Troubleshooting
Probleme in der HPLC lösen
Von Forschung bis Qualitätskontrolle: Die Hochleistungs-Flüssigchromatographie (HPLC) ist ein leistungsfähiges Analyseverfahren, das in vielen Forschungs- und Produktionsbereichen, z. B. in der Chemie, Pharmazie, Biotechnologie und Umweltanalyse eingesetzt wird. Kernfunktionen der HPLC sind die Trennung, Identifizierung und Quantifizierung von Verbindungen in komplexen Gemischen. Eine Stärke der HPLC-Technik liegt darin, ein breites Spektrum von Probentypen verarbeiten zu können, ob kleine Moleküle, große Biomoleküle oder Polymere.
Trotz des kontinuierlichen technischen Fortschritts und Selbstdiagnosefunktionen können anwendungsbezogene und technische Probleme bei der HPLC-Analyse auftreten, die die Genauigkeit, Reproduzierbarkeit und Effizienz der Analyse beeinträchtigen können. Damit Anwender solche Probleme erkennen und lösen können, um weiterhin zuverlässige Messergebnisse zu erzielen, ist die "richtige" Fehlersuche in der HPLC besonders wichtig.
Im Folgenden gibt es Hilfestellungen für die Fehlersuche an HPLC-Geräten für die sechs häufigsten Probleme: schlechte Peakform, Basislinienrauschen, Retentionszeitverschiebungen, Säulenüberdruck, Probenverschleppung und schlechte Reproduzierbarkeit.

Zum Umgang mit Trennsäule und Eluenten
Troubleshooting in der HPLC
Im täglichen Laboralltag sind lange Standzeiten von Geräten sehr wichtig. Kleine Probleme und Hindernisse müssen schnell aus dem Weg geschafft werden. Das richtige Troubleshooting ist dabei der Schlüssel zur Fehlereingrenzung und -behebung.
Schlechte Peakform (Fronting und Tailing)
Eine schlechte Peakform ist bei HPLC-Messungen meist einfach zu erkennen. Das sogenannte Peak-Tailing oder -Fronting ist dadurch gekennzeichnet, dass der Peak oder die Peaks eine lang ansteigende Peakfront (Fronting) oder eine lang auslaufende Peakrückseite (Tailing) haben.
Einen großen Einfluss hat die Zusammensetzung der mobilen Phase, deren Lösungsmittelverhältnisse, pH-Werte und Pufferkonzentrationen richtig eingestellt werden müssen. Abweichungen von den optimalen Bedingungen führen dazu, dass die chemischen Wechselwirkungen zwischen dem Analyten sowie mobiler und stationärer Phase nicht mehr stimmig sind und zu verzerrten Peakformen führen.
Auch die Wahl der stationären Phase ist entscheidend, da nur mit einer geeigneten Säulenselektivität die Wechselwirkungen zwischen Analyt und stationärer Phase zu scharf ansteigenden und abfallenden Peaks führt. Beispielhaft sind hier basische Stoffe wie Amide oder Amine zu nennen, die durch eine sehr starke Interaktion mit der stationären Phase zu drastischem Tailing führen können. In diesem Fall kann ein besseres sog. End-Capping des Säulenmaterials oder eine andere stationäre Phase mit besser passender Selektivität Abhilfe leisten.
Eine weitere Stellschraube, um deformierte Peaks zu korrigieren, ist die Optimierung der Säulentemperatur. Mit diesem Parameter lässt sich die Viskosität der mobilen Phase und die Geschwindigkeit der Wechselwirkung zwischen Analyt und stationärer Phase beeinflussen. Allerdings wirkt die Temperatur nur in bestimmten Grenzen, um leichte Peakverformungen nachzubessern. Bei sehr stark deformierten Peaks hilft diese Methode nicht; hier sollte vor allem ein Blick auf die mobile und stationäre Phase geworfen werden.
Ein weiterer Grund für verzerrte Peaks ist der Einfluss der Probe oder des Probenlösungsmittels. Insbesondere wenn Proben zum ersten Mal analysiert werden, ist die maximal injizierbare Menge noch nicht bekannt und es kann zu Fronting oder Tailing des Peaks durch die Überladung der Säule kommen. Um diese Fehlerquelle auszuschließen, kann die Probe verdünnt und dann erneut injiziert werden. Zudem hat das Probenlösungsmittel speziell bei schnell eluierenden Analyten einen großen Einfluss auf die Peakform. Bei Lösungsmitteln mit zu starker Elutionskraft im Vergleich zur mobilen Phase ist es möglich, dass Peaks verformt oder sogar aufgespalten werden. Deshalb sollte nach Möglichkeit die Probe in der mobilen Phase gelöst sein, also das Probenlösungsmittel das gleiche Lösungsmittel sein wie die mobile Phase.
Ein weiterer Einflussfaktor auf die Peakform ist die Verschraubung der Kapillare in die Enden der Trennsäule. Diese Verschraubung muss ohne ein Totvolumen (s. Bild 1) erfolgen, da dies dann durch Vermischung mit dem Lösungsmittel zu einer Verbreiterung von Peaks, die normalerweise scharf getrennt wären, führen kann.
Rauschen der Basislinie
Um das Problem eines Basislinienrauschens bei HPLC-Messungen zu lösen, sind mehrere Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Die mobile Phase hat auch in diesem Fall einen großen Einfluss auf die Basislinie. Die mobile Phase muss ordnungsgemäß vorbereitet und frei von Verunreinigungen sein. Das Filtern der Flüssigkeit durch Ansaugfilter oder spezielle Filtersysteme sowie das Entgasen mit einem Online-Entgasungssystem sollten zum Standard gehören. So werden Partikel und Luftblasen aus dem System gehalten.
In diesem Zusammenhang lohnt sich auch ein Blick auf die Wasseraufbereitungsanlage, die das Wasser produziert, mit dem dann Puffer angesetzt werden. Denn bei unzureichender Wartung der Anlage können sich z. B. Mikroorganismen bilden, die das Wasser verschmutzen. Die Anwender sollten außerdem das HPLC-System auf undichte Stellen oder Luftblasen im Innern der Durchflusszelle des Detektors sowie an den Verschraubungspunkten des Injektionsventils und der Säule überprüfen, da diese ein Rauschen verursachen können.
Kalibrierung und Optimierung der Detektoreinstellungen, wie z. B. das Anpassen des Detektor-Gain oder der Lampenintensität, können ebenfalls zur Verringerung des Grundlinienrauschens beitragen.
"Gute" oder "schlechte" Basislinie? Grundsätzlich ist für die Beurteilung des Basislinienrauschens sinnvoll, eine Messung mit einer Leerinjektion vor jeder Messreihe durchzuführen und so eine Referenzline zu erhalten.
Retentionszeitverschiebung
Ein ebenfalls häufiges Problem in der HPLC sind Retentionszeitverschiebungen. Diese können durch mehrere Strategien behoben werden. Schwanken die Retentionszeiten, sind sie also von Tag zu Tag unterschiedlich, ist zu prüfen, ob die Zusammensetzung der mobilen Phase, die Lösungsmittelverhältnisse, der pH-Wert und die Pufferkonzentrationen an jedem Tag identisch sind. Diese Problemlösung klingt trivial, aber es ist häufig der Fall, dass verschiedene Anwender die Verbrauchsmittel der HPLC unterschiedlich ansetzen und dies zu anderen Mischungsverhältnissen führen kann, was wiederum ursächlich für unterschiedliche Retentionszeiten ist.
Darüber hinaus sind die regelmäßige Wartung und die richtige Pflege der Säule von entscheidender Bedeutung. Säulen sollten in Regalen und niemals in Schubladen aufbewahrt werden, denn das ständige Öffnen und Schließen der Schublade kann die stationäre Phase in der Säule beschädigen. Darüber hinaus empfiehlt es sich, die Säule durch die regelmäßige Untersuchung mit Säulenstandards auf Alterungserscheinungen zu überprüfen, wie im jeweiligen Säulenbeiblatt beschrieben. All dies sollte in einem Säulentagebuch genau dokumentiert werden.
Wichtig ist auch die Einhaltung konstanter Betriebsbedingungen wie Säulentemperatur und Systemdruck, da Abweichungen die Retentionszeiten beeinflussen können.
Eine unzureichende Äquilibrierung der Säule am Ende einer Messung mit Lösungsmittelgradient kann ebenfalls wandernde Peaks verursachen. Wie in Bild 2 dargestellt, sind die Chromatogramme in oberen Teil gut reproduzierbar, da durch eine ausreichende Säulenäquilibrierung (Gradient in Rotbraun) die Startbedingungen der Messung wieder voll erreicht werden. Im Gegensatz dazu zeigen die unteren Chromatogramme, dass sich die Peaks zu kürzeren Retentionszeiten verschieben. Dies liegt an einer zu kurzen Säulenäquilibrierung, wodurch der Konzentrationsanteil der mobilen Phase B in der Säule beim Messstart noch viel zu hoch ist. Ähnlich zeigt sich auch eine mangelnde Vorbereitung der Säule zu Beginn der Messungen. Wird die gerade eingebaute Säule direkt für Messungen verwendet, können die Peaks in Chromatogrammen der ersten Probeninjektionen stark schwanken, da das Lösungsmittel, in dem die Säule gelagert wurde, noch nicht vollständig durch die mobile Phase ersetzt ist.
Säulenüberdruck und Druckschwankungen
Schwankungen des Pumpendrucks führen unweigerlich dazu, dass Messergebnisse nicht reproduzierbar werden und bspw. Peakformen oder Retentionszeiten sich ändern. Eine Fehlerursache können Luftblasen im System sein. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass Luftblasen, die sichtbar in den Ansaugschläuchen der Pumpen auftauchen, nicht durch einen Online-Entgaser entfernt werden können. Diese Geräte können nur die in der mobilen Phase gelösten Gase entfernen. Luftblasen, die angesaugt werden, laufen durch das komplette System und können sich dort absetzen. Daher sollte möglichst vermieden werden, größere Mengen Luft durch die Pumpe anzusaugen.
Bei einem Systemüberdruck bzw. für die Methode untypisch hohen Druck sind mehrere Schritte zur Fehleranalyse notwendig. Zunächst sollte das System durch eine Untersuchung der Schläuche und Anschlüsse auf Verstopfungen oder Lecks überprüft werden. Folgende Problempunkte sind typisch: der verstopfte Linefilter, der getauscht bzw. gereinigt werden kann, die verstopfte Vorsäule, die dann getauscht werden muss, oder die – durch häufiges Festschrauben – verbogene Eingangskapillare in die Säule, die ersetzt werden muss.
Um das Bauteil zu identifizieren, das den Überdruck produziert, muss man die Änderung im Systemdruck beobachten, der am Pumpenkopf gemessen wird. Dazu wird jeder Abschnitt (in Bild 3 durch rote Linien gekennzeichnet) einzeln abgetrennt, und zwar jeweils ein Abschnitt zu einem Zeitpunkt, beginnend bei "1." am unteren Ende der Flusslinie.
Probenverschleppung
Auch die Verschleppung einer Probe in nachfolgende Messungen kann durch unterschiedliche Maßnahmen vermieden bzw. möglichst geringgehalten werden. In erster Linie ist es wichtig, das Injektionssystem zwischen den Proben gründlich zu spülen und zu reinigen, um das Risiko einer Verschleppung zu minimieren. Dies wird durch die Verwendung geeigneter Lösungsmittel erreicht, welche die Probe vollständig lösen können. Zusätzlich haben HPLC-Systeme mit dem System der Direktinjektion den Vorteil gegenüber Systemen mit einer Loop-Injektion, dass die Injektionsnadel während der Messung mit dem Lösungsmittelgradienten gespült wird. Bei diesen Systemen ist von vornherein das Risiko einer Verschleppung gemindert.
Schlechte Reproduzierbarkeit
Um eine schlechte Reproduzierbarkeit bei der HPLC zu vermeiden, gibt es mehrere Möglichkeiten.
Zunächst gilt es, eine sinnvolle Probenvorbereitungsmethode zu entwickeln, die auch genaue und konsistente Probenextraktion, Probenmischung, Verdünnung und Filtration beinhaltet. Fehler, die an dieser Stelle entstehen, können selbst durch High-End-Messgeräte später nicht wieder ausgeglichen werden.
Ferner ist zu beachten, dass temperatur-, licht- oder luftempfindliche Proben unter entsprechend geeigneten Bedingungen gehandhabt werden müssen. Ansonsten ist eine schlechte Reproduzierbarkeit der Messergebnisse unvermeidlich.
Auch an der HPLC-Hardware können sich an unterschiedlichsten Stellen Fehler einschleichen, die eine schlechte Reproduzierbarkeit zur Folge haben. Die prägnanteste Stelle ist der Autosampler, an dem mehrere Schaltventile für das präzise Pipettieren und Injizieren der Proben verantwortlich sind. Durch die häufigen Schaltungen der Ventile können durch Verschleiß Undichtigkeiten entstehen, die zu einer schlechten Reproduzierbarkeit der Injektionsvolumina und damit auch der Messergebnisse führen.
Fazit
In diesem Artikel wurden einige Fallstricke in der Flüssigchromatographie und mögliche Lösungswege vorgestellt. Grundsätzlich ist zur Vorbeugung von Problemen immer auf eine regelmäßige Wartung der Systeme nach den Herstellervorgaben im Handbuch zu achten; auf diese Weise können viele Probleme vermieden werden. Außerdem empfehlen sich die Verwendung eines Säulentagebuchs und regelmäßige Tests der Säulen, um deren Status zu kennen und diese ggf. auszutauschen.
Der Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da vielfältige andere Probleme bei HPLC-Messungen auftreten können.
Um ein vertieftes Wissen für das HPLC-Troubleshooting aufzubauen, ist zum Beispiel ein Besuch von dedizierten Praxiskursen hilfreich, in denen das entsprechende Wissen vermittelt und angewendet wird.
AUTOR
Dr. Christopher Kuhlmann
Produktspezialist HPLC und PPSQ
Shimadzu Deutschland GmbH, Duisburg
Tel.: 0203/76 87-0
[email protected]
www.shimadzu.de















