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Artikel und Hintergründe zum Thema

Personalisierte Therapien bei Leukämie

Melanie Steinbeck,

Medikament soll Rückfallrisiko bei schwerem Blutkrebs senken

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine aggressive Form von Blutkrebs, bei der auch nach einer Stammzelltransplantation ein hohes Risiko für Rückfälle besteht. Eine neue klinische Studie mit dem Namen PIVOT soll nun untersuchen, ob das Medikament Ivosidenib dieses Risiko verringern und die Überlebenschancen von Patientinnen und Patienten verbessern kann. Die Studie wird von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Dresden und Kiel durchgeführt.

Leukämiezellen einer akuten myeloischen Leukämie (AML) im Blut © UKSH

IDH1-Mutation bei sechs bis acht Prozent der erwachsenen AML-Patienten

AML ist durch spezifische genetische Veränderungen charakterisiert. Eine der häufigsten Mutationen betrifft die Gene IDH1 und IDH2, wobei eine IDH1-Mutation bei etwa sechs bis acht Prozent der erwachsenen AML-Patientinnen und -Patienten nachgewiesen wird. In Deutschland erkranken jährlich rund 400 Personen mit dieser Mutation an AML. Trotz einer allogenen Stammzelltransplantation bleibt das Rückfallrisiko hoch. Ivosidenib, ein IDH1-Inhibitor - also ein Wirkstoff, der das mutierte Enzym IDH1 hemmt - könnte hier eine entscheidende Rolle spielen, indem es die Wahrscheinlichkeit eines molekularen Rückfalls reduziert und die Langzeitprognose verbessert.

Dr. Jan Middeke, Oberarzt an der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Dresden © Michael Kretzschmar

Dr. Jan Middeke, Oberarzt an der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Dresden und einer der beiden Studienleiter, betont: „Für die Wissenschaft und die klinische Forschung ist die PIVOT-Studie von großer Bedeutung, da sie neue Erkenntnisse über die Erhaltungstherapie mit Ivosidenib nach einer Stammzelltransplantation liefert und möglicherweise die Behandlung von AML mit IDH1-Mutation revolutionieren könnte. Für die Betroffenen eröffnet sich die Möglichkeit, das Rückfallrisiko zu senken und eine längere, krankheitsfreie Lebenszeit zu erreichen.“

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Entwicklung präziserer und individueller Therapien

Prof. Dr. Friedrich Stölzel, Sektionsleiter für Stammzelltransplantation und zelluläre Immuntherapie der Klinik für Innere Medizin II des UKSH, Campus Kiel, und Professor für Stammzelltransplantation und zelluläre Immuntherapie an der Medizinischen Fakultät der CAU. © UKSH

Sein Kollege Prof. Dr. Friedrich Stölzel, Sektionsleiter für Stammzelltransplantation und zelluläre Immuntherapie (Behandlungen, die das Immunsystem nutzen, um Krebs zu bekämpfen) der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) und Professor für Stammzelltransplantation und zelluläre Immuntherapie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), ergänzt: „Dieses Projekt ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung präziserer und individueller Therapien, die auf die genetische Beschaffenheit des Tumors zugeschnitten sind. Langfristig könnte die Studie neue Therapieoptionen für weitere Patientengruppen eröffnen und damit die Heilungschancen bei Leukämie weiter verbessern.“

Personalisierten Krebstherapie: Schwerpunkt der Hochschulmedizin in Dresden

Prof. Dr. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät der TU Dresden, erklärt: „Diese Form der personalisierten Krebstherapie ist einer der drei Schwerpunkte der Hochschulmedizin in Dresden. Wir sind stolz darauf, diese Studie am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) anbieten und gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen in Kiel durchführen zu können.“

Prof. Dr. Claudia Baldus, Prodekanin der Medizinischen Fakultät der CAU und Vorstandsmitglied des Universitären Cancer Center Schleswig-Holstein (UCCSH), führt aus: „Solche herausfordernden Studienkonzepte können nur in großen nationalen Netzwerkprojekten leistungsstarker medizinischer Fakultäten und Universitätskliniken umgesetzt werden.“

Studiendesign und Therapieablauf

Die PIVOT-Studie wird maßgeblich von der Study Alliance Leukemia (SAL), der AML Cooperative Group (AMLCG) sowie der Kooperativen Transplant Studiengruppe (KTS) unterstützt. Diese Netzwerke sind führend in der Erforschung neuer Therapieansätze zur Behandlung von Leukämien. Die Finanzierung erfolgt durch Servier Germany, die TU Dresden und die SAL.

Die PIVOT-Studie folgt einem mehrstufigen Design:

Screening-Phase: Patientinnen und Patienten werden innerhalb von 100 Tagen nach der Transplantation aufgenommen.

Behandlungsphase: Über einen Zeitraum von 24 Monaten erhalten die Teilnehmenden täglich Ivosidenib.

Nachbeobachtungsphase: Überlebens- und Sicherheitskontrollen erfolgen bis zu fünf Jahre nach Therapieende.

Erwachsene Patientinnen und Patienten ab 18 Jahren mit bestätigter IDH1-mutierter AML oder MDS (Myelodysplastisches Syndrom, eine Erkrankung des blutbildenden Systems) nach einer Transplantation können an der Studie teilnehmen. Strenge Einschluss- und Ausschlusskriterien gewährleisten dabei die Sicherheit der Teilnehmenden. Die Behandlung erfolgt an mehreren universitären und onkologischen Zentren in Deutschland.

Dr. Jan Moritz Middeke und Prof. Friedrich Stölzel sind überzeugt: „Wenn sich diese Therapie nach zweijähriger Erprobung als erfolgreich erweist, könnte sie ein neuer Standard für Patientinnen und Patienten mit einer IDH1-Mutation nach Stammzelltransplantationen werden.“

Bedeutung für die Zukunft der AML-Therapie

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) ist ein bedeutender Akteur in der Krebsforschung und treibt Innovationen in der Therapie von Tumorerkrankungen voran. Das Dresdner Zentrum baut auf den Strukturen des Universitäts KrebsCentrums Dresden (UCC) auf, das bereits 2003 als eines der ersten Comprehensive Cancer Center (CCC, spezialisierte onkologische Behandlungszentren) in Deutschland gegründet wurde. Seit 2007 wird das Zentrum kontinuierlich als „Onkologisches Spitzenzentrum“ von der Deutschen Krebshilfe e.V. ausgezeichnet.

Mit der PIVOT-Studie könnte ein wichtiger Meilenstein in der AML-Behandlung erreicht werden. Die Forschungsteams aus Dresden und Kiel setzen darauf, neue Therapieoptionen für Patientinnen und Patienten zu entwickeln und so langfristig die Überlebensraten bei AML zu verbessern.

Wissenschaftliche Leitung

Die medizinische Leitung der Studie übernehmen Dr. Jan Moritz Middeke (Universitätsklinikum Dresden) und Prof. Friedrich Stölzel (UKSH). Weitere Informationen: www.aml-germany.com

Literatur (abgerufen am 13.03.2025)

Quelle: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

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