IFAT Munich 2026 Umfrage

Melanie Steinbeck,

Bevölkerung sieht deutsche Wasserversorgung nicht krisenfest

Die Sicherheit der Wasserversorgung entwickelt sich aus Sicht der Bevölkerung zu einer zentralen Risiko- und Standortfrage für Deutschland. Das zeigt der IFAT Circularity Monitor, eine repräsentative YouGov-Umfrage der IFAT Munich, im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz: 63 Prozent der Befragten halten Deutschland auf Krisen in der Wasserversorgung eher schlecht oder gar nicht vorbereitet. Nur drei Prozent bewerten die Vorbereitung als sehr gut. Besonders hoch ist die Sorge vor gezielten Eingriffen in die Infrastruktur durch physische Sabotage (67 Prozent) oder Cyberangriffe (66 Prozent).

Symbolbild © artpluskr/stock.adobe.com

Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz, kommentiert: „Das hohe Risikobewusstsein in der Bevölkerung zeigt, dass der Schutz der Wasserversorgung sicherheitspolitisch neu gedacht werden muss. Gerade im Sinne einer Green Defense gehört die Resilienz kritischer, nachhaltiger Infrastrukturen, einschließlich ihres Schutzes vor Sabotage und Cyberangriffen, ins Zentrum der nationalen Sicherheitsstrategie.“

Während auf der Munich Security Conference die strategischen Dimensionen solcher Bedrohungen diskutiert werden, rückt die IFAT Munich die praktische Umsetzbarkeit in den Mittelpunkt.

„Unter dem Leitgedanken der von Wolfgang Ischinger angesprochenen Green Defense werden Technologien, Konzepte und Best Practices vorgestellt, mit denen sich Wasser- und Abwassersysteme widerstandsfähiger, sicherer und zukunftsfähig gestalten lassen“, sagt Exhibition Director Philipp Eisenmann.

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Hohes Risikobewusstsein für Sabotage und Cyberangriffe

Grundsätzlich sei das Vertrauen in die Sicherheit der Trinkwasserversorgung in Deutschland hoch, wie zuletzt im Branchenbild der Wasserwirtschaft 2025 bestätigt wurde. Zukünftige Bedrohungen bereiten jedoch zunehmend Sorgen; Wasserinfrastruktur werde inzwischen als Teil der nationalen Sicherheitsarchitektur wahrgenommen.

„Die Umfrage macht deutlich, dass Wasserinfrastruktur nicht mehr nur als technische Aufgabe verstanden wird, sondern als sicherheitsrelevanter Faktor“, sagt Wolf Merkel, Vorstand des DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches. „Versorgungssicherheit lässt sich heute nicht isoliert denken. Sie erfordert integrierte Konzepte, die physischen Schutz, Cyberresilienz und Klimaanpassung zusammenführen.“

Auffällig sei, dass Extremwetterereignisse zwar als relevantes Risiko gesehen werden, jedoch hinter gezielten Angriffen zurückbleiben: 59 Prozent betrachten sie als wahrscheinliche Bedrohung für die Wasserversorgung. Dies verweist auf ein verändertes Sicherheitsverständnis in einer Zeit hybrider Bedrohungen und zunehmender geopolitischer Spannungen.

Abwasser als unterschätzte Schlüsselressource

Ein besonders hohes Problembewusstsein zeige sich beim Thema Abwasser: 91 Prozent der Befragten erkennen Störungen in der Abwasserentsorgung als ernsthafte Gefahr für Umwelt, Gesundheit und öffentliche Sicherheit. Gleichzeitig gilt dieser Teil der Infrastruktur im Alltag als weitgehend unsichtbar und wird entsprechend selten strategisch diskutiert.

Bei der Abwasserinfrastruktur ermittelt der IFAT Circularity Monitor Extremwetter als am größten wahrgenommenes Risiko (63 Prozent), gefolgt von physischer Sabotage und technischen Defekten (jeweils 62 Prozent). Für die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) unterstreichen die Ergebnisse den Handlungsdruck.

„Abwasseranlagen sind systemrelevant, auch wenn sie im öffentlichen Bewusstsein oft im Hintergrund stehen“, sagt Vorständin Lisa Irwin-Broß. „Dass die Bevölkerung diese Zusammenhänge so klar erkennt, ist ein wichtiges Signal. Die Wasserwirtschaft setzt sich mit großem Engagement dafür ein, die Versorgungssicherheit auch zukünftig jederzeit zu gewährleisten. Beim Stromausfall in Berlin zum Jahreswechsel hat die Wasserwirtschaft ihre Leistungsfähigkeit eindrucksvoll bewiesen, die Berliner Wasserbetriebe konnten aufgrund der vorhandenen Notstromversorgung die Wasserver- und Abwasserentsorgung aufrechterhalten.“

Quelle: IFAT, Messe München

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