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Artikel und Hintergründe zum Thema

Library Preparation für die Sequenzierung im Hochdurchsatz

Miniaturisierung mit automatisiertem Liquid Handling

Technische Fortschritte im Bereich Next Generation Sequencing (NGS) haben eine eine Vielzahl von neuen Forschungs-, Diagnose- und Therapieansätzen hervorgebracht. Während die Fortschritte in der NGS-Technologie die Schnelligkeit und den Durchsatz deutlich verbessert haben, bleibt die Bibliotheksvorbereitung (Library preparation) bei Anwendungen mit hohem Durchsatz nach wie vor eine große Herausforderung auch in Bezug auf manuellen Arbeitsaufwand.
Bild 1: Links: Das Gerät „mosquito® HV genomics“ mit fünf Deckpositionen. Rechts: Schematische Darstellung von Aspiration und Dispensierung nach dem Direktverdrängerprinzip mit diesem Gerät. © SPT Labtech

Die meisten NGS-Bibliotheken (Libraries) werden aufgrund des eingeschränkten Anwendungsbereichs manueller Pipetten sowie herkömmlicher Liquid-Handling-Geräte in großen Volumina vorbereitet. Jedoch wird nur ein kleiner Teil der vorbereiteten Libraries tatsächlich für die Sequenzierung benötigt. Zudem erfordert die Bibliotheksvorbereitung einen erheblichen Zeit- und Ressourcenaufwand, die Wissenschaftler ansonsten effizienter einsetzen könnten.

Automatisierte Liquid-Handling-Systeme mit der Technologie, kleinere Volumina präzise zu handhaben, sind eine Lösung, um einerseits Reagenzien und damit verbundene Kosten einzusparen, auf der anderen Seite auch geringere Mengen wertvoller Proben zu verbrauchen, so dass Proben und Reagenzien länger, also für mehr Versuche, reichen. Gleichzeitig erhalten Labormitarbeiter und -mitarbeiterinnen mehr Zeit, um sich auf strategische Aufgaben zu konzentrieren.

So wird bei der SEQ-IT GmbH & Co. KG aus Kaiserslautern ein automatisches Liquid-Handling-System für den Nanoliterbereich, nämlich "mosquito HV genomics", genutzt, um das Nextera XT-Protokoll (von Illumina) zu automatisieren und auf ein Fünftel des ursprünglichen Volumens zu miniaturisieren. Dies wird unten beschrieben. Das mittelständische Unternehmen SEQ-IT bietet molekularbiologische Arbeiten mithilfe der klassischen Sanger-Sequenzierung sowie mit Next-Generation-Sequencing-Methoden als Dienstleistung an und unterstützt Sequenzierprojekte in den Bereichen Human-, Pflanzen- und Tiergenetik sowie Bakteriologie und Virologie.

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Seit 2019 setzt das Unternehmen das Liquid-Handling-System "mosquito HV" für die Nextera XT Library Preparation ein. Die Methode der Miniaturisierung wurde eingeführt, um z. B. Mutationen aus dem Bereich der Onkologie und Arzneimittelresistenzen (gegenüber Viren wie HIV, HBV, HCV) zu identifizieren, SNPs (Single Nucleotide Polymorphisms) mit humangenetischer Fragestellung zu detektieren und die Typisierung von humanen Leukozytenantigenen (HLA) durchzuführen. "mosquito®" von SPT Labtech ist ein automatisches Liquid-Handling-System für den Nanoliterbereich. Die Pipettiertechnik des Systems (Bild 1) basiert auf dem Prinzip der Direktverdrängung (Positive Displacement) und kann ein präzises Handling von Proben und Reagenzien im Low-Volume-Bereich unabhängig von der Viskosität der Flüssigkeit oder den Umgebungsbedingungen ermöglichen. Die Geräte "mosquito HV" (Pipettierbereich 500 nl – 5 μl) und "mosquito LV" (Pipettierbereich 25 nl – 1,2 μl) werden bereits vielfach zur Miniaturisierung von Protokollen für die NGS-Bibliotheksvorbereitung eingesetzt, ohne die Datengenauigkeit und Reproduzierbarkeit zu beeinträchtigen.

Methode und Ergebnisse

Die DNA wird aus Patientenproben extrahiert und mittels PCR amplifiziert. Ziel ist es, Fragmentgrößen von 300 bp bis 10 kb zu erreichen, um verschiedene diagnostische Bereiche wie Immunogenetik, Onkologie, Gerinnungsstörungen und Infektionskrankheiten abdecken zu können.

Bild 2: Darstellung zum 5-fach miniaturisierten Nextera XT-Protokoll; pre-PCR in Farbe Pink und post-PCR in Türkis. © SPT Labtech

Das mit dem System "mosquito HV" um den Faktor 5 miniaturisierte Nextera-XT-Protokoll (s. Bild 2) wird bei SEQ-IT im Monat für durchschnittlich 660 Library Preparations angewendet, was auf das Jahr gerechnet circa 8 000 Probenvorbereitungen ergibt.

Tabelle 1: Informationen zu den 50 Proben des repräsentativen Sequenzierlaufs. © SEQ-IT

Die Library Preparation von 48 Proben dauert hier erfahrungsgemäß 5,5 Stunden, während die Bearbeitungszeit von 96 Proben – einschließlich der PCR-Zyklen – 6,5 Stunden in Anspruch nimmt. Für die Sequenzierung wird die MiSeq™-Plattform von Illumina eingesetzt. Ein repräsentativer Sequenzierlauf umfasst 50 Proben, die mit dem 5-fach miniaturisierten Nextera XT Protokoll vorbereitet und auf der MiSeqTM Plattform mit 500 Zyklen Sequenzierungsreagenz (v2, Illumina) in einem 2-x-250-nt-Modus sequenziert wurden. Näheres zu den 50 Proben ist in Tabelle 1 gezeigt. Die DNA-Konzentration als Input für die Tagmentierung betrug 0,2 ng/μl.

Bild 3: Darstellung der typischen Größenverteilung des Insertproben-Pools nach der Tagmentierung und dem Bead-Clean-up. © SEQ-IT

Die Größe der Library wurde mit einem Bioanalyzer nach der Tagmentierung der Amplikons und der PCR-Amplifikation der fragmentierten DNA (vor der Normalisierung) analysiert. Die Ergebnisse zeigen eine typische Größenverteilung mit einer durchschnittlichen Größe von etwa 500 bp, was auf eine gute Tagmentierungsqualität hinweist (Bild 3).

Bild 4: 84,3% der Sequenzierdaten wiesen einen QC-Wert ≥30 auf. © SEQ-IT

99,54 % der Reads wurden korrekt bestimmt und 84,3 % der Sequenzierdaten wiesen einen QC-Wert ≥ 30 auf, was bei dieser Amplikon-Methode dem zu erwartenden Bereich entspricht (Bild 4).

Bild 5: Anteil der einzelnen Proben am Gesamtoutput. Die 42-HIV-Amplikons sind türkis und die 6-HIV-Ganzgenome violett dargestellt. Probe 19 hatte eine niedrige DNA-Inputkonzentration. Die Negativkontrollen sind durch Sternchen gekennzeichnet. © SEQ-IT

Der gewünschte Output jeder Probe wurde zu Anfang berechnet, um die Genauigkeit des "mosquito HV"-Systems zu bewerten. Der Anteil der 42 HIV-Amplikone (2,5 kb) wurde so berechnet, dass er jeweils etwa 2 % entspricht, während die sechs HIV-1-Gesamtgenome einen Anteil von jeweils 1 % haben sollten (Bild 5). Der Anteil jeder einzelnen Probe am Gesamtergebnis stimmt mit dem erwarteten Prozentsatz überein, was die hohe Genauigkeit unterstreicht.

Fazit

Die Miniaturisierung der Nextera XT Library Preparation auf dem System "mosquito" hat zu erheblichen Kosteneinsparungen von bis zu 80 % geführt, ohne die Qualität der Sequenzierdaten zu beeinträchtigen. Messwerte wie Fragmentierungsgrad der Proben, Mapping-Raten, QC-Werte und die Verteilung der einzelnen Proben im Gesamtoutput zeigten sehr gute Ergebnisse auch bei einem 5-fach miniaturisiertem Volumen. Darüber hinaus kann der gesamte Workflow innerhalb weniger Stunden abgeschlossen werden, was einen höheren Durchsatz für größere Projekte ermöglicht, während gleichzeitig nur ein minimaler Probeneinsatz erforderlich ist.

Zusätzlich reduziert der miniaturisierte Workflow die Belastung des Personals durch manuelles Pipettieren, den damit verbundenen Zeitaufwand und bewirkt auch eine Verringerung von Kunststoffabfällen. Dies macht den automatisierten und miniaturisierten Workflow sowohl zu einer (kosten-)effizienten als auch umweltfreundlicheren Lösung. Dies könnte eine breitere Anwendung von NGS vereinfachen.

AUTOREN
Jing Zhang, Anna Chanou
SPT Labtech, UK-Melbourn
[email protected]
www.sptlabtech.com

Martin Däumer, Alexander Thielen
SEQ-IT GmbH & Co. KG, Kaiserslautern
[email protected]
www.seq-it.de

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