Outsourcing sekundärer Laborinfrastruktur
Probenlagerung und zentrales Gasmanagement
Bei solchen Projekten arbeiten Architekten, Projektentwickler und spätere Betreiber zusammen, um neben Büro und Sozialräumen primäre Infrastruktur also Räumlichkeiten mit Laborausstattung wie Laborbänke, Abzüge und Lüftungstechnik zur Verfügung zu stellen.
Jedoch ist dies gerade im Laborumfeld nur ein erster Schritt. Denn neben der Ausstattung mit Geräten, die für jede Forschung und Forschungsgruppe spezifisch ist, wird in jedem Labor meist auch weitere Infrastruktur benötigt. Dies, als sekundäre Infrastruktur bezeichnet, umfasst eine Lösung zur risikominimierten Lagerung wichtiger Proben wie etwa Zellkulturen, DNA, RNA, Seren oder Gewebeproben und eine durchdachte Versorgung mit Gasen, die im Labor verwendet werden. Dabei gehen die Themen Probenlagerung und Gasmanagement Hand in Hand, da zur Probenlagerung Gase wie etwa flüssiger Stickstoff oder CO2 als Back-up genutzt werden.
Stand heute ist es, dass diese sekundäre Infrastruktur in den meisten Fällen Sache des späteren Nutzers / Mieters ist, da der Betreiber aufgrund von Haftungs- und Risikofragen dies nicht übernehmen kann. Während der Bauphase bedeutet dies viele offene Fragen und ein späterer ungeordneter Einbau, der gerade bei in der Zeit wechselnden Mietern zu weiteren Problemen führen kann.
Die Möglichkeit, sekundäre Infrastruktur in Form eines "Managed-Sample-Storage"-Services sowie eines zentrales Gasmanagements zu nutzen, kann einen Vorteil für alle Beteiligten darstellen.
Probenlagerung – ein zentraler Bestandteil jeder Laborarbeit
In jedem Labor spielt die sachgerechte Lagerung von Proben und Reagenzien eine entscheidende Rolle. Ob Zellkulturen, genetisch modifizierte Organismen, Biostoffe, DNA, RNA, Seren oder Gewebeproben– die langfristige Integrität dieser Materialien ist essenziell für Forschung, Diagnostik und Produktion. Einige dieser Materialien werden alltäglich verwendet, so dass hier das Stellen eines Freezers oder Stickstofftanks in den jeweiligen angemieteten Laboren das Mittel der Wahl ist. Bedenkt man aber Aspekte der risikominimierten Lagerung sowie der Back-up-Lagerung wichtiger Proben, ist das einfache Aufstellen eines Freezers nicht ausreichend. Hier muss vielmehr ein möglichst redundantes Gesamtkonzept erarbeitet werden, was von der geeigneten Wahl des Freezers über ein kontinuierliches Temperaturmonitoring innerhalb der Freezer und außerhalb, eine 24/7-Rufbereitschaft bei Störfällen, ein vordefinierter Maßnahmenkatalog, eine Notstromversorgung oder eine alternative Möglichkeit zur Erhaltung der Temperatur (wie etwa mit einem CO2-Back-up) bis hin zur notwendigen Klimatechnik zum Abführen der Abwärme während der Kühlung reicht.
Flüssiger Stickstoff zur Lagerung
Im Fall der Lagerung in flüssigem Stickstoff geht es darüber hinaus um die notwendige Sicherheitstechnik sowie die Installation der Stickstoffversorgung. Hinsichtlich der Sicherheitstechnik sind Sauerstoffsensoren mit einem Alarmsystem das Mittel der Wahl. Eine Anbindung an die Lüftungstechnik ist zusätzlich notwendig, um bei Stickstoffaustritt möglichst zeitnah wieder den "normalen" Sauerstoffgehalt wiederherzustellen. Darüber hinaus kann weitere Sicherheitstechnik wie etwa ein Totmannschalter oder KI-gestützte Kameratechnik unterstützen, um bei Vorfällen geeignete Maßnahmen ergreifen zu können.
Hinsichtlich der Installation der Stickstoffversorgung für die Lagerung ist eine direkte Versorgung mit flüssigem Stickstoff zu bevorzugen. Ein Außentank (Bild 2) bietet hier verschiedene Vorteile. Durch Anschluss der Lagerungsbehälter an diesen ist eine stete und risikominimierte Versorgung sichergestellt. Duch die Größe des Außentanks ist ebenfalls eine kontinuierliche, gut planbare Versorgung mit flüssigem Stickstoff gegeben.
Außerdem kann aus dem Außentank für Laborarbeiten Stickstoff entnommen werden. Dies kann auch durch geeignete Entnahmesysteme 24/7 erfolgen.
Probenlagerung managen
Die Betrachtung der oben genannten Infrastruktur stellt jedoch nur die Hälfte des Notwendigen dar. Es bedarf darüber hinaus auch sachkundiger, personeller Ressourcen, die ein Lagerung risikominimiert und State-of-the-Art darstellt. Dies sind die Einführung und Betrieb eines Qualitätsmanagementsystems, um auf Basis dessen die geeigneten Qualifizierungen und Erlaubnisse für die Lagerung bestimmter Proben aus unterschiedlichen regulatorischen Bereichen zu ermöglichen.
Für die Lagerung selbst sind die Freezer und Stickstofftanks vor Nutzung durch Temperaturmapping zu qualifizieren. Dies gilt auch für jegliches anderes Monitoring. Auch sind regelmäßige Wartungen und Arbeiten wie etwa die Inventarisierung oder das Heraussuchen von Proben durchzuführen, was zeigt, dass die Lagerung mehr als ein Freezer ist und dass es sich hier vielmehr um einen gesamten Managed-Sample-Storage-Service-Ansatz handelt.
Outsourcing von Infrastruktur
Der Trend zur Auslagerung von Infrastrukturleistungen ist nicht neu. Ein Blick auf Krankenhäuser zeigt, dass das Labor im Krankenhaus nach vielen Jahren des eigenen Betriebs nun weitgehend outgesourct worden ist. Dabei werden die Labore in den Krankenhäusern von niedergelassenen Laboren betrieben, die sowohl die Räumlichkeiten anmieten, diese mit Geräten zur Labordiagnostik ausstatten und das notwendige sachkundige Personal zur Verfügung stellen. Das Krankenhaus selbst muss sich sowohl fachlich als auch organisatorisch nicht mehr mit der Labordiagnostik auseinandersetzen. Zusätzlich sind durch eine klare Vertragsstruktur die Verantwortung sowie die Kosten klar abgegrenzt.
Ein anderes Beispiel ist das Outsourcing von IT-Infrastruktur in die Cloud, so dass notwendige Server-Infrastruktur nach Bedarf skalierbar und mit voller Kostenkontrolle zur Verfügung stehen. Hohe Fixkosten, Kapitalbindung und die Notwendigkeit, interne Ressourcen zur Verfügung zu stellen, entfallen.
Fallbeispiel Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie (IZB)
Das Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie (IZB), welches im Jahr 1995 gegründet wurde, ist der Hotspot für Life Sciences in der Region München und bietet auf insgesamt 26 000 m2 derzeit mehr als 40 Biotechnologie-Unternehmen mit mehr als 700 Mitarbeitenden die passende Infrastruktur. Seit Januar 2025 betreibt die Cryondo GmbH gemeinsam mit der SOL Deutschland GmbH Managed-Sample-Storage-Service und zentralen Gasmanagement am Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie (IZB) in Martinsried. Dabei ist die Installation und der Betrieb eines Außenstickstofftanks geplant, der dann auch von allen anderen am Standort ansässigen Firmen, etwa durch ein Entnahmesystem, wie Securfill, genutzt werden kann (Bild 4). Trockeneis und weitere Gase, z. B. für Inkubatoren, Chromatographen und andere Prozesse, werden ebenfalls zur Verfügung gestellt.
Zentralisierter Infrastrukturansatz
Die Integration von Managed-Sample-Storage-Services und zentralem Gasmanagement bietet weitreichende Vorteile für alle Beteiligten. Für Laborbetreiber und Immobilienentwickler: Erhöhung der Standortattraktivität durch optimierte Infrastruktur; Reduzierung administrativer und technischer Herausforderungen: klar definierte Verantwortlichkeiten; keine Übernahme von Verantwortung für Gase wie flüssigen Stickstoff; Wettbewerbsvorteil durch umfassende Infrastrukturangebote.
Für Mieter und Nutzer von Laborflächen: Reduktion der Investitionskosten durch Outsourcing; Sicherstellen der Compliance mit regulatorischen Anforderungen; Flexibilität und Skalierbarkeit je nach Bedarf.
Für Forschungseinrichtungen und Biotech-Unternehmen: Konzentration auf Kernkompetenzen anstatt Infrastrukturmanagement; Nutzung professioneller Dienstleistungen; zukunftssichere Lösungen mit hoher Betriebssicherheit.
Fazit
Ergänzende Infrastrukturdienste wie Gasmanagement und spezialisierte Lagerlösungen spielen eine zunehmend wichtige Rolle in der modernen Laborlogistik. Mit einer zentralen Bereitstellung dieser Infrastruktur entfallen Unsicherheiten bei der Zuständigkeit und Mehrarbeit bei der Beschaffung und Verwaltung von essenziellen Ressourcen, wodurch der Betrieb effizienter und kosteneffektiver erfolgt. Zudem wird durch die frühzeitige Einbindung eines spezialisierten Anbieters sichergestellt, dass die Gasversorgung optimal in die Infrastruktur des Standorts integriert wird – anstatt dass sich jeder Mieter selbst um eine Lösung kümmern muss.
Über einen professionellen externen Serviceansatz lassen sich Kosten optimieren, Sicherheitsstandards maximieren und regulatorische Anforderungen erfüllen. Am Beispiel des IZB zeigt sich, wie eine durchdachte Infrastruktur den gesamten Standort aufwertet – ein Modell, das zukunftsweisend ist.
AUTOR
Dr. Soeren Schumacher, M.B.A.
Geschäftsführer Cryondo GmbH, München
Tel.: 089/540435-72
[email protected]
www.cryondo.de















