Blick in die Technik der Laborplattform am Uniklinikum Würzburg
Automatisierung für die Zellproduktion
Bei der im EU-Projekt AIDPATH (AI powered, Decentralized Production for Advanced Therapies in the Hospital) von Partnern aus Industrie und Forschung aus ganz Europa entwickelten Plattform, die am Uniklinikum Würzburg (UKW) aufgebaut wurde, werden Produktionsabläufe automatisiert: mit integrierten Komponenten wie Bioreaktor, Robotik und Steuerungssoftware – unterstützt von künstlicher Intelligenz. Mit diesem Gesamtsystem soll es ermöglicht werden, in der Zukunft CAR-T-Zellen patientennah direkt in der Klinik herzustellen.
Komponenten der Laborplattform
Näheres zur Technik erläutert Dr. Katrin Mestermann vom Universitätsklinikum Würzburg, die seit Start beim Projekt dabei war: "Der erste automatisierte Schritt bei der Herstellung der CAR-T-Zellen findet in einer Art Waschanlage für Zellen statt", erklärt die Biologin. "Im so genannten Cell Washing Device werden die weißen Blutkörperchen gewaschen, in Puffer aufgenommen, die T-Zellen markiert und angereichert. Nachdem die angereicherten T-Zellen zwei bis drei Tage im Bioreaktor aktiviert wurden, kommen sie zurück in die Waschanlage und in einem neuen Puffer in den Elektroporator. Hier wird die Zellmembran durch einen kurzen Elektroschock mit Poren versehen, durch die DNA, die den CAR kodiert in die T-Zellen eingebracht wird. Danach kommen die T-Zellen wieder für einige Tage in den Bioreaktor, um das Erbgut für den CAR aufzunehmen und sich zu teilen, und anschließend ein letztes Mal in die Waschanlage, wo sie in ein spezielles Medium überführt werden, das sich zur Infusion eignet".
Roboter als Herzstück des Qualitätskontrollmoduls
Nach dem Herstellungsmodul geht es weiter zum Qualitätskontrollmodul, dessen Herzstück ein Roboter ist, der die in kleine Röhrchen abgefüllten CAR-T-Zellen handhabt und sie zum Beispiel vom Durchflusszytometer, wo die Oberflächenmarker analysiert werden, in den Kühlschrank befördert, der von einem langen Roboterarm auf der einen Seite und von Menschenhand auf der anderen Seite geöffnet werden kann.

Personalisierte Arzneimittel herstellen
Laborplattform zur automatisierten Produktion von Immunzellen
Teams vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen und vom Universitätsklinikum Würzburg haben gemeinsam mit elf weiteren internationalen Partnern ein automatisiertes System zur Herstellung genetisch veränderter Immunzellen entwickelt.
"Die Plattform ist viel größer und kann mehr, als ich dachte", sagt Annika Dressler. Sie ist technische Assistentin und unterstützt Katrin Mestermann bei der Protokolloptimierung und Projektvalidierung. "Die Ergebnisse, auf die die großen Geräte trainiert werden, habe ich vorher im Labor im kleinen Maßstab erzeugt", sagt Annika Dressler und machte die Erfahrung: "Ich optimiere das Projekt, aber das Projekt optimiert auch mich." Sie hat z. B. daran gearbeitet, den Zellverlust in der Waschanlage zu minimieren und das Restvolumen, das im Schlauch von der Waschanlage zum Bioreaktor verbleibt, nicht zu groß werden zu lassen.
Steuerungssoftware für Verwaltung und Prozessüberwachung
"Wir haben das Engineering für die Plattform gemacht und sie ohne Zellen getestet", berichtet Frederik Erkens vom Fraunhofer IPT. Die Steuerungssoftware ermöglicht die zentrale Verwaltung und Prozessüberwachung. Denn alle Maschinen und Geräte sind über standardisierte Schnittstellen in einem so genannten Integrationsframework miteinander verbunden. Unterstützt wird die Steuerungssoftware durch einen KI-basierten digitalen Zellzwilling, der die initialen Prozessparameter vorgibt, und einen KI-Prozesscontroller, der die Prozessparameter während des Betriebs anpasst.
Der Bioreaktor, an dem ein Team der spanischen Firma Aglaris Cell gearbeitet hat, übernimmt mehrere Schritte der Zellproduktion und ist Miquel Costa Ferrando zufolge mehr als nur ein Bioreaktor: "Bei uns sind die Zellen das Produkt, nicht das, was die Zellen produzieren. Der Bioreaktor ‚kümmert sich‘ um die Zellen und bietet ihnen optimale Bedingungen in einer angenehmen Umgebung mit ausreichend Sauerstoff, der richtigen Temperatur, genügend Glukose und allem, was sie für ihr Wachstum brauchen", so der Gründer und Technische Direktor von Aglaris.
Die Zellen werden während des gesamten Herstellungsprozesses überwacht. "Das heißt, wir müssen sie nicht stören, um Proben zu nehmen und den pH-Wert oder den Sauerstoffgehalt zu bestimmen. Ein KI-Algorithmus sagt uns, wann die gewünschte Zellzahl erreicht ist und der richtige Zeitpunkt für die Ernte gekommen ist", erklärt Dr. Carmen Sanges. Ebenso wichtig wie die Automatisierung ist für sie die Digitalisierung. Die Plattform kann zum Beispiel in die klinische Datenbank integriert werden, so dass Patientendaten mit Produktionsdaten verknüpft werden. Bei der Einrichtung der Datenbank arbeitet das UKW eng mit dem niederländischen Softwareunternehmen Ortec und dem europäischen T2EVOLVE-Konsortium zusammen, das zum Ziel hat, die Entwicklung und den Zugang zur CAR-T-Zelltherapie zu beschleunigen.
Quelle: Universitätsklinikum Würzburg












