Aktueller Biotechnologie-Report

Biotechnologie stagniert

Die deutsche Biotech-Branche befindet sich in einem Zustand fortwährender Stagnation. Dies zeigt der im April veröffentlichte Biotechnologie-Report der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY). Demnach ist die Zahl der Unternehmen mit 409 annähernd gleich geblieben, ebenso die Zahl der Beschäftigten (rund 9700). Der Branchenumsatz ist um 7 % gesunken, von 1115 Mio. Euro im Jahr 2012 auf 1036 Mio. Euro im Jahr 2013, ebenso die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (minus 6 %). Beides ist jedoch weitgehend die Folge von Einmaleffekten: Das Unternehmen AiCuris hatte 2012 eine sehr hohe Vorauszahlung (110 Mio. Euro) als Einkommen verbucht und so den Branchenumsatz nach oben getrieben. Zudem hat das forschungsintensive Unternehmen Agennix den Betrieb einstellt, was die F&E-Statistik drückt.

Finanzierungssituation schwierig
Dass die Branche sich so wenig dynamisch entwickelt, liegt für den Studienautor und Leiter des Life-Science-Industriezentrums bei EY, Siegfried Bialojan, an der schwierigen Finanzierungssituation. Zwar haben Biotech-Unternehmen 2013 insgesamt 10 % mehr Kapital erhalten als 2012, die Finanzierungssumme stieg von 294 Mio. Euro auf 325 Mio. Euro. Allerdings ist das immer noch erheblich weniger als in den viel erfolgreicheren Jahren vor der Finanzkrise. Damals akquirierten Biotech-Unternehmen durchschnittlich 500 Mio. Euro frisches Kapital pro Jahr.

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Zudem speist sich der Zuwachs zum Großteil aus zwei großen Kapitalerhöhungen bei MorphoSys und Evotec. "Das ist eher Fluktuation als ein fundierter Aufwärtstrend", sagte Bialojan.

Investments steuerlich fördern?
Bialojan macht sich für einen Reform-Vorschlag stark, den die beiden Biotech-Unternehmer Claus Kremoser (Phenex Pharmaceuticals in Ludwigshafen) und Holger Zinke (Brain AG, Zwingenberg) erarbeitet haben, nämlich die steuerliche Förderung von Hightech-Investments. Ihre Idee: Privatanleger sollen künftig 1 % ihres Vermögens in Biotechnologie-Firmen investieren können, ohne dass auf Gewinne Kapitalertragsteuern anfallen.

Nur ein Drittel der Biotech-Unternehmen hierzulande sind noch Therapeutika-Hersteller, dieser Wert liegt in vergleichbaren Volkswirtschaften deutlich höher. Dabei haben deutsche Forscher viele Technologien und Wirkstoffe erfunden, die heute als globale Biotech-Blockbuster Patienten zugute kommen, betont Bialojan. "Biotech-Unternehmer bringen hierzulande mit Hilfe staatlicher Mittel innovative Therapeutika hervor. Diese werden dann aber im Ausland marktreif gemacht, wo es finanzstarke Partner gibt." Viele deutsche Biotech-Firmen lizensieren Innovationen auf diese Weise an große, etablierte Branchenunternehmen. Andere verlegen sich auf Dienstleistungen wie Analysen, um wirtschaftlich zu überleben.

Wirkstoff-Pipeline nahezu konstant
Die Zahl neuer Wirkstoffe in Studien stagniert. Mit 288 Therapeutika im Jahr 2013 gegenüber 285 im Vorjahr ist das Niveau annähernd konstant. In der entscheidenden klinischen Phase II ist die Zahl der Wirkstoffe zuletzt sogar um 9 % gesunken. Gemessen an der Zahl der Wirkstoffe in Studien ist Deutschland im europäischen Vergleich von Rang zwei auf Rang drei abgerutscht, bei den Wirkstoffen in den reiferen klinischen Phasen II und III sogar auf Rang sechs - hinter Großbritannien, Israel, Frankreich, der Schweiz und Schweden.

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