Interview

Viel Erfolg „meinem dritten Kind“

Von technologischen Highlights der vergangenen Jahre, einem originellen Minister und der Arbeit in der Redaktion berichtet Dr. Hans-Jürgen Hundrieser, ehemaliger Chefredakteur der LABO, in einem Interview.

Dr. Hans-Jürgen Hundrieser hat 30 Jahre lang die LABO als Redakteur bzw. Chefredakteur begleitet. © WBM

LABO: Herr Dr. Hundrieser, 30 Jahre lang haben Sie die LABO als Redakteur mitgestaltet – davon viele Jahre als Chefredakteur. Wann fand der Wechsel vom Redakteur zum Chefredakteur statt und wie haben Sie sich damals gefühlt?

Hundrieser: Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht mehr genau, wann ich Chefredakteur wurde. Dass ich mal die Nachfolge von Rainer Jupe, dem damaligen Chefredakteur, antreten sollte, war schon längere Zeit vor dessen Ruhestand mit der Geschäftsleitung abgesprochen. Dass ich allerdings schon vor dessen Rente mit ihm den Job tauschen sollte, das kam dann doch etwas­ überraschend für mich – und natürlich hat es mich etwas stolz gemacht. An der Arbeit in der Redaktion hat sich dadurch aber eigentlich nichts geändert. Alle eintreffenden Informationen wurden immer gemeinsam auf Wichtigkeit geprüft und alle Redaktionspläne zusammen koordiniert; im Zweifelsfall wurde ein Kompromiss gefunden. Denn eine „Zwei-Mann-Redaktion“ funktioniert nur, wenn beide gemeinsam am gleichen Strick ziehen. Einen „Zuschauer“ kann man sich nicht leisten. Das behielt ich auch bei, als Herr Jupe in Rente ging und Jürgen Wagner als Redakteur zur LABO kam. Er unterstützte uns schon seit Jahren als freier Mitarbeiter.

Anzeige

LABO: Welche Entwicklung haben Sie in den vielen Jahren Ihrer Redaktionsarbeit auf dem Analysen- und Labortechnik-Markt beobachten können?

Hundrieser: Zu dieser Frage könnte ich jetzt fast einen Roman schreiben. Denn da ich selbst auf dem Gebiet der organischen Analytik promoviert hatte, haben es mir Analyseninstrumente ganz besonders angetan. Als ich in der LABO-Redaktion anfing, konnte ich kaum glauben, wie fortgeschritten die Geräte im Vergleich zu denen an der Uni waren – da lagen Welten dazwischen! Hätte ich Zugriff auf diese Instrumente gehabt, hätte ich nur die halbe Zeit für meine Dissertation gebraucht. Insbesondere die Entwicklung der Massenspektrometer, aber auch die UHPLC und die Säulenschalttechniken in der GC haben mich begeistert. Auf die SFC und Kapillarelektrophorese setzte ich auch große Erwartungen. Doch beide Techniken fristen heute wohl mehr ein Schattendasein.

Die Entwicklung der optischen Mikroskope dagegen schien ausgereizt. Doch weit gefehlt. Gerade in den letzten Jahren wurden bezüglich der Auflösung nie gedachte Fortschritte erreicht – beispielsweise wurde das Abbe-Gesetz widerlegt. Die Entwicklung der verschiedenen Tunnelmikroskopietechniken habe ich auch mit Interesse verfolgt. Anfangs glaubte ich noch, das sei ein Spielzeug für Physiker, damit sie auch mal mit Molekülen hantieren können. Ich hätte anfangs nie gedacht, welche Möglichkeiten die AFM und deren viele Verwandte heute bieten. Genauso daneben lag ich beim 3D-Druck. Ich dachte, das sei nur etwas für den Prototypenbau, also für Stücke zum Ansehen und nicht mehr. Dass man damit heutzutage auch komplizierte Strukturen nicht nur aus Kunststoff, sondern auch aus Metallen und Keramiken, ja sogar aus lebenden Zellen produzieren kann, hätte ich anfangs glatt ins Reich der Phantasie verwiesen. So kann man sich irren.

Ein ganz anderes Highlight: Dass die PCR eine so weitreichende Entdeckung wie die Entschlüsselung des genetischen Codes war, das ist meine ganz persönliche Einschätzung. Ob die CRISPR/Cas-Methode das gleiche Potenzial hat, das wird die Zukunft erst zeigen. Doch darüber informiert ja die LABO und deren Homepage http://www.labo.de, die ich mir täglich anschaue.

LABO: An welche Highlights der Branche erinnern Sie sich gerne zurück?

Hundrieser: Da muss ich doch länger nachdenken und über 30 Jahre in der Branche Revue passieren lassen... Spontan fallen mir dazu die Pressekonferenzen des damaligen Bundesministers für Forschung und Technolgie – Dr. Heinz Riesenhuber – in Bonn ein. In unregelmäßigen Zeitabständen lud er die Fach-, aber auch Tagespresse ein, um über neue Forschungsvorhaben sowie -ergebnisse zu referieren. Eines Tages saß er am Rednerpult mit Schutzbrille und -handschuh. Mit zitternder Hand nahm er mit einer Pinzette aus einem Dewargefäß, gefüllt mit flüssigem Stickstoff, ein Zuckerwürfel-großes Stück Keramik heraus und ließ es über einem Induktionsmagnetfeld so lange schweben und dampfen, bis es zu warm wurde und herunterfiel. Es war der erste sogenannte Hochtemperatursupraleiter, der gerade entdeckt worden war. Das muss so in den 80er Jahren gewesen sein. Ich erinnere mich nicht nur wegen des skurrilen Auftritts gerne daran, sondern auch weil ich die Idee des Ministers toll fand. Er wollte mit diesen Pressekonferenzen erreichen, dass die Naturwissenschaften in den Medien eine höhere Aufmerksamkeit bekommen, um so junge Leute dafür zu interessieren und für ein derartiges Studium zu begeistern. Es gab viele weitere „Highlights“ – das würde aber an dieser Stelle zu weit führen… . Und damit wünsche ich der LABO – meinem „dritten Kind“ – auch für die nächsten 50 Jahre viel Erfolg!

Die Fragen stellte Stephanie Konle

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Interview

Laborarbeit im Wandel der Zeit

So wie sich die Labore selbst in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt haben, so haben sich auch Arbeitsumfeld und Anforderungen an Laboranten verändert. Interview mit Dr. Celina Cziepluch vom DKFZ.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige