Forschungszentrum nach Tübinger Wissenschaftler benannt

Wolfgang Voelter für Aufbauhilfe in Pakistan geehrt

Die pakistanische Universität Karatschi hat dem Tübinger Biochemiker Professor Wolfgang Voelter ein Forschungsgebäude gewidmet: Der „Prof. Wolfgang Voelter Laboratories Complex“ wurde heute durch die deutsche Botschafterin Ina Lepel offiziell eröffnet.

Der „Prof. Wolfgang Voelter Laboratories Complex“ der Universität Karatschi, Pakistan (Foto: Universität Karatschi).

Der Laborkomplex sei ein Tribut an die gewaltigen Verdienste des Wissenschaftlers um die Biochemie in Pakistan, teilte die Universität Karatschi mit. Professor Voelter ist dort seit 40 Jahren für sein Wirken bekannt: 1976 war es ihm gelungen, das deutsche Entwicklungshilfeministerium und weitere Spender durch ein 700-seitiges Gutachten zu Aufbau und Ausstattung eines sechs Millionen D-Mark teuren Forschungsinstituts an der Universität Karatschi zu bewegen. Im „Husein Ebrahim Jamal Research Institute of Chemistry“ arbeiten heute mehrere hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Bereich Naturstoffchemie.

Professor Voelter versuchte stets, seine Forschungsvorhaben – die Identifizierung neuer Wirkstoffe wie zum Beispiel biologisch abbaubare Pestizide oder Alkaloide aus Heilpflanzen oder Toxine aus Schlangen und Skorpionen – in Kooperation mit internationalen Arbeitsgruppen in ihren Heimatländern zu realisieren, indem er diese finanziell und fachlich unterstützte. Neben gemeinsamen wissenschaftlichen Entdeckungen sei es ihm ein Anliegen gewesen, durch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen vor Ort die Abwanderung der intellektuellen Elite zu verhindern. „Dies wurde im großen Maß von westlichen Demokratien versäumt“, findet Voelter. In verschiedenen Ländern engagierte er sich für einen Austausch von Wissen und Mitarbeitern, darunter China, die Türkei, Jordanien, Griechenland, Chile, Südafrika und Bulgarien. Die engagiertesten Partner fand er jedoch in Pakistan mit Professor Salimuzaman Siddiqui und Professor Atta-ur-Rahman. Gemeinsam akquirierten die drei Wissenschaftler immer wieder Fördergelder, mit denen Forschungseinrichtungen „buchstäblich aus dem Nichts“ geschaffen wurden, wie Voelter sich erinnert.

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Der Direktor des Instituts, Professor Atta-ur-Rahman, wurde später aufgrund der Reputation seines Instituts pakistanischer Wissenschaftsminister und investierte in dieser Funktion stark in die Weiterentwicklung von Pakistans Hochschullandschaft. Wichtige erste Impulse für die vielversprechende Entwicklung in Pakistan, vor allem der Naturwissenschaften, habe Voelters Engagement gegeben, sagte er 2015 bei der Verleihung der Tübinger Universitätsmedaille an den Tübinger Biochemiker.

Wolfgang Voelter (geb. 1936 in Ludwigsburg) studierte an der Universität Tübingen Chemie und Medizin und wurde hier auch promoviert. Nach weiteren Medizinstudiensemestern an der Universität Erlangen forschte er an der Stanford University in Kalifornien und am Kaiser Foundation Research Institute in San Francisco, bevor er nach Tübingen zurückkehrte: Hier habilitierte er sich und hatte ab 1973 eine Professur für Physikalische Biochemie inne, war unter anderem Direktor des Chemischen Zentralinstituts und Prodekan der Fakultät für Chemie und Pharmazie.

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