HPLC-Tipp

Der HPLC-Tipp

Kleine Tipps zur Fehlersuche und Robustheit III

Von Dr. Stavros Kromidas, Saarbrücken

•Empfehlung: Wenn irgendwie möglich sollte man als Lösungsmittel für die Probe kein reines Wasser oder Puffer verwenden, ein Zusatz von 5 oder 8 % Acetonitril oder Isopropanol wären angebracht. Begründung: Wasser ist natürlich polar, Stahl dagegen recht hydrophob, d. h. die Oberfläche beispielsweise einer Stahlkapillare kann wie eine pseudostationäre Phase fungieren. Die Konsequenz könnte folgende sein: Sie haben die Säule equilibriert und injizieren nun Ihren Standard, der in Wasser/Puffer aufgelöst ist. Ein Teil des Analyten könnte an der Oberfläche einer Stahlkapillare haften bleiben (irreversible Sorption durch Adhäsionskräfte an dieser „hungrigen Oberfläche“), die sich ergebende Peakfläche entspricht nicht der tatsächlich injizierten Menge. Sie injizieren jetzt Ihre Probe und da alle aktive Zentren an dieser pseudostationären Phase schnell belegt sind (ihre Kapazität ist ja äußerst gering), gelangt alles, was injiziert wurde, tatsächlich bis zum Detektor. Durch diesen systematischen bzw. proportional systematischen (d. h. konzentrationsabhängigen) Fehler ergeben sich Probleme mit der Reproduzierbarkeit der Peakflächen. Ein geringer Anteil an organischem Lösungsmittel im Probenlösungsmittel (s.o.) kann verhindern, dass ein Teil des Analyten auf dem Weg vom Probengeber zum Detektor irgendwo hängen bleibt.

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•Reinigungsvalidierung: Denken Sie (nicht nur) bei Reinigungsvalidierungen an den Faktor Zeit! Je nachdem, was im Kessel produziert wurde, kann es sein, dass ein Mikroorganismus oder ein Abbauprodukt/eine Nebenkomponente erst nach 24 oder 48 h nachzuweisen ist. Vermutlich ist ein wiederholtes Abwischen der zu kontollierenden Oberfläche nach definierten Zeitabständen weder aus produktionstechnischen, noch aus ökonomischen Gründen realisierbar. Man könnte wenigstens folgendes testen: Sie führen wie gewohnt Ihren Test durch (TOC, HPLC) und heben einen Teil vom Swab auf – wenn möglich unter ähnlichen Bedingungen (Temperatur, im Dunkeln) wie der entsprechende Kessel und wiederholen die Messung nach 12, 24, 48 h. Bleiben die Ergebnisse konstant, beispielsweise bei einem HPLC-Experiment Anzahl der Peaks und Peakfläche? Selbstverständlich befände sich eine eventuelle Verunreinigung in dieser Zeit auf einer völlig anderen als der tatsächlichen Oberfläche (Swab/Kesseloberfläche), aber man hätte immerhin im Falle des Falles einen groben Hinweis erhalten, dem man natürlich gründlich nachgehen sollte.

•Wiegen zum Ersten: Sie müssen mit giftigen Substanzen hantieren, ziehen also Gummihandschuhe an. Es zeigt sich immer wieder, dass durch deren statische Aufladung die Anzeige an der Waage etwas verfälscht sein kann. Macht dies bei Formulierungsproben de facto nichts aus, kann es bei reinen Wirkstoffproben im Bereich von 1...1,5 mg zu einem merklichen Fehler beim Befund führen.

•Wiegen zum Zweiten: Je nach Konstitution der Probe (hygroskopische, ölige/hoch viskose Proben, Farbstoff-Matrix usw.) kann an einem Keramik-Schälchen etwas hängen bleiben. Als Ausweg eignen sich Chrom-Nickel-Schälchen, hier kann wirklich selten etwas passieren. Doch letztere können eine andere Tücke haben und wenn man nicht zufällig auf die Idee kommt, kann man verzweifeln: Wenn in der Schublade, in der das Chrom-Nickel-Schälchen aufbewahrt wird, sich auch Magnetrührer befinden, können diese wie der Teufel will (der ja bekanntlich seine Schwiegermama meistens mitschleppt...) mit dem Schälchen in Berührung kommen oder sogar an ihm gerieben werden. Ergebnis: Das Schälchen wird aufgeladen und je nachdem wie es in der Waagschale ausgerichtet ist, ergeben sich unterschiedliche Anzeige-Werte. Und...

•Wiegen zum Dritten: Es ist möglicherweise nicht allen KolegInnen bekannt, dass die Waagen nicht nur bei einer bestimmten Temperatur, sondern auch bei einer bestimmten Feuchte (zum Beispiel 50 %) geeicht oder beim Hersteller eher kalibriert werden. Die Luftfeuchtigkeit in nicht (gut) klimatisierten Räumen kann – vor allem im Sommer mit den häufigen Gewittern – stark schwanken. Oder man vergisst einfach die Glasscheibe an der Waage stets zu zumachen. Ergebnis sind nicht nachvollziebare und nicht erkannte Wiegefehler. Vorschlag: Stellen Sie einfach ein Bechergläschen mit ­Wasser in die Waage, direkt neben der Waagschale, so können Sie mit stabilen Werten rechnen.© by Stavros Kromidas

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