Interview

Laborarbeit im Wandel der Zeit

So wie sich die Labore selbst in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt haben, so haben sich auch Arbeitsumfeld und Anforderungen an Laboranten verändert. Interview mit Dr. Celina Cziepluch vom DKFZ.

Dr. Celina Cziepluch ist langjährige Leiterin der AG Aus- und Weiterbildung im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg und beantwortet unsere Fragen zu den Veränderungen.

Am DKFZ gehört ein Wechsel durch verschiedene Forschungsbereiche und -teams zum Standard. © DKFZ

LABO: Frau Dr. Cziepluch, wie viele Biologielaboranten haben Sie schon von Seiten der Personalabteilung begleitet?
Cziepluch: Am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) gibt es seit ca. 40 Jahren in der Personalabteilung eine Arbeitsgruppe, die die Ausbildung im Haus koordiniert. Seit mindestens zehn Jahren stellen wir pro Jahr zwischen 22 und 24 Auszubildende im Beruf Biologielaborant/in ein. Die Anzahl der Auszubildenden in diesem Beruf ist im Vergleich zu den anderen Berufen, die am DKFZ ausgebildet werden, traditionell am höchsten. Gleichzeitig ist das DKFZ in der Kammer der IHK Rhein-Neckar der Betrieb mit der höchsten Anzahl an Auszu­bildenden in diesem Beruf. Ich selbst bin seit neun Jahren dabei – habe also bereits 200 Biologie­laboranten begleitet.

LABO: Inwiefern hat sich die Biologielaboranten-Ausbildung in den vergangenen Jahrzehnten verändert?
Cziepluch: Da gibt es drei Stichworte zu nennen: Team, Technik (inklusive IT) und Internationalisierung. Zum Team: Die Ausbildung erfolgt nicht mehr ausschließlich im 1 : 1-Verhältnis mit einer/m Ausbilder/in. Es wird heute im Team gearbeitet und geforscht. Das wollen wir auch bereits während der Ausbildung abbilden, und deshalb gehört ein Wechsel durch verschiedene Forschungsbereiche und -teams am DKFZ zum Standard.

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Zur Technik: Immer speziellere technische Methoden und ein Trend zum Hochdurchsatz erfordern eine erhöhte Affinität zur Technik inklusive Informationstechnik. Auch das Berichtsheft führen unsere Auszubildenden seit dem Einstellungsjahr 2018 elektronisch.

Zur Internationalisierung: Forschung ist international. Protokolle und Prozesse werden oftmals in Englisch kommuniziert. Zudem sind Forschungsteams immer häufiger multikulturell zusammengesetzt. Deshalb sind wir froh, einen Teil unserer Auszubildenden für bis zu 12 Wochen für ein Praktikum in EU-Länder entsenden zu können. Möglich ist das durch von uns eingeworbene ErasmusPlus-Fördergelder der EU.

LABO: Können Sie Bereiche nennen, in denen sich besonders viel in der Methodik verändert hat – oder besonders wenig?
Cziepluch: Für das DKFZ lässt sich feststellen, dass in allen Bereichen – von der Molekularbiologie bis zur Versuchsdokumentation – große Veränderungen statt­finden. Generell gibt es den Trend zur Miniaturisierung und zum Hochdurchsatz, mit den entsprechend einhergehenden Anforderungen an die Versuchsdurchführung und Dokumentation der Ergebnisse. Hier sind der Einsatz von Robotern und digitalen Laborbüchern als wichtigste Entwicklungen zu nennen. In der generellen Labororganisation kommen zunehmend digitale Labormanagement-Systeme sowie digitale Tools für die Abwicklung von Bestellanforderungen zum Einsatz.

LABO: Welche Tätigkeiten standen früher im Mittelpunkt der Biologielaboranten-Ausbildung, welche sind es heute?
Cziepluch: Im Alltag eines Forschungslabors gab es und gibt es viele Veränderungen auf Grund der beständigen technischen und methodischen Weiterentwicklung. In der Ausbildung werden aber generell nach wie vor sehr viele grundlegende Techniken und Tätigkeiten vermittelt, die in der Ausbildungsordnung verankert sind, um ein Grundverständnis und Problemlösefähigkeit zu vermitteln, welche auch beim Einsatz automatisierter Systeme notwendig sind. Zudem sollen die theoretische und praktische Prüfung bundesweit in allen Betrieben eine Vergleichbarkeit des Berufs­abschlusses gewährleisten.

Grundsätzlich war es in früheren Jahren notwendig alle Reagenzien und Puffer selbst herzustellen. Diese Tätigkeiten entfallen, da die Industrie heutzutage standardisierte und sehr komfortable Qualitätsprodukte anbietet.

Das Ausbilderteam am DKFZ vermittelt grundlegende Techniken und Tätigkeiten, die in der Ausbildungsordnung verankert sind, um den Auszubildenden ein Grundverständnis und die erforderliche Problemlösefähigkeit zu vermitteln. © DKFZ

LABO: Haben sich die Eignungsvoraussetzungen für die TA-Berufe im Laufe der Jahre geändert? Welche Eigenschaften waren früher gefragt, welche sind es heute?
Cziepluch: Heute achten wir darauf, dass unsere Bewerberinnen und Bewerber neben der notwendigen Affinität zum fachlichen starke überfachliche Qualitäten mitbringen. Dazu zählen eine große Lernbereitschaft, Teamfähigkeit und gute Kommunikationsfähigkeit.

LABO: Welche Perspektiven zur beruflichen Weiterentwicklung haben Biologielaboranten heute?
Cziepluch: Wir erleben bei unseren Absolventinnen und Absolventen sehr vielfältige und interessante berufliche Entwicklungen. Einige bleiben im erlernten Beruf und entwickeln sich fachlich stark weiter, indem sie sich z. B. in komplexen Analysemethoden wie z. B. der FACS-Analyse oder der Massenspektroskopie spezialisieren. Andere schlagen nach der abgeschlossenen Ausbildung und einigen Jahren der Berufspraxis den Weg zum Techniker ein oder den akademischen Weg – entweder mit einem berufsbegleitenden oder einem Vollzeitstudium. Berufliche Weiterentwicklung erfolgt insgesamt sehr zielgerichtet und individualisiert.

LABO: Worauf legen Organisationen heute bei ihrem Laborfachpersonal besonderen Wert?
Cziepluch: In der Forschung sucht das DKFZ neben fachlicher Begeisterung und Kompetenz nach den bereits erwähnten überfachlichen Klassikern wie große Flexibilität, Teamfähigkeit, Kommunikationskompetenz und der Fähigkeit strukturiert und eigenverantwortlich zu arbeiten. In einem hochinnovativen Umfeld ist lebenslange Lernbereitschaft einfach ein Muss.

LABO: Wie hat sich die gegenseitige Wahrnehmung von Ausbildungseinrichtungen und Anbieterfirmen z. B. von Laborbedarf bzw. Gerätetechnik im Laufe der Jahre verändert?
Cziepluch: Wir beobachten, dass die Anbieter die Zielgruppe des Wissenschaftlich-Technischen Personals gut anspricht. Fachzeitschriften und elektronische Newsletter sind überaus hilfreich und werden gut angenommen. Die Firmen werden nicht zuletzt auch als interessante Arbeitgeber wahrgenommen.

LABO: Letzte Frage: Wie sind heute die Berufsaussichten für BiologielaborantInnen?
Cziepluch: Hervorragend! Personen mit dieser soliden Ausbildung sind absolut gesucht.

LABO: Vielen Dank, Frau Dr. Cziepluch.

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