European XFEL

Inbetriebnahme des weltweit größten Röntgenlasers

Die internationale Großforschungseinrichtung European XFEL, an der elf europäische Länder beteiligt sind, hat mit der Inbetriebnahme des 3,4 Kilometer langen unterirdischen Röntgenlasers begonnen.

Katharina Fegebank, Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, und der polnische stellvertretende Minister für Wissenschaft und Bildung Dr. Piotr Dardziński, fixieren gemeinsam mit European XFEL-Geschäftsführer Prof. Massimo Altarelli ein rund zwei Meter langes Strahlrohr und machen die Anlage bereit für den Beginn der Inbetriebnahme. (Foto: European XFEL)

Rund 350 Gäste aus Politik, Verwaltung, diplomatischem Corps, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von European XFEL und DESY feierten diesen großen Meilenstein heute auf dem Campus der neuen Forschungseinrichtung in Schenefeld, Schleswig-Holstein. Vertreter der Partnerländer montierten heute im unterirdischen Tunnel vor der Experimentierhalle in einem symbolischen Akt ein rund zwei Meter langes Strahlrohr als eines der letzten noch fehlenden Bauteile des Röntgenlasers. Die nun folgende schrittweise Inbetriebnahme der Anlage wird mehrere Monate in Anspruch nehmen. Externe Wissenschaftler werden erstmals im Sommer 2017 Experimente durchführen können. Der Röntgenlaser wird dann extrem kurze und helle Röntgenlichtblitze erzeugen, die neue Einblicke in Strukturen und schnelle Abläufe im Nanokosmos ermöglichen. Die Anwendungen reichen von der Strukturbiologie über Chemie, Physik und Materialwissenschaften bis hin zu Umwelt- und Energieforschung oder der Erkundung von Zuständen, wie sie im Inneren von Planeten herrschen.

Katharina Fegebank, Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung: „Auf diesen Tag haben wir gewartet: Der European XFEL geht schrittweise in den Testbetrieb. Die Forschungsanlage wird die Metropolregion Hamburg mit der Aufnahme des Nutzerbetriebs im Sommer 2017 an die Weltspitze der Forschung mit Freie Elektronen-Lasern heben. Die ultra-intensiven Röntgenblitze des European XFEL werden neue Einblicke in chemische und biologische Prozesse ermöglichen. Das lässt hoffen auf die Entwicklung innovativer Medikamente und Werkstoffe. Und das bedeutet neue Produkte, neue Arbeitsplätze, Wachstum und Wohlstand. Das sind gute Perspektiven für die Wissenschaft und die Gesellschaft!“

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Der Vorsitzende der Geschäftsführung von European XFEL Prof. Massimo Altarelli erklärte: „Dank der sehr intensiven und kompetenten Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von European XFEL, des DESY-Beschleunigerbereichs und der Partnereinrichtungen können wir nun Schritt für Schritt die gesamte Forschungseinrichtung in Betrieb nehmen, mit dem Ziel den Nutzerbetrieb noch in der ersten Jahreshälfte 2017 zu beginnen. Ich danke allen, die daran mitwirken, diesen lang gehegten Traum der Wissenschaft Realität werden zu lassen.“

In den nächsten Wochen werden DESY-Wissenschaftler zunächst den von einem internationalen Konsortium unter ihrer Federführung gebauten 1,7 Kilometer langen supraleitenden Elektronen-Beschleuniger schrittweise auf die Betriebstemperatur von -271 Grad Celsius abkühlen und in Betrieb nehmen. Die beschleunigten Elektronenpakete werden dann – voraussichtlich im Frühjahr – weiter in den Photonenteil der Anlage geleitet, der von European XFEL-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gebaut wurde. Dort erreichen die Elektronen die röntgenlichterzeugenden Magnetstrukturen, die Undulatoren, in denen abwechselnd gepolte Magnete die Elektronenpakete auf bis zu 210 Meter langen Strecken auf einen engen Slalomkurs bringen. In einem sich selbst lawinenartig verstärkenden Prozess entstehen dabei extrem helle und kurze Röntgenblitze mit laserartigen Eigenschaften. Ab Sommer 2017 sollen externe Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der ganzen Welt zunächst zwei von sechs mittelfristig geplanten Experimentierstationen der Anlage nutzen können. Die neue Forschungseinrichtung wird dann in einem weiteren internationalen Festakt offiziell eröffnet.

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