Labo Online - Analytic, Labortechnik, Life Sciences
Home> Wirtschaft + Wissenschaft> Archiv>

Tübinger Universitätsklinikum entwickelt Beschichtungsverfahren Schutzverfahren bei künstlichen Gefäßprothesen

Mit Fängermolekülen beschichtete ErsatzgefäßeGefäßprothesen geschickt getarnt

Das klinische Forschungslabor des Tübinger Universitätsklinikums für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie hat ein innovatives Beschichtungsverfahren entwickelt, um bei künstlichen Gefäßprothesen die Gefahr von Entzündungen zu reduzieren. An der Innenwand der Prothesen angebrachte so genannte Fängermoleküle sollen körpereigene Endothelzellen aus dem Blutkreislauf "einfangen", damit diese sich großflächig an die künstlichen Gefäße anlagern können.

sep
sep
sep
sep

Infolge dieser Tarnung erkennt das Blut die Prothesen nicht mehr als Fremdkörper, eine Entzündungsreaktion unterbleibt. Dieses Forschungsprojekt ist Teil der von der BioRegio STERN Management GmbH initiierten Gesundheitsregion REGiNA.

Routinemäßig werden heute künstliche Gefäßprothesen implantiert, um verstopfte Blutgefäße offen und den lebensnotwendigen Blutstrom im Fluss zu halten. Allerdings reagieren Patienten auf die Fremdkörper häufig mit Entzündungsreaktionen, weil das zirkulierende Blut die Prothese als "Eindringling" identifiziert und bekämpft. Dies kann im schlimmsten Fall zu einer Thrombose und damit zum Wiederverschluss des Blutgefäßes führen.

Anzeige

Um solche Komplikationen zu vermeiden, arbeiten der Molekularbiologe Prof. Dr. Hans Peter Wendel und seine Kollegin Dr. Meltem Avci-Adali im Forschungslabor der Universitätsklinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie in Tübingen daran, das Problem mit biotechnologischen Methoden zu lösen. Ihre Forschungen zählen zu den Aktivitäten im Rahmen der Gesundheitsregion REGiNA, einem Projekt zur Förderung der Regenerativen Medizin, das die BioRegio STERN Management GmbH auf den Weg gebracht hat und, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, bis heute begleitetet.

Die Endothelzellschicht, die die Protheseninnenwand auskleidet, dient aber nicht nur zur Tarnung. Sie produziert obendrein Signalstoffe, die sich positiv auf das Immunsystem auswirken und sowohl entzündungs- als auch gerinnungshemmend wirken. Um diese Schutzschicht an der Protheseninnenwand vollständig aufzubauen, benötigen der Körper und die neuartige Prothese voraussichtlich nur rund eine Woche.

"Die Herausforderung bestand bei diesem Projekt darin, die richtigen Fängermoleküle zu identifizieren, sie zu synthetisieren und an der Oberfläche der künstlichen Prothesen so anzudocken, dass sie sich nicht mehr lösen", erklärt Prof. Dr. Hans Peter Wendel. Die großflächige Besiedelung durch Endothelzellen im Laborversuch belegt, dass die Forscher die bestgeeigneten Fängermoleküle gefunden und erfolgreich gebunden haben. "Im Labormaßstab funktioniert das bisher sehr gut, wir hoffen nun darauf, dass wir in den nächsten drei bis vier Jahren Patientenstudien durchführen dürfen", erklärt Prof. Wendel. Sind diese Studien erfolgreich abgeschlossen, eröffnen sich ganz neue Therapieoptionen, denn dieses Prinzip lässt sich voraussichtlich auf alle Flächen übertragen, die im Körper mit Blut in Kontakt kommen.

Ein neuer Film der BioRegio STERN Management GmbH zeigt, wie Gefäßprothesen mit Hilfe von Fängermolekülen geschickt getarnt werden: 

Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zum Thema

Durchblutungsstörungen in den Arterien

VDI Technikpreis 2017Nur eine Vision? Gefäßprothesen aus dem Bioreaktor

Bypässe aus menschlichen Zellen könnten künftig eine deutlich besser verträgliche Alternative zu synthetischem Material werden. 

…mehr

Weitere Beiträge zu dieser Firma

Strategie-Workshop "Internationalisierung...Regional verankert - international vernetzt

Die BioRegio STERN Management GmbH entwickelt eine Internationalisierungsstrategie für Life-Sciences-Unternehmen in der Region. Um die konkreten Bedürfnisse der Unternehmer zu ermitteln, führte das Kompetenznetzwerk für die Life-Sciences-Branche in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO eine Studie durch.

…mehr

News"Science2Start"-Preisverleihung: vom Schnabeltier lernen

Die BioRegio STERN Management GmbH zeichnete am Donnerstagabend die drei Sieger des regionalen Ideenwettbewerbs "Science2Start" aus. Die aus Wissenschaftlern, Wagniskapitalgebern und Unternehmern zusammengesetzte Jury honorierte hierbei drei wissenschaftliche Ideen mit wirtschaftlichem Potenzial.

…mehr

Weitere Beiträge in dieser Rubrik

Finanzierung von LaboruntersuchungenLabormediziner fordern: „Zweite Reformstufe muss Qualität stärken“

Der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) forderte heute (23.) am "Aktionstag Labordiagnostik 2018" in Berlin eine grundlegende Korrektur der Laborreform.

…mehr
Aminolipin (Foto: Institut für Klinische Anatomie und Zellanalytik)

GO-Bio-FörderungAminolipin: Schützt die Lebenden – erhält die Toten

Prof. Dr. Bernhard Hirt vom Institut für Klinische Anatomie und Zellanalytik des Universitätsklinikums Tübingen erhält die GO-Bio-Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in Höhe von 4,5 Millionen Euro, um den Ersatzstoff Aminolipin marktreif zu entwickeln, der das hochgiftige Formaldehyd als Fixierungs und Konservierungssubstanz für Organe und Gewebe ablösen soll.

…mehr
Anzeige

Mediadaten 2018

LABO Einkaufsführer

Produktkataloge bei LABO

Produktkataloge zum Blättern


Hier finden Sie aktuelle Blätter-Kataloge von Herstellern aus der Branche. Einfach durchblättern oder gezielt nach Stichwort suchen!

Anzeige

LABO Web-Guide 2016 als E-Paper

LABO Web-Guide 2016

Web-Guide 2016


- Stichwortregister

- Firmenscreenshots

-Interessante Webadressen aus dem Labor

Anzeige

Neue Stellenanzeigen

Jetzt den LABO Newsletter abonnieren

LABO Newsletter abonnieren

Der kostenlose LABO Newsletter informiert Sie wöchentlich über neue Produkte, Lösungen, Technologietrends und Innovationen aus der Branche sowie Unternehmensnachrichten und Personalmeldungen.

LABO bei Facebook und Twitter