenerfolg." Professor Alois Jungbauer, Chairman der ECAB, fasste seinen Eindruck zusammen: "Der Kongress hat gezeigt, dass wir in das Jahrhundert der Biologie eingetreten sind und dass Biotechnologie und Chemie verschmolzen sind."

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Dass beide Disziplinen in der industriellen Praxis schon heute nicht mehr zu trennen sind, zeigte sich auch in der gemeinsamen Pressekonferenz. Beeindruckende Beispiele für die Wertschöpfung durch biotechnologische Prozesse wurden dabei vorgestellt. Dr. Xavier Montagne, IFP, verwies in diesem Zusammenhang auf die enge Verknüpfung zwischen grüner und weißer Biotechnologie; Pflanzen werden zunehmend auch hochwertige Synthesebausteine und Feinchemikalien für industrielle Prozesse liefern. Biotechnologie biete aber nicht nur Potenzial für die Herstellung komplexer Produkte, sagte Dr. Günter Wich, Wacker Chemie. Zunehmend zeige sich, dass sie auch die klassische Petrochemie im Bereich der großvolumigen Grundchemikalien ergänzen und teilweise ersetzen könne. Allerdings, schränkte Dr. Friedrich Seitz, BASF SE ein, müssten sich auch biotechnologische Verfahren der Beurteilung nach ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten stellen: "Bei der Beurteilung dieser Verfahren darf "bio" nicht mit nachhaltig gleichgesetzt werden." Dr. Henk van Liempt, Referatsleiter Bioökonomie im BMBF, betonte, dass die Bioökonomie ein Projekt weit über Deutschland und Europa hinaus sei. Prof. Dr. Thomas Scheper, Leibniz Universität Hannover, verwies darauf, dass die neuen Entwicklungen auch Niederschlag in den Lehrplänen der Hochschulen finden müssten. Er unterstrich dabei besonders die Bedeutung einer fächerübergreifenden Ausbildung.

Doch auch jenseits der Schnittmengen standen wichtige Themen auf der Tagesordnung: In seiner Begrüßungsansprache sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium Dr. Helge Braun, bei der Energiewende sei politisch eine Entwicklung in Gang gesetzt worden, die nun technisch untermauert werden müsse. Im Gegensatz zur Fernsehwelt seien Naturwissenschaftler und Ingenieure die wirklichen Talente, die Deutschland voranbringen würden. Die Energieeffizienz und die Energiespeicherung nahmen denn auch breiten Raum in den verfahrenstechnischen Vortragssträngen ein.

Den vielleicht schlagkräftigsten Beleg für den Erfolg der gemeinsamen Veranstaltung gab es zum Schluss: Gemeinsam mit dem 9. European Congress of Chemical Engineering wird 2013 auch der 2. European Congress of Applied Biotechnology in Den Haag stattfinden.

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