Forschende entwickeln Versorgungsmodell

Melanie Steinbeck,

Studie zur aktuellen Post-COVID-Versorgung

Eine aktuelle Studie unter Leitung des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM) befasst sich mit der Versorgung von Post-COVID-Betroffenen. Sie identifiziert bestehende Versorgungsdefizite und entwickelt übertragbare Leitlinien, um eine verbesserte und bedarfsgerechte Behandlung zu ermöglichen.

Symbolbild © freshidea/stock.adobe.com

Studie zur aktuellen Post-COVID-Versorgung

Ein aktuelles Forschungsprojekt der Universitätsmedizin Magdeburg richtet den Blick auf die Versorgungssituation von Menschen mit Post-COVID. Im Zentrum steht die Frage, wie Betroffene aktuell medizinisch versorgt werden, welche psychosozialen Unterstützungsbedarfe bestehen und ob es Hinweise auf Unter-, Über- oder Fehlversorgung gibt. Ziel ist die Entwicklung eines übertragbaren Versorgungsmodells, das Betroffene langfristig besser unterstützt.

Für das Vorhaben werden aktuell noch Studienteilnehmende gesucht. Adressiert werden dabei sowohl Betroffene mit Post-COVID-Symptomatik als auch Hausärztinnen und Hausärzte sowie Mitarbeitende von Spezialambulanzen, deren Erfahrungen in die Untersuchung einfließen sollen.

Symptome oft noch lange nach Infektion mit dem Coronavirus

Viele Menschen, die eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben, berichten noch Monate später über anhaltende körperliche und psychische Beschwerden. Das Verbundprojekt VIBES – „Versorgungssituation, Versorgungsinanspruchnahme und Bedarfsanalyse von Patientinnen und Patienten mit postviralen Syndromen am Beispiel von Post-COVID“ – untersucht gemeinsam mit der Universitätsmedizin Magdeburg die bestehenden Versorgungsrealitäten dieser Patientengruppe.

Anzeige

Die Dimension des Phänomens ist erheblich: Bis Mai 2024 wurden in Deutschland rund 39 Millionen Infektionen mit SARS-CoV-2 offiziell bestätigt. Bei etwa zehn Prozent der Betroffenen – entsprechend rund 3,9 Millionen Menschen – treten Beschwerden auf, die Wochen oder Monate nach der akuten Infektion fortbestehen oder neu auftreten. Dazu zählen insbesondere anhaltende Erschöpfungszustände, Atembeschwerden sowie Konzentrationsstörungen. Diese Symptomkonstellation wird unter dem Begriff Post-COVID-Syndrom zusammengefasst.

Bislang existieren nur wenige einheitliche Leitlinien zur optimalen Versorgung dieser Patientinnen und Patienten. Genau hier setzt das Projekt VIBES an: Es soll ein Versorgungsmodell entwickelt werden, das bundesweit anwendbar ist und eine gezieltere Unterstützung der Betroffenen ermöglicht. Zugleich besteht die Perspektive, dass die gewonnenen Erkenntnisse auch auf Spätfolgen anderer viraler Infektionen übertragbar sind.

Aufbau und Methodik der Untersuchung

Das Projekt folgt einem multimethodischen Ansatz. Einerseits werden Patientinnen und Patienten zu ihren anhaltenden Beschwerden, zur Inanspruchnahme therapeutischer Angebote sowie zur Zufriedenheit mit der bisherigen Behandlung befragt. Andererseits wird die Perspektive der Leistungserbringer systematisch einbezogen: Hausärztinnen und Hausärzte sowie Mitarbeitende von Spezialambulanzen berichten über ihre Erfahrungen in der Versorgung von Post-COVID-Betroffenen.

Ergänzend dazu werden Daten der gesetzlichen Krankenkassen ausgewertet, um die Versorgungssituation in ihrer Breite und Tiefe abzubilden. Auf diese Weise soll ein möglichst präzises Bild darüber entstehen, wo Betroffene unzureichend versorgt sind, wo möglicherweise Überversorgung stattfindet oder wo Behandlungsangebote nicht passgenau greifen.

Durch die Kombination dieser unterschiedlichen methodischen Zugänge werden bestehende Versorgungspfade detailliert rekonstruiert und strukturiert dargestellt. Ziel ist es, ein konsistentes und interdisziplinär tragfähiges Modell für eine bedarfsgerechte Versorgung von Menschen mit Post-COVID zu entwickeln.

Im Erfolgsfall sollen die Ergebnisse des Projekts nicht nur zu einem vertieften Verständnis der Langzeitfolgen von COVID-19 beitragen, sondern auch eine gezieltere und individuellere therapeutische Versorgung ermöglichen. Darüber hinaus wird erwartet, dass sich die gewonnenen Erkenntnisse auf andere postvirale Krankheitsbilder übertragen lassen und dort ebenfalls zur Verbesserung der Versorgung beitragen können.

Förderung und wissenschaftliche Partnerstruktur

Das Projekt wird durch den Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) über einen Zeitraum von drei Jahren mit insgesamt rund 1,2 Millionen Euro gefördert.

An der Umsetzung beteiligt sind folgende Institutionen:

  • Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, TUM Klinikum Rechts der Isar, München (Projektleitung)
  • Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
  • Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
  • Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Quelle: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren