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Startpunkt aller heute lebenden Gliedertiere kann nun rekonstruiert werden

Myriapoden-ForschungAlle Hundertfüßer-Gene entziffert

Tausendfüßer sieht man in der freien Natur nur, wenn man genauer hinschaut. In einigen Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz treten sie jedoch mitunter massenhaft auf, überschwemmen plagenhaft Gärten und Straßen und kriechen die Hauswände hoch. Zudem verbreiten sie einen beißenden Geruch, der von blausäurehaltigen Abwehrstoffen stammt, den sie produzieren, wenn sie sich gestört fühlen.

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Hundertfüßer Strigamia

Nahe verwandt mit den rein vegetarischen Tausendfüßern sind die räuberisch lebenden Hundertfüßer. Sie zählen zu den Myriapoden, die mit den Insekten, Krebsen und Spinnentieren zum Stamm der Gliedertiere (Arthropoden) gehören. Myriapoden zählen zu den ältesten noch heute lebenden Tierklassen.

Warum ist es so spannend, alle Gene eines Hundertfüßers zu identifizieren? Gerade weil diese Tiergruppe so alt ist, besteht die einmalige Chance, durch den Vergleich der schon vorhandenen Gen-Sequenzen von Insekten, Spinnen und Krebsen die Verwandtschaftsverhältnisse der Gliedertiere besser zu verstehen. Gleichzeitig ist es nun möglich, die Gen-Ausstattung des gemeinsamen Vorfahren und damit den Startpunkt aller heute lebenden Gliedertiere zu rekonstruieren.

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Prof. Dr. Reinhard Schröder

„Solche Großvorhaben kosten eine Menge Geld, viel Zeit und benötigen vielfältiges Know-how", sagte Prof. Dr. Reinhard Schröder von der Universität Rostock, einer der Beteiligten des internationalen Konsortiums, das in den letzten drei Jahren die ca. 15000 Gene eines Hundertfüßers gelesen und identifiziert hat. Dazu bedurfte es ein Team von mehr als 100 Wissenschaftlern von 44 Institutionen aus 15 Ländern.

Das „Lesen" aller Buchstaben der Erbsubstanz war der erste Schritt und wurde in den USA am Baylor College of Medicine in Houston durchgeführt. Dieses Institut war bereits an der Identifizierung der Gene des Menschen beteiligt und hat inzwischen die gesamten Gene vieler anderer Arten sequenziert. In einem zweiten Schritt musste aus den Buchstabenfolgen der Sinn ausgelesen werden. Dazu durchforsteten Spezialisten für die einzelnen Gen-Gruppen die in einer Datenbank bereitgestellten Sequenzen.

Der Hundertfüßer Strigamia wurde gewählt, da die Eier leicht zu finden sind und daher deren Embryonen gut untersucht werden können. Hervorzuheben ist, dass die Fähigkeit, Gerüche wahrzunehmen, in Myriapoden von anderen Molekülen vermittelt wird als bei Insekten. Dies gilt auch als ein Beleg dafür, dass beide Tier-Klassen unabhängig voneinander das Land besiedelt haben.

Eine andere Entdeckung ist, dass bei dem blinden Strigamia zwar die Gene für Farbwahrnehmung und für die „innere Uhr" verloren gegangen sind, die Fähigkeit auf Licht zu reagieren jedoch erhalten blieb. Wie dies funktioniert, haben die Gene bisher noch nicht verraten.

Allerdings: Die sofortige Hilfe zur Bekämpfung der Tausendfüßer-Plage verspricht die jetzt veröffentlichte genetische Analyse nicht. Eine 30 cm hohe Blechwand um den betroffenen Ortsteil hat sich als das beste Mittel herausgestellt. Diese Barriere können die Tiere nicht überwinden und werden dort einmal täglich abgesammelt.

Kontakt:
Prof. Dr. Reinhard Schröder
Universität Rostock
Institut für Biowissenschaften
Abt. Genetik
reinhard.schroeder@uni-rostock.de

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