Management

Fallen und Fehler bei der Existenzgründung

Worauf Life-Sciences-Gründer achten sollten

Denise Schottler*)

Wer den Traum vom eigenen Unternehmen realisieren möchte, steht vor vielen Herausforderungen. Laut KfW-Gründungsmonitor 2010 übersteht rund ein Viertel aller neugegründeten Unternehmen die ersten drei Jahre nicht. Die Gründe für das Scheitern sind vielfältig; gerade in hochtechnologisierten Gründungsbereichen wie den Life-Sciences lauern viele Fallen, die es zu überwinden gilt.

Schwierigkeiten sind im Gründungsprozess nur natürlich und nicht jeder Fehler führt gleich zum Scheitern der gesamten Unternehmung. In der Tat werden die meisten schwerwiegenden Fehler bereits im Vorfeld der eigentlichen Gründung gemacht. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Geschäftskonzept und die Ausarbeitung eines Businessplans reduzieren das Risiko deutlich. Deutschlandweit bieten eine Vielzahl von Institutionen und Initiativen Unterstützung bei der Unternehmensgründung an. Für Gründer mit Geschäftsideen im naturwissenschaftlichen Bereich ist die darauf spezialisierte Gründerinitiative Science4Life e.V. seit vielen Jahren kompetenter Ansprechpartner mit anerkanntem Erfolg. Der von der Initiative jährlich ausgerichtete Businessplan-Wettbewerb Science4Life Venture Cup bietet jungen Unternehmern die Möglichkeit, ihr Konzept zu prüfen und vom Know-how der über 180 im Science4Life-Netzwerk ehrenamtlich tätigen Branchenexperten zu profitieren. Zwei dieser Experten sind Dr. Rüdiger Kolm und Dr. Ludwig Weiss, die seit vielen Jahren Gründer auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützen. Fallen und Fehler im Gründungsprozess kennen sie gut.

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Nach Kolms Erfahrung gibt es jedoch Bereiche, in denen Life-Sciences-Gründern besonders oft Fehler unterlaufen: „Neben der allgegenwärtigen Finanzierungsproblematik lauern die Risiken vor allem in den Bereichen Patent- und Steuerrecht sowie juristischen Aspekten. Auch im persönlichen Bereich werden oft vermeidbare Fehler begangen“, so der Experte.


Motivation und Team-Zusammensetzung

Viele Fehler, so Kolm, können vermieden werden, wenn sich Gründer im Vorfeld mit ihrer persönlichen Motivation zur Gründung auseinandersetzen und sich fragen: Warum will ich gründen? Möchte ich in erster Linie möglichst schnell möglichst viel Geld verdienen oder langfristig eine Existenz aufbauen? Diese Überlegungen bestimmen dann das strategische Vorgehen und die gesamte Planung und haben beispielsweise Einfluss auf die Finanzierung des Vorhabens.

Ein Fehler, den Life Sciences-Gründer im Zusammenhang mit der Kapitalsuche oft machen, ist nach Ansicht von Ludwig Weiss, dass sie die personellen Ressourcen, den Aufbau bzw. die Zusammensetzung ihres Teams vernachlässigen: „Das Problem beginnt meist damit, dass die Rekrutierung von hochkarätigem Personal auf die „lange Bank“ geschoben wird. Hoch qualifizierte Wissenschaftler werden meist aus den eigenen Reihen, dem universitären Umfeld der Unternehmensgründer, rekrutiert. Aber in den Bereichen Business Development und Betriebswirtschaft herrschen oft große Lücken vor.“ Diese Lücken, so Weiss, können bei der Kapitalsuche hinderlich sein. „Nicht umsonst heißt es in VC-Kreisen, dass man lieber in ein Top-Management und eine zweitklassige Idee investiere als in ein zweitklassiges Team mit einer erstklassigen Idee. Zu groß ist die Angst der Kapitalgeber vor einem allzu technikverliebten Gründerteam.“

Möglichkeiten, personelle und damit verbundene fachliche Engpässe auszugleichen, sind beispielsweise das Hinzuziehen von externen Beratern oder die Einrichtung eines Beirats. Letzteres hat sich nach Ansicht von Ludwig Weiss zu einem wichtigen Erfolgsfaktor bei wissenschaftlichen Gründungen entwickelt: „Ein erfahrenes Kontrollgremium erkennt nicht nur Fehlentwicklungen rechtzeitig sondern kann das Unternehmen auch mit seinem Netzwerk bei der Etablierung strategischer Partnerschaften unterstützen.“

Dies kann Dr. Jörg Traub, Gründer und CEO der Firma Surgic Eye, bestätigen. Das 2008 gegründete Münchner Medizintechnikunternehmen hat einen Beirat gegründet, dem Berater aus der Praxis und Business Angels angehören. „Wir haben uns für diesen Schritt entschieden, um unsere limitierte unternehmerische Erfahrung zu kompensieren. Unser Beirat hat eine beratende Funktion und wir können sicher sein, das er am langfristigen Erfolg unseres Unternehmens interessiert ist“, so Traub. Gerade dieses Interesse ist laut Traub die generelle Grundlage für eine Zusammenarbeit mit Beratern.


Muss guter Rat immer teuer sein?

Kaum ein Gründerteam kommt langfristig ohne Berater aus. Fehler kann man in diesem Bereich als Gründer einige machen. „Wir haben anfangs geglaubt, alles selbst machen zu können“, erinnert sich Jörg Traub, „im Endeffekt haben wir dadurch, gerade bei der Produktentwicklung, viel Zeit verloren, unser Tatendrang hat so negative finanzielle Folgen gehabt.“ Vor externen Beratern hatten Traub und sein Team Vorbehalte. Diese würden „nur“ ihre Leistung verkaufen und sich nicht notwendigerweise für den Erfolg oder Misserfolg ihrer Beratung interessieren. „Eine Voraussetzung für fruchtbaren Austausch ist Vertrauen und Interesse seitens des Beraters. Ich würde zudem immer ein erfolgsbasiertes Zahlungsmodel vereinbaren, da der Berater dann auch am Ergebnis der Beratung beteiligt ist“, so Traub.

Rüdiger Kolm verweist auf einen wichtigen Aspekt aus Beratersicht: „Grundlage für effektive Gespräche ist ein ehrliches Gegenübertreten. Auch die Gründer müssen dem Berater gegenüber offen und ehrlich sein. Das bedeutet, dass sie auch über ihre eigenen Irrwege, Defizite und Bauchlandungen sprechen. Der Coach wiederum muss die eigenen Grenzen aufzeigen und keine heiße Luft verkaufen.“

Dieser Aussage stimmt Dr. Jens Baumgardt, CEO der Berliner durakult Gesellschaft für Biologische Technologien mbH zu: „Wir haben einen klassischen Anfängerfehler gemacht, indem wir zu unkritisch bei der Auswahl der Berater waren“, erinnert sich Baumgardt. „Für uns war der Berater ein Halbgott, der auf alles eine Antwort hatte – leider nicht immer die richtige.“ Heute weiß Baumgardt, dass es besser ist, erst die eigenen Bedürfnisse zu definieren, bevor man den passenden Berater sucht. Dabei spielt natürlich auch das verfügbare Budget eine Rolle.
Kolm, selbst Berater in Gründungsfragen, ist der Ansicht, dass gute Beratung nicht teuer sein sollte: „Um intensive Beratungen bei gleichzeitig begrenztem Budget zu erlauben, muss der Stundensatz des Beraters eher bescheiden sein. Ich rate Gründern, die Qualifikation des Coaches nicht an der Höhe des Preises zu messen.“

Auch bei steuerlichen, juristischen oder patentrechtlichen Fragen gilt es für Gründer zu überlegen, sich diese Kompetenzen selbst anzueignen oder auf externe Hilfe zurückzugreifen. Diese Entscheidung sollte in einem möglichst frühen Gründungsstadium getroffen werden, lauern doch gerade in diesen Bereichen einige Fallen.


Steuern, Recht, Patente

Im Extremfall kann z.B. juristische Leichtfertigkeit nicht nur ein Scheitern der Unternehmung bedeuten, sondern auch den weiteren Lebensweg beeinflussen, wie Rüdiger Kolm bestätigt: „Ich weiß von Gründern, die bei der Anmietung des Geschäftslokals eine persönliche Bürgschaft für die Miete der nächsten fünf Jahre auf sich genommen haben. Als das Projekt scheiterte, stand dann ein Einzelner mit zwei Millionen Euro Verbindlichkeiten da.“ Dies mag ein extremes Beispiel für mangelnde juristische Kenntnisse sein. Kolm rät in diesem Zusammenhang, sich frühzeitig um den Schutz der eigenen Vermögensverhältnisse zu kümmern und sich zumindest Grundkenntnisse in dem Bereich anzueignen.

Bei der durakult GmbH waren es mangelnde steuerrechtliche Kenntnisse, die zu finanziellen Engpässen führten, wie Baumgardt berichtet: „Wir haben relativ früh gute Gewinne erzielt und den Fehler gemacht, diese nicht gleich zu reinvestieren. Dann kam die Steuernachzahlung…und das Geld war quasi weg. Daran hatten wir eine Weile zu knabbern.“ Baumgardt rät, auch die Vergabe von Geschäftsanteilen frühzeitig zu regeln. Wenn sich mehrere Gründer an einem Projekt beteiligen, sollte im Vorfeld geregelt sein, wer wie viel investiert und wie die Risiken verteilt werden. „Da dies ein wichtiges Thema ist, welches auch Konfliktpotential enthält, empfiehlt es sich, einen Vermittler einzubeziehen.“ Wenn alle Beteiligten davon überzeugt sind, eine faire Regelung getroffen zu haben, minimiert dies das Risiko späterer Diskrepanzen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, bei dem Fehler teuer werden können, ist das Patentrecht. In einer Brache wie den Life Sciences mit langen Entwicklungszeiten und einem enormem Finanzbedarf bis zur Produktzulassung, spielen Patente eine zentrale Rolle. „Gerade für kleine Unternehmen, denen finanzielle Ressourcen zur Durchführung großer klinischer Studien fehlen, ist es umso wichtiger, Patentanmeldungen mit möglichst werthaltigem Inhalt auszustatten, um sie später gegebenenfalls entsprechend teuer auslizenzieren zu können“, meint Ludwig Weiss. Dabei müssen Gründer sehr sorgfältig vorgehen und auf viele Eventualitäten vorbereitet sein. Rüdiger Kolm weist auf einige Stolpersteine hin:

„In der Praxis hat das Bild vom felsenfesten Patent viele Risse. Hier ein paar Beispiele: Sollten Hintergründe bzw. bestimmte Zusammenhänge übersehen worden sein, so stellt dies die Gültigkeit des Patentes in Frage. Sollte der Patentprüfer bzw. der Patentanwalt nicht vollständig informiert gewesen sein, so geht dies zu Lasten des Klienten. Sollte die Geheimhaltung bewusst oder unbewusst verletzt worden sein, so lässt dies ein Patent auch nach seiner Erteilung noch kippen. Sollte ein Mega-Konzern seine Rechte berührt und sich zur Anfechtung des Patentes veranlasst sehen, so wird allein schon die Einzahlung der Gebühr durch beide Parteien bei Eröffnung des Verfahrens zum unlösbaren Problem für die Gründer: David kann einpacken und Goliath wird kampflos zum Sieger ernannt.“

Patente unterliegen einem Zeitablauf, der nach umfangreicher Entwicklungsarbeit manchmal nur wenige Jahre für die Vermarktung übrig lässt. Nachfolgepatente müssen her, um den Schutz zu verlängern. Alle diese Aspekte müssen bei der Finanzplanung bedacht werden, wenn es kein böses Erwachen geben soll.

Sowohl Jörg Traub als auch Jens Baumgardt haben mit ihren Unternehmen die Anfangsschwierigkeiten gemeistert und sich am Markt etabliert. Beide haben ihre Geschäftsideen beim Science4Life Venture Cup eingereicht und nachhaltig vom Expertenfeedback profitiert. „Wir haben in einem relativ frühen Gründungsstadium bei Science4Life mitgemacht. Unsere Idee hat dort den nötigen Feinschliff bekommen und wir haben z.B. unsere Zeitplanung komplett überarbeitet“, blickt Traub zurück.
Baumgardt zieht ebenfalls ein positives Fazit: „Das Feedback der Experten hat uns viel geholfen und sicher auch vor manchem Fehler bewahrt. Ich kann jedem Life Sciences-Gründer nur empfehlen, sich frühzeitig z.B. von Science4Life Unterstützung zu holen.“

Die Gründerinitiative Science4Life e.V. blickt auf mittlerweile dreizehn erfolgreiche Jahre zurück, in denen über 3300 Teilnehmer bei der Ausarbeitung von mehr als 1000 Geschäftsideen unterstützt wurden. Dr. Stefan Bartoschek vom Science4Life-Team weist aus seiner Erfahrung in der Arbeit mit den Gründern auf einen wichtigen Aspekt hin: „Einen „klassischen“ Fehler machen Gründer, die sich bei der Darstellung ihrer Idee im Businessplan zu wenig in die Sicht des Lesers versetzen. Vor allem für Naturwissenschaftler besteht die Kunst darin, ihre anspruchsvollen Ideen anschaulich und verständlich darzustellen. Dieses gelingt mit konkreten Beispielen und der Nutzung textunterstützender Elemente wie Tabellen und Grafiken.“

Wer mehr von diesen Tipps profitieren und seine Geschäftsidee von Experten prüfen lassen möchte, kann seinen Businessplan noch bis zum 13. April 2012 bei Science4Life einreichen. Zu gewinnen gibt es neben Know-how Geldpreise im Gesamtwert von 76 000 Euro.

Weitere Informationen zur Gründerinitiative und dem Businessplan-Wettbewerb sowie alle Termine unter http://www.science4life.de

*)

  1. CfL CONSULTING – Communication for Leadership, Schillerstraße 40, 55116 Mainz, Tel: 06131/5542889, Fax: /5542893, d.schottler@cfl- http://consulting.de, http://www.cfl-consulting.de
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