zuruck zur Themenseite

Artikel und Hintergründe zum Thema

Interview

Was es bei der Ausstattung von Shared Labs zu beachten gilt

© Life Science Factory

Netzwerk, Kollaboration, Shared Knowledge – Schlagworte, die in der sog. „New Work”-Welt nicht mehr wegzudenken sind. Denn diese zeichnet sich vor allem durch zwei Dinge aus: dem Wunsch nach größtmöglicher Flexibilisierung und Innovationskraft. Spezifische Orte der Zusammenarbeit wie Shared Labs, wo projektorientierte Teams im Austausch mit anderen stehen, könnten in Zukunft eine größere Rolle spielen. Dr. Katrin Wallbrecht, Lab Managerin der Life Science Factory in Göttingen, erzählt im Interview, auf welche Aspekte sie bei der Ausstattungsplanung der Shared Labs geachtet hat.

LABO: Frau Dr. Wallbrecht, was würden Sie sagen, war der wichtigste Punkt, auf den es bei der Planung der Mietlabore der Life Science Factory ankam?

Dr. Katrin Wallbrecht. © Life Science Factory

Dr. Wallbrecht: Ganz klar, die Flexibilität. Wir haben in der Life Science Factory von Anfang an alles so geplant, dass die Teams innerhalb von 48 Stunden anfangen können zu arbeiten. Ganz gleich, ob sie die vorhandene Infrastruktur nutzen oder aber zwingend doch ein Privatlabor brauchen. Das können wir hier bei der Life Science Factory, dank unseres durchdachten Deckensystems, schnell und flexibel umsetzen. Das ermöglicht die einfache Installation von Einzelwandelementen und so können bis zu sechs blickdichte Einzellabore auf jeder Etage entstehen. Werden sie nicht mehr gebraucht, bauen wir sie einfach wieder zurück. Übrigens muss dabei natürlich auch die Strom- und Medienversorgung für die Labore flexibel sein. Wir haben deshalb keine Strom- oder Datenkabel auf oder unter Putz verlegt, sondern alle relevanten Kabel liegen ebenfalls in der Decke. So können wir die flexiblen Labore über unsere Mediensäulen mit allem versorgen, was sie brauchen.

Anzeige

Zudem haben wir auch die Möglichkeit, die Labore über die Mediensäulen mit Gasen auszustatten. Im Keller sind diverse Prüfgase „auf Lager”, und diese können über die vorinstallierten Rohre über Schnellkupplungen in die Mediensäulen integriert und so in die einzelne Labore geführt werden.

Was ist der erste Schritt für eine bestmögliche Ausstattung eines Shared Labs?

Dr. Wallbrecht: Es ist wichtig, genau herauszufinden, was die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wirklich brauchen, um ihre Ideen zu entwickeln. Hier hilft uns – und manchmal auch den Mietern und Mieterinnen – ein Fragebogen, auf dem Geräte, aber auch notwendige Verbrauchsmaterialien, wie Gläser, Erlenmeyerkolben oder Gase angegeben werden. Genau zu wissen, was die Bedarfe sind, ist die Grundlage der optimalen Ausstattung.

Für mich ist es vor allem spannend, wenn Start-ups mit einer Idee zu uns kommen und diese im Labor das erste Mal bei uns erforschen und oft noch gar nicht entschieden ist, welche Methode oder welche Technik sie wählen. Oftmals wird ihnen dann erst klar, was da für ein Rattenschwanz dranhängt und welche Konsequenzen das dann für die notwendigen Ressourcen hat.

Shared Labs sollen ja auch einen Nutzen in Bezug auf den Austausch verschiedener Teams untereinander bringen. Wie wichtig war der Aspekt „Kommunikation” bei der Planung der Laborflächen?

Dr. Wallbrecht: Die Möglichkeit der Kommunikation und des „In-Kontakt-Tretens” waren bei der Planung der Laborflächen in der Life Science Factory absolut zentral. Der Mensch ist ja ein „Augentier”, das heißt der Eintritt in jede Interaktion ist der Blickkontakt. Daher war es für mich zentral, dass wir genau diesen jederzeit ermöglichen können. Das kennt man ja: Die besten Gespräche hat man oft in der Kaffeeküche oder im Flur, einfach weil man sich dort begegnet und dann ins Gespräch kommt. Und genau diese Gespräche sind oft die produktivsten und bringen nicht selten innovative Lösungen für bestehende Fragen hervor.

Blick in ein Funktionslabor für mikrobiologische Forschung. © Life Science Factory

Dieser Grundgedanke zeigt sich bei uns auch im Grundriss. Die Flächen sind so aufgebaut, dass wir mittig auf der Fläche die flexibel nach Bedarf buchbaren Funktionslabore platziert haben, um diese herum finden sich dann die gemieteten Laborbänke im freien Raum. Diese sind sichtmäßig nicht voneinander getrennt – so sehen sich die Teams untereinander und können direkt in Interaktion treten. Die Funktionslabore in der Mitte müssen zwar räumlich abgeschlossen sein, da dort auch mit Zellkulturen oder Bakterien gearbeitet wird, sind aber aus Glas gebaut. Das ermöglicht nicht nur die Arbeit mit Tageslicht, sondern wir fördern dadurch auch die Transparenz und wieder den Blickkontakt. Natürlich gibt es aber auch immer die Möglichkeit, den Raum über einen Sichtschutz zu schließen.

Über die Räumlichkeiten, Technik und Materialien hinaus, welche Vorteile hat das „geteilte Labor” speziell für Start-ups?

Dr. Wallbrecht: Abgesehen davon, dass die Start-ups in der Life Science Factory sofort anfangen können zu arbeiten, bieten wir auch umfassende, zusätzliche Services. Man könnte sagen, dass alles, was einen vom Arbeiten und Forschen abhält, von uns übernommen und erledigt wird. Wer zu uns kommt, spart sich in seinem Team mindestens eine halbe technische Assistenzstelle sowie eine drittel Wissenschaftlerstelle, da wir von der Spülerei über das Autoklavieren bis hin zum Procurement und zur Abfallentsorgung alles übernehmen. Dazu zählen auch die Gespräche mit Behörden, die Anmeldung der Projekte, Überlegungen, wie eigene Chemikalien zu lagern oder zu entsorgen sind – diese ganzen Dinge organisieren wir für unsere Mieterinnen und Mieter.

Schon vor einigen Monaten sind bereits die ersten Mieter und Mieterinnen in die Life Science Factory eingezogen, wo sehen Sie die größte Herausforderung bei der Nutzung von Shared Labs?

Dr. Wallbrecht: Die größte Herausforderung für die Start-ups ist wohl die „gemeinsame Benutzung”. Angefangen von der goldenen Regel des Miteinanders, also dass ich Räume oder Geräte so hinterlasse, wie ich sie vorgefunden habe, bis hin zur umsichtigen Vorausplanung meiner Bedarfe. Denn natürlich können nicht alle Teams gleichzeitig montags um 10.00 Uhr die selben Funktionslabore nutzen. Die Absprache untereinander liegt natürlich bei den Start-ups selbst. Das ist immer ein kleiner Gewöhnungsprozess, klappt dann aber meist schnell und kooperativ.

Viele Fragen klären wir auch in unserer Labor-Ordnung, die jedes Team unterschreiben muss. In dieser legen wir ausführlich fest, wie die gemeinsamen Ressourcen genutzt werden können und sollen. Dadurch kann etwaigen Konflikten effektiv vorgebeugt werden.

Über die verschiebbaren Mediensäulen ist eine flexible Versorgung der Laborarbeitsplätze mit Strom, Druckluft sowie Gasen möglich. Auch die ebenso flexible Anbindung über Datenkabel erfolgt über diese Mediensäulen. © Life Science Factory

Für mich persönlich liegt die Herausforderung aktuell an einer ganz anderen Stelle: Thema „IT-Datenschutz“. Die Teams teilen sich ja bei uns die Geräte wie etwa die PCR-Maschine und – natürlich muss man darauf achten, dass die einen nicht ungewollt die Daten der anderen sehen – das ist schon eine gewisse Herausforderung für die IT, und für mich als Biologin, diese Prozesse mit einer neuen Brille mitzudenken.

Was würden Sie aus Ihrer Erfahrung heraus jemandem raten, der ein neues Labor, eine Erweiterung, weitere Einrichtung oder Modernisierung plant?

Dr. Wallbrecht: Erstens, an die IT denken – denn das ist mehr als schnelles Internet. Wir haben zum Beispiel tolle Mikroskope, mit denen ich Live-Cell-Imaging betreiben kann. Doch das sind dann natürlich enorm große Datenmengen, wir sprechen hier von Volumen im Terabyte-Bereich, die ja übertragen und gespeichert werden müssen.

Zweitens muss ich immer den ganzen Prozess und jeden Arbeitsschritt bedenken. Wenn Geräte etwa einen Reinigungsdurchlauf haben, muss ich das im Buchungssystem vorher als Kondition hinterlegen. Nicht, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler genau das Gerät gebucht haben und es gar nicht nutzen können. Wir haben zudem überlegt, wo wir die Funktionslabore planen, nämlich in die Mitte, so dass alle Forschenden egal von wo aus Zugang haben und die Wege so kurz wie möglich sind.

Zuletzt sollte man sich klar machen, dass alles ein Prozess und damit fluide ist, denn jedes Start-up bringt neue Anforderungen mit, und damit wird es immer wieder neue Herausforderungen und Bedarfe geben, aber genau das ist ja das Spannende an unserer Arbeit in der Life Science Factory. Wir sind auf jeden Fall gespannt auf all die Fragen, die noch kommen werden und unsere Antworten darauf.

LABO: Vielen Dank für das Interview.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
zurück zur Themenseite
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Nukleinsäure-Amplifikation

PCR-Thermocycler

Der "Mastercycler® X40" von Eppendorf ist ein PCR-Thermocycler mit intuitiver Benutzeroberfläche. Der Griff kann mit einer Hand bedient werden, und ein Sicherheitsdeckel passt sich vom Druck her automatisch an.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren