Reinraum-Messe Cleanzone 2024

Barbara Schick,

Energieeffizienz im Reinraum erreichen

Die Energieeffizienz von Reinräumen hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren zu einem Top-Thema entwickelt. Dabei gibt es viele Stellschrauben. Welche das sind und wie man sie „bedient“, darüber können sich Besucher und Besucherinnen der Reinraum-Messe Cleanzone am 25. und 26. September 2024 in Frankfurt am Main informieren.

Der Blick richtet sich heute auch bei Reinräumen stärker auf die Energieeffizienz. © Messe Frankfurt Exhibition GmbH

Neben der Senkung von Energieverbrauch und damit verbundenen Kosten, kommt die Notwendigkeit, den CO2-Fußabdruck und den Ausstoß weiterer Treibhausgase zu senken. Im „Europäischen Green Deal“ findet das seinen Niederschlag: Klimaneutralität bis 2050. Die EU-Taxonomieverordnung steckt dafür den technischen Rahmen ab. Nach ihr soll der Grad der ökologischen Nachhaltigkeit einer Investition messbar werden, verbunden mit Offenlegungspflichten für „nicht finanzielle“ ökologische und nachhaltige Qualitäten der Unternehmen. All dies zwingt zum Energiesparen. Aber ist das auch im Reinraum ohne Weiteres möglich?

Ideen zur Energieeffizienz mit Multiplikatoreffekt

Zwar muss ein Reinraum vor allen Dingen rein sein, und die Energieeffizienz nimmt dabei eine nachgeordnete Stellung ein. Bis in die 2000er Jahre dachte man kaum über Energiekosten nach, sondern stellte in erster Linie die für den Reinraum bzw. die dort durchgeführten Prozesse nötige Reinheit her. Insbesondere das Konditionieren und Reinigen von Luft viel Energie, welche immer teurer wurde.

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So richtet sich der Blick heute stärker auf die Energieeffizienz, auch weil ihre zahlenmäßige Bedeutung stärker ins Bewusstsein rückt. Zum Beispiel lassen sich nach Angaben rund 60 Prozent der Kosten für den gesamten Energieverbrauch bei der Fraunhofer-Gesellschaft auf Reinräume zurückführen. Das Gute daran: Ideen für Energieeinsparungen sollten einen großen Multiplikatoreffekt nach sich ziehen, und bei der Fraunhofer-Gesellschaft ist man bereits dabei, das Potenzial zu heben.

VDI-Richtlinie zur Reinraumtechnik wird überarbeitet

Auch beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI) entfalten sich große Aktivitäten. Eine Arbeitsgruppe entwickelt zurzeit eine neue Richtlinie zur Energieeffizienz. Ihr Auftrag besteht in der Überarbeitung der seit 2011 bestehende Richtlinie VDI 2083 Blatt 4.2 „Reinraumtechnik – Energieeffizienz“.

Mit am Tisch sitzen Vertreter aller interessierten Kreise, das bedeutet im Wesentlichen Planer, Errichter und Betreiber von Reinraumanlagen, Vertreter und Vertreterinnen aus Forschung und Lehre, Hersteller von Steuer- und Regelungstechnik sowie von Reinraumkomponenten.

„Wir hoffen, dass wir den Entwurf in Kürze verabschieden können“, freut sich Thomas Wollstein, wissenschaftlicher Mitarbeiter in dieser VDI-Arbeitsgruppe. So viel kann er schon zu den Inhalten der neuen Richtlinie sagen: Den Schwerpunkt bilden die beiden Punkte „Reinraum- und Lüftungskonzept“ und „Energieeffizienter Betrieb“. Darüber hinaus werden speziell „Energiebedarf von Reinräumen“, „energierelevante Parameter und Besonderheiten von Reinräumen“, „Prozess zur Bewertung und Steigerung der Energieeffizienz“, „User-Requirements, Planungsvoraussetzungen“, „Inbetriebnahme“ und „energiebezogene Betriebsoptimierung (eBO)“ behandelt.

Neue Inhalte der VDI 2083 ähneln oft den entsprechenden Norm-Teilen der DIN EN ISO 14644. Das ist nur folgerichtig, denn VDI-Arbeitskreise sind üblicherweise an den globalen Gremien beteiligt, und so haben ihre Vorgaben stets auch internationale Bedeutung.

Umsetzung von Richtlinien und Empfehlungen in die Praxis

Wer erst einmal für das Thema „Energieeffizienz im Reinraum“ sensibilisiert ist, der findet schnell eine Reihe von Ansatzpunkten. Zum Beispiel ist daran zu denken, einen Reinraum nicht sieben 24-Stunden-Tage lang mit höchster Luftwechselrate zu fahren, sondern nur während der Nutz- bzw. Produktionszeiten. Auch gibt es zum Erreichen bestimmter Luftzustände und Reinheiten immer verschiedene Wege, die sich im Energieverbrauch unterscheiden. Heizung, Belüftungstechnik und Ventilation stehen oft an erster Stelle. Und bei einem Neubau ist bei der Reinraumplanung stets zu erwägen: Reicht nicht ein Sauberraum? Reicht nicht eine geringere Reinraumklasse?

Vier zentrale Punkte einer Energieoptimierung

Bei einem bestehenden Reinraum hilft zur Energieoptimierung ein strategisches Vorgehen. Zum Beispiel kann sich der Betreiber an einem Vier-Punkte-Schema orientieren und sich die folgenden Fragen stellen:

1. Kann ich bestehende Filter durch bessere ersetzen?

2. Verfügt mein Reinraum schon über Möglichkeiten der Wärmerückgewinnung?

3. Wie stark lässt sich womöglich die Anzahl der Luftwechsel pro Stunde reduzieren?

4. Wie lässt sich die Effizienz der Motoren bzw. Antriebe verbessern?

Entscheidend ist es, diese Fragen wirklich offen zu stellen. Althergebrachte Faustregeln wie etwa, dass 20-facher Luftwechsel und 30 Prozent Außenluftbedarf unumstößliche Mindestwerte seien, sind nicht unbeding zwingend und sollten überdacht werden.

Eine wesentliche Stellschraube stellt die Luftführung dar. Insbesondere sollte von außen durch ein endständiges Filtern in den Reinraum gesaugte Luft nachher nicht wieder nach draußen abgegeben werden. Stattdessen sollte schon einmal aufbereitete Luft im Reinraum bleiben und dort im Kreislauf geführt werden. Dafür gibt es beispielsweise die sog. Filter-Fan-Units (kurz: FFU). Sie reinigen Luft immer wieder und wieder und führen von außen sauerstoffreiche Luft zu. Generell stellen Umluftkonzepte das A und O für eine gute Energieeffizienz im Reinraum dar.

Eine weitere Stellschraube stellen Toleranzen dar. So mancher Reinraumbetreiber hat sie am Anfang einmal festgelegt, ohne an eine Energieeffizienz-Optimierung zu denken. Verträgt aber die gehandhabten Materialien oder das herzustellende Produkt 20 Prozent bis 80 Prozent Feuchte, dann braucht man die Grenzen nicht enger zu setzen. Und wenn der tolerable Temperaturbereich etwas erweitert werden könnte, z.B. die Reinraumtemperatur statt auf 21 °C ± 1 °C auf 21 °C ± 3 °C gesetzt werden kann, kann das auch eine weitere Energieeinsparung bewirken. Stimmen Außen- und Innentemperatur überein, bietet sich sogar der Übergang zu einer freien Kühlung an, und man spart sich (zumindest temporär) das gesamte energiefressende Kühlgerät.

Wie ein strategisches Vorgehen zur Steigerung der Energieeffizienz im Reinraum aussieht und welche Produkte sich dafür auf dem Stand der Technik eignen, wird auch im Rahmen der Messe Cleanzone am 25. und 26. September 2024 gezeigt

Quelle: Messe Frankfurt Exhibition

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