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Der HPLC-Tipp im Dezember

Peaky und Chromy in Frankfurt…

Dr. Stavros Kromidas, Saarbrücken

Liebe HPLC-Anwenderinnen, liebe HPLCAnwender, letzten Monat fanden in Frankfurt wie alle Jahre wieder die NOVIA-"HPLC-Tage" statt. Nichts ahnend, habe ich nicht schlecht gestaunt, als auf einmal Peaky und Chromy vor mir standen - die zwei alten Freunde wollten mal bei der Veranstaltung vorbei schauen, sagten sie. (Die Älteren von Ihnen haben vielleicht schon mal von diesen zwei Peaks gehört, die immer wieder auftauchen...) Die Überraschung war für mich riesig und da ich zufällig unmittelbar bei ihnen in der Nähe stand, habe ich ungewollt ihr Gespräch gelauscht. Wie immer ging's um ihr Leben in der Säule - und an diesem Tag waren sie irgendwie recht streitlustig. Das ist zwar nicht ganz höflich, aber ich möchte Ihnen ihren Dialog trotzdem nicht vorenthalten.

Peaky Säure und Chromy von Kieselhausen im Gespräch

Peaky: Hör mal Chromy, du bist so groß und mächtig, und hast so´n großes Molekulargewicht und viele funktionelle Gruppen und überhaupt... Dich muss man doch entweder bei kleinen Wellenlängen messen, weil deine vielen funktionellen Gruppen dort gut absorbieren, oder aber im Interface, weiß'te, da, bei der LC/MS-Kopplung, dich richtig kaputt machen, um dich detektieren zu können - Mensch, bist du kompliziert...

Chromy: Hör mal Peaky, du siehst deinerseits so richtig sauer aus - du heißt ja auch so -, dich muss man doch mit Seife so ordentlich alkalisch einseifen, damit du einigermaßen sauber bist und neutralisiert wirst. Erst dann, sauber und beim neutralen pH-Wert, kann man dich dann wohl vernünftig an C18-Säulen trennen, denn dann erst kannst du mit denen vernünftige, starke Wechselwirkungen eingehen.

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Peaky: Hör mal Chromy, sorry, nichts für ungut, aber du siehst wirklich nicht normal aus; nicht wie eben eine kleine, vernünftige Säure oder von mir aus wie eine Base. Du siehst nach nix aus, ich nehme an, du kannst mit sauren oder alkalischen Eluenten nichts anfangen, du brauchst halt einen neutralen pH-Wert und an stationärer Phase... - was eigentlich: eine normale hydrophobe C18 oder eine Mixed Mode?

Chromy: Ich denke, eine ordentliche C18. Chromy: Na gut, sag mal Peaky, stimmt es, dass man dich und deines Gleichen gut an endcappten C18-Phasen trennen kann? Dass ihr an solchen Phasen schön schmal und selektiv zu trennen seid? Denn so, wie ich euch kenne, fängt ihr sonst ein Techtel- Mechtel mit den kleinen Silanolen an...

Peaky: Lass das; mein Gott, so groß, so unbeweglich wie du bist - du kommst kaum vom Fleck. Also man braucht für solche wie dich wohl einen kleinen Fluss, damit man eine große Bodenzahl und damit eine schnelle Kinetik hinkriegt, darüber hinaus wohl so um die 80 °C und viel Methanol, damit du am Detektor halbwegs vernünftig aussiehst.

Chromy: Liebster Peaky, so polar, so sauer, wie du bist, muss man dich in reines Wasser oder von mir aus in Puffer auflösen, organisches Lösungsmittel in der Probenlösung magst wohl nicht - oder?

Peaky: Nee, wässrig passt schon. Peaky: Wir haben zwar kaum miteinander geklönt, aber die machen jetzt echt Druck Mann, die wollen uns heute hier schnell raus haben. Und die gehen davon aus, dass wir alle unwesentlich schlechter getrennt sind. Wir haben nur noch ca. eine Minute Zeit. Komm, ich erzähle dir schnell etwas und du überlegst dir in dieser einen Minute, was richtig ist. Von den möglichen Antworten kann nur eine richtig sein - Mann, fang an schnell zu denken!

Die Temperatur wird erniedrigt:

  • Die Trennleistung nimmt zu.
  • Der Retentionsfaktor nimmt zu.
  • Die Bodenzahl nimmt ab.
  • Die Kinetik nimmt zu.

Der Fluss beim Gradienten nimmt zu:

  • Die Effizienz wird besser.
  • Die Wechselwirkungen ändern sich.
  • Die Lebensdauer der Säule nimmt zu.
  • Die Peakkapazität ändert sich nicht, da Fluss-unabhängig.

Polare, moderne Phasen ("Polar Embedded Group", PEG, "Mixed Mode Phases", bifunktionale Phasen, hydrophil endcappte Phasen etc.)

  • ...zeigen gute Selektivität + gute Effizienz.
  • ...zeigen eine gute polare Selektivität, aber eine schlechte Beladbarkeit.
  • ...zeigen eine gute Effizienz und erlauben schnelle Trennungen.
  • ...zeigen eine schlechte polare Selektivität, aber eine gute Beladbarkeit.

Alles klar? Du, wir sind schon da, ich springe als erster raus - okay? Tschüss bis zum nächsten Mal im Januar, da erzähl ich dir, was richtig und was falsch ist. Chromy: Da bin ich aber gespannt, Tschüss, ich mache etwas vorsichtig, ich will nirgendwo hängen bleiben und mich man dann suchen tut...

Liebe Leser, wie Peaky versprochen hat, werden wir im Januar von allen falschen und richtigen Aussagen sowohl des Dialogs als auch während der letzten Minute erfahren. Vielleicht haben Sie auch Lust und Zeit, darüber nachzudenken... Ich wünsche Ihnen eine Frohe Weihnacht, erholsame Tage und für 2013 Gesundheit und persönliches Wohlergehen.

Ihr Stavros Kromidas

© by Stavros Kromidas

http://www.kromidas.de

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