Molekulare Proteindiagnostik

Richtfest an der RUB

Das Forschungszentrum für molekulare Proteindiagnostik an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) feierte jetzt Richtfest. Künftig soll es Forschern neue Möglichkeiten bieten, Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer frühzeitig zu erkennen.

Klaus Gerwert ist der Gründungsdirektor von Prodi: „Wir freuen uns auf dieses Gebäude wie die Kinder auf Weihnachten.“ © RUB, Marquard

Am Gesundheitscampus, eingerahmt von der Hochschule für Gesundheit und von der Fakultät für Sportwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum (RUB), schließt das Forschungszentrum für molekulare Proteindiagnostik, kurz Prodi, städtebaulich eine Lücke.

Mit der Arbeit, die Forscher und Kliniker dort leisten werden, schlägt es zudem eine Brücke zu den Universitätskliniken. Errichtet wird der Forschungsbau vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen (BLB NRW).

Transfer in die klinische Anwendung

In einer alternden Gesellschaft werden Krebserkrankungen und neurodegenerative Erkrankungen noch weiter zunehmen und das Gesundheitssystem belasten. Durch Verbesserung der Diagnostik, insbesondere früher Stadien, steigen die Heilungschancen enorm. Das senkt auch Kosten im Gesundheitswesen.

Dazu arbeiten Forscher im Verbund „Protein Research Unit Ruhr within Europe“ (PURE) zusammen. Im Forschungsbau für molekulare Proteindiagnostik werden neue, in PURE entwickelte Verfahren zur frühen Diagnostik von Krebs und neurodegenerativen Erkrankungen in die klinische Anwendung überführt.

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Erhebliche Synergieeffekte

„Von dieser Zusammenarbeit an einem Ort versprechen wir uns erhebliche Synergieeffekte zwischen Forschung und Anwendung, so können neue Erkenntnisse schneller umgesetzt werden“, betont Ulrich Schüller, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Bildung und Forschung.

„Insbesondere soll der im PURE-Verbund im universitären Maßstab etablierte Workflow nun in die Translation einfließen“, sagt Prof. Dr. Klaus Gerwert, Gründungsdirektor von Prodi. Translation bedeutet, Erkenntnisse aus der vorklinischen Forschung schnell und gezielt für Therapien, Diagnostik und Prävention zu nutzen - und umgekehrt klinische Beobachtungen in die Grundlagenforschung einzubringen.

Neue Verfahren zur Suche nach Biomarkern

„Beim Lungenkrebs konnten wir beispielsweise die hohe räumliche Auflösung der labelfreien Bildgebung mit der molekularen Auflösung der Proteomanalyse kombinieren und dabei gezielter Biomarker identifizieren. Das ist in einer hochkarätigen, aktuellen Publikation dokumentiert. Bei Blasenkrebs haben wir jetzt mit diesem Verfahren einen neuen, vielversprechenden Biomarker entdeckt“, erklärt Gerwert. „Unser Ziel ist es, labelfreie bildgebende Techniken zur Analyse von Tumorgewebe und einen Alzheimer-Bluttest zum Screenen von Frühformen in die klinische Anwendung zu bringen.“

Der Baufortschritt am Gesundheitscampus ist deutlich sichtbar. „Nach dem Spatenstich im November 2016 sind wir jetzt auf gutem Wege, das Gebäude an die RUB im späten Herbst 2018 zu übergeben und zu vermieten“, so Helmut Heitkamp, Niederlassungsleiter des BLB NRW Dortmund.

Auf vier Etagen bietet der Forschungsbau mit einer Gesamtnutzfläche von rund 4300 Quadratmetern auf hochmodern ausgestatteten Forschungsflächen Platz für etwa 150 Mitarbeiter. Das Gebäude ist 54 Meter lang und 40 Meter breit. Der Komplex besteht aus einem Labor- und einen Bürotrakt, die über Kommunikationszonen mit Blick in den natürlich belichteten Innenhof miteinander verbunden werden.

Die Gesamtkosten liegen bei rund 51 Millionen Euro. Bund und Land finanzieren den Bau und die Ausstattung mit Großgeräten je zur Hälfte. Der Forschungsbau war 2015 durch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz bewilligt worden, nachdem der Wissenschaftsrat das Vorhaben „von überragender Bedeutung“ zur gemeinsamen Bund-Länder-Förderung empfohlen hatte.

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