Medica-Vorschau
Medica mit Forum zu Trendthemen der Labormedizin
Was sind zurzeit die spannendsten Entwicklungen in der Medizin? Die Fachforen der Medica in Düsseldorf, der internationalen Leitmesse für die Gesundheitswesen und Medizintechnik, werden dazu mit ihrem Bühnenprogramm zur diesjährigen Messelaufzeit (11. – 14. November) mitten im Messegeschehen wieder vertiefende Einblicke geben, zum Beispiel zu Health-IT, Medizintechniktrends, Gesundheitspolitik und Labormedizin.
Das „MEDICA LABMED FORUM“ hat sich mit seinen informativen Kurzvorträgen und Podiumsdiskussionen im Laufe der letzten Jahre zu einem der Hauptanziehungspunkte des Medica-Rahmenprogramms entwickelt. Unter dem Schlagwort „Labor 4.0“ zeichne sich derzeit in der Labordiagnostik ein Trend zu massiver Digitalisierung und Vernetzung sowie Big-Data-Anwendungen und künstlicher Intelligenz (KI) ab, sagt der wissenschaftliche Leiter des Medica Labmed Forums Prof. Stefan Holdenrieder vom Deutschen Herzzentrum München mit Blick auf inhaltliche Schwerpunktsetzungen für dieses Jahr. „Bisher haben wir vor allem einzelne Laborwerte betrachtet. Künftig werden wir immer komplexere Datenmuster mit maschinellem Lernen analysieren und zu komplexen diagnostischen Scores zusammenfassen.
Die Labormedizin entwickelt sich derzeit von der reinen Analytik in Richtung Data Science weiter. Dabei wird die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Laborfachleuten und spezialisierten Datenwissenschaftlern, insbesondere Informatikern und Biostatistikern, immer wichtiger.”
Tag 1: Fachkräftemangel und Digitalisierung
Dem Themenkomplex Digitalisierung und KI widmet sich das Labmed-Forum unter dem Vorsitz von Prof. Dr. med. Thomas Streichert, Universitätsklinikum Köln, am Eröffnungstag (11. November) der Messe. Die Vormittagssession steht im Zeichen des Fachkräftemangels, der nach aktuellen Umfragen das drängendste Problem der Laboratoriumsmedizin darstellt. Dr. Ronald Biemann vom Universitätsklinikum Leipzig berichtet als Leiter der Sektion Junges Labor der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) über den Nachwuchsmangel im ärztlichen und medizinisch-technischen Bereich. In der Podiumsdiskussion werden die Vortragenden in diesem Zusammenhang die Rolle von Automation und Digitalisierung betrachten.
Am Nachmittag liegt der Fokus dann auf bereits verfügbaren und noch in Entwicklung befindlichen KI- und Big-Data-Werkzeugen. Die Bilderkennung mithilfe von Deep Learning ist bei der automatisierten Auswertung von Differenzialblutbildern bereits Stand der Technik, während sich das maschinelle Lernen aus großen multivariaten Datensätzen, wie sie in der Labordiagnostik tagtäglich anfallen, noch im Entwicklungsstadium befindet. Diskutiert wird auch die spannende Frage, wie große Sprachmodelle helfen können, abstrakte Laborbefunde verständlicher zu machen, und ob KI wirklich klüger macht.
Tag 2: Kardiologie und Onkologie
Traditionell werden am zweiten Messetag unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Holdenrieder aktuelle Entwicklungen der Laboratoriumsmedizin für die beiden Krankheitskomplexe besprochen, die die Mortalität in der westlichen Welt bestimmen: Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs. In der Kardiologie liegt der Fokus dieses Jahr auf angeborenen Herzfehlern. Es werden Vortragende aus dem Deutschen Herzzentrum und der Technischen Universität München erwartet, und der Mathematiker Professor Frank Klawonn vom Helmholtz Zentrum Braunschweig. Er demonstriert – als Gastwissenschaftler des Herzzentrums – Möglichkeiten moderner Datenauswertung mithilfe von maschinellem Lernen.
Das Nachmittagsprogramm ist der hochsensitiven Krebsdiagnostik anhand von Blutproben gewidmet. Mit der „Liquid Biopsy“-Methode eröffnet die Labormedizin der Onkologie neue Wege, die Tumorprogression engmaschiger zu verfolgen, als dies mit der konventionellen Gewebebiopsie möglich ist. So lässt sich frühzeitiger erkennen, wann ein behandelter Krebs wieder aufflammt und eine Therapieänderung erforderlich ist. Neue methodische Ansätze wie die Analyse von Methylierungsprofilen zur Früherkennung bei hereditären Krebsformen oder die Einzelzellanalyse mittels Mikrofluidik werden diskutiert.
Tag 3: Zukunftsperspektiven der Laboratoriumsmedizin
Am „Young Scientists Day“ des Labmed-Forums stellt der wissenschaftliche Nachwuchs seine Sicht auf die Zukunft der Laboratoriumsmedizin dar. Zur Einführung gibt die Leiterin der Session, PD Dr. med. Verena Haselmann vom Universitätsklinikum Mannheim, einen Überblick über die jüngsten Fortschritte des Fachs und auch zu Hindernissen, die es zu überwinden gilt. Zu den neuen Chancen gehören beispielsweise Wearables für das kontinuierliche Erfassen diagnostischer Parameter, zu den Hindernissen zählen neue Qualitätsanforderungen und der Fachkräftemangel.
Am Nachmittag wird sich die Diskussion um personalisierte Therapien auf Basis von individuellen Laborwertemustern, das Zusammenspiel von Labor und Bildgebung bei der integrierten Diagnostik sowie um den Einsatz von künstlicher Intelligenz drehen.
Tag 4: Gesundes Altern
Der Abschlusstag des Forums wird traditionell diagnostischen Forschungsinstituten und Unternehmen gewidmet, die das Tor zu neuen Einsatzgebieten der Laboratoriumsmedizin aufstoßen möchten. Geleitet werden die beiden Sessions von Mitgliedern des VDGH (Verband der DiagnosticaIndustrie), Dr. Kai Prager und Dr. Peter Quick. Als Thema haben sie die Erforschung des Alterns aus Sicht der Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie gewählt. Diskutiert werden u. a. neueste Erkenntnisse zur genetischen und epigenetischen Lebensuhr, Proteinfehlfaltung und -aggregation als Grundlage neurodegenerativer Erkrankungen wie M. Alzheimer und Parkinson und die Rolle der Mikrobiota im Darm beim Schlaganfall.
Zum Abschluss werden am Nachmittag interessante Theorien und praktische Erfahrungen erörtert, wie der Alterungsprozess verlangsamt werden könnte. Prof. Dr. Emrah Düzel von der Universität Magdeburg stellt verschiedene „AntiAging“-Medikamente vor, Prof. Dr. Wolfram Ruf von der Universität Mainz erläutert den Einfluss von antiinflammatorischen Wirkstoffen, Prof. Dr. Dr. Monique Breteler vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) spricht über den Einfluss der Umwelt auf die Alterung des Zentralnervensystems, und Prof. Dr. Claire Jacob, ebenfalls Universität Mainz, diskutiert Möglichkeiten, Läsionen des Nervensystems zu reparieren.
Messe Compamed parallel
Parallel zur Medica wird wieder die Zulieferermesse Compamed 2024 auch auf dem Düsseldorfer Messegelände stattfinden. Insgesamt zeichnet sich für das Messeduo eine Beteiligung von rund 6 000 Unternehmen ab.
Weitere Informationen zu den Messen sind unter http://www.medica.de und http://www.compamed.de zu finden. Details zum Programm des Medica Labmed Forums gibt es unter: www.medica.de/mlf1
Quelle: Messe Düsseldorf










