Sieger im Fotowettbewerb über Nanotechnologie

Saarbrücker Wissenschaftler belegen ersten und zweiten Platz

Es sieht aus wie ein zerzaustes Hühnchen, das von einem Windstoß an die Wand gepresst wird: Das arg mitgenommene Federvieh ist in Wirklichkeit eine Bindegewebszelle, die sich auf der faserigen Oberfläche von Alginat – einer aus Algen gewonnenen Substanz – verankert hat. Mit ihrer Aufnahme „Wenn Hennen rennen“ haben Saarbrücker und Marburger Forscher um Prof. Marc Schneider den mit 1000 Euro dotierten ersten Preis im bundesweiten Fotowettbewerb „Nano-Momente“ gewonnen. Den mit 500 Euro dotierten zweiten Platz belegte das Bild „Korallen“ der Arbeitsgruppe des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) um Prof. Claus-Michael Lehr.

Siegerfoto „Wenn Hennen rennen“: Was auf der elektronenmikroskopischen Aufnahme aussieht wie ein zerzaustes, an die Wand gepresstes Huhn, ist in Wirklichkeit eine einzelne Bindegewebszelle. Mit ihren armartigen Fortsätzen krallt sie sich an einer Gerüstsubstanz aus Alginat fest. Diese aus Algen gewonnene, gelartige Substanz wurde mittels einer neuartigen Abformtechnik mit länglichen Strukturen versehen. Die faserförmigen Strukturen ermöglichen es der Zelle, mit der Oberfläche zu interagieren. Die Aufnahme wurde nachträglich eingefärbt. (Foto: Clemens Tscheka, Michael Gepp, Nico Strack, Marc Schneider)

Um die Arbeit von Wissenschaftlern und Nanotechnologen verständlich zu machen und einer interessierten Öffentlichkeit vorzustellen, haben der Deutsche Verband Nanotechnologie und das saarländische Netzwerk cc-NanoBioNet auch 2014 den Fotowettbewerb „Nano-Momente“ ausgeschrieben. In diesem Jahr wurden gleich zwei Forscherteams aus Saarbücken für ihre Aufnahmen prämiert.

Siegerfoto: „Wenn Hennen rennen“
Für die pharmazeutische und biomedizinische Forschung sind sie unentbehrlich: Biokompatible Oberflächen, auf denen Zellen wachsen und neue Gewebe entstehen können. Die Arbeitsgruppe von Prof. Marc Schneider konnte in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) in St. Ingbert zeigen, dass sich hierzu strukturierte Alginate eignen. Diese Stoffe werden aus Meeresalgen gewonnen und unter anderem in der Nahrungsmittelindustrie als Verdickungsmittel eingesetzt. Mittels einer neuartigen Abformtechnik stellten die Wissenschaftler Alginatoberflächen mit etwa 10 µm langen faserförmigen Strukturen her. Benetzt man diese Alginate mit einer Zelllösung, so lässt sich beobachten, dass sich die Zellen an den Fasern „festhalten“ können. Dabei strecken sie sich und flachen ab. Das mit 1000 Euro dotierte Siegerfoto zeigt einen Fibroblasten, also eine Bindegewebszelle, die sich mit ihren armartigen Fortsätzen an der Alginat-Unterlage festkrallt und dadurch ein typisch sternförmiges Aussehen erhält.

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2. Platz: Das kolorierte Bild „Korallen“ zeigt eine Bronchialkrebszelle der Zelllinie Calu-3. Sie ist als blaue, teppichartige Struktur abgebildet und von unzähligen Härchen, so genannten Mikrovilli, bedeckt. Besonders dichte, büschelartige Strukturen von Mikrovilli wurden rosa eingefärbt. Die Zelllinie wird in der pharmazeutischen Forschung als Zellkulturmodell eingesetzt, um den menschlichen Lungentrakt nachzubilden. (Foto: Marius Hittinger, Nicole Schneider-Daum, Claus-Michael Lehr, Petra König und Nicole Zumpf)

Prof. Marc Schneider hat bereits mehrere Jahre als Juniorprofessor für Pharmazeutische Nanotechnologie an der Universität des Saarlandes geforscht und wird im Februar 2015 die Nachfolge auf dem Lehrstuhl für Biopharmazie und Pharmazeutische Technologie von Prof. Claus-Michael Lehr antreten.

Zweiter Platz: „Korallen“
Die Aufnahme, die zur Hervorhebung von Strukturen ebenfalls nachträglich koloriert wurde, zeigt eine Bronchialkrebszelle der Zelllinie Calu-3. Sie ist als blaue, teppichartige Struktur abgebildet und von unzähligen Härchen, so genannten Mikrovilli, bedeckt. Besonders dichte, büschelartige Strukturen von Mikrovilli wurden rosa eingefärbt. Die Zelllinie Calu-3 wird in der pharmazeutischen Forschung als Zellkulturmodell eingesetzt, um den menschlichen Lungentrakt nachzubilden. An den Zellen lässt sich unter anderem testen, wie Arzneistoffe in die Lunge gelangen können und welche Wirkung sie haben. Die Forscher um Prof. Claus-Michael Lehr erforschen am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) neuartige Arzneiformen zur Behandlung von Infektionskrankheiten.

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