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Artikel und Hintergründe zum Thema

Syphilis-Erreger aus der Petrischale

Melanie Steinbeck,

Leibniz-Institut DSMZ stellt Bakterium aus Labortier-freier Anzucht zur Verfügung

Ohne Tierversuche lässt sich der Syphilis-Erreger Treponema pallidum jetzt in Zellkulturen vermehren. Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen hat den Erreger in seine Sammlung aufgenommen und stellt ihn nun Forschenden in aller Welt zur Verfügung.

Treponema pallidum subsp. pallidum unter dem Mikroskop © Leibniz-Institut DSMZ

Das Leibniz-Institut DSMZ hat den Syphilis-Erreger Treponema pallidum in seine Sammlung aufgenommen und macht ihn Forschenden weltweit zugänglich. Bislang ließ sich das Bakterium nur in Labortieren vermehren, doch ein US-Forschungsteam entwickelte eine Methode zur Kultivierung in Zellkulturen. Bisher konnte das Bakterium Treponema pallidum subsp. pallidum nur in Labortieren, insbesondere Kaninchen, vermehrt werden. Forschende aus den USA haben eine Methode entwickelt, die die Vermehrung des Krankheitserregers in der Zellkultur ermöglicht. Die DSMZ zählt zu den wenigen Bioressourcen-Sammlungen, die diese Bakterien nun bereitstellen.

Kultivierung im Brutschrank

Mikrobiologin Dr. Sabine Gronow, Leiterin der Arbeitsgruppe Pathogene Bakterien am Leibniz-Institut DSMZ © Leibniz-Institut DSMZ

Seit der Isolierung des Syphilis-Erregers im Jahr 1912 war seine Vermehrung nur in Labortieren möglich. 2021 veröffentlichte das Team um Prof. Dr. Steven J. Norris von der Universität Texas erstmals ein Verfahren zur in vitro-Kultivierung. „Die Bakterien werden zusammen mit Hautzellen des Baumwollschwanzkaninchens gezüchtet. Diese Vorgehensweise vermeidet den Einsatz von Labortieren“, erklärt Mikrobiologin Privatdozentin Dr. Sabine Gronow, Leiterin der Arbeitsgruppe Pathogene Bakterien am Leibniz-Institut DSMZ. „Die Anzucht von Treponema pallidum (DSM 117211) in der Petrischale ist aber extrem kompliziert.“

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„Aktuell etablieren wir an der DSMZ das von der Gruppe um Professor Norris entwickelte Protokoll.“ Bis die DSMZ das Bakterium selbst vermehren kann, wird die Bioressource von der Arbeitsgruppe um Prof. Norris bereitgestellt. Zusätzlich stellt das Team um Sabine Gronow Forschenden isolierte DNA des Erregers zur Verfügung – ein wertvoller Beitrag für Diagnostik und Forschung, der ohne aufwändige Kultivierung auskommt.

Der Erreger der Syphilis

Das spiralförmige Bakterium "Treponema pallidum subsp. pallidum" ist der Erreger der Syphilis und seit über 100 Jahren bekannt. Laut Weltgesundheitsorganisation infizierten sich 2022 rund acht Millionen Menschen damit. Die Übertragung erfolgt fast ausschließlich durch sexuelle Kontakte, wobei das Bakterium kleinste Verletzungen in Haut und Schleimhäuten nutzt. Eine Behandlung mit Antibiotika ist möglich.

„Die Möglichkeit, dieses Bakterium ohne den Einsatz von Labortieren zu kultivieren, bringt viele Vorteile für die Wissenschaft“, ergänzt Sabine Gronow. „Der Einsatz von Labortieren und der damit verbundene Aufwand sowie Leid entfällt. Bei der Kultivierung in der Petrischale ist das Bakterium einfacher zugänglich und somit viel leichter zu erforschen. Das ermöglicht den Forschenden, das Infektionsverhalten von T. pallidum und auch die Entwicklung neuer Therapieansätze zu erforschen.“ Bislang gibt es noch keinen offiziell beschriebenen Typstamm von "T. pallidum subsp. pallidum". Zukünftig soll der Stamm DSM 117211 als Referenz für die Forschung dienen.

Quelle: Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen

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