Management
High Touch statt High Tech - Mitarbeitermotivation in Zeiten des Fachkräftemangels - Tipps der Unternehmensberatung Becker von Buch
Vor mehr als 15 Jahren definierte der US-amerikanische Zukunftsforscher John Naisbitt den Begriff "High Touch". Der Wissenschaftler ist der Ansicht, dass die völlige Automatisierung aller geschäftlichen Beziehungen (High Tech) früher oder später scheitert und dass es keinen Ersatz für die "persönliche Note" gibt. Dass er damit offenbar richtig liegt, zeigt die derzeitige Situation bei einigen mittelständischen Betrieben: Trotz guter Auftragslage verlassen qualifizierte Fachkräfte das Unternehmen und wenden sich dem Wettbewerber zu. Die verbliebenen müssten nun eigentlich mehr arbeiten, um das Pensum zu schaffen. Denn Ersatz ist auf dem Arbeitsmarkt kaum in Sicht. Dass dies in den seltensten Fällen funktioniert, liegt oft an mangelnder Motivation. Und die lässt sich laut Naisbitt nur über jene "persönliche Note" erreichen.
"In den vergangenen Jahren haben viele Firmen in modernste Kommunikationstechnik investiert", erklärt Dr. Dominic von Buch von der Becker von Buch Unternehmensberatung in Hannover. "Die rein digitale Kommunikation per Smartphone oder Internet mag zwar Prozesse beschleunigen und verbessern, die Lebensqualität der Mitarbeiter bleibt dabei aber häufig auf der Strecke." Es fehle einfach an der persönlichen Ansprache, am direkten zwischenmenschlichen Dialog. Geld allein reiche nicht als Motivation, sagt von Buch und verweist auf eine aktuelle Umfrage von Forrester Research. Demnach ließen sich zwei Drittel der befragten IT-Experten schon durch ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten motivieren. Wenn dieser allerdings nur durch E-Mails, SMS oder Video-Chats zu erreichen sei, würden die von Naisbitt beschworene "persönliche Note" und damit die Motivation über kurz oder lang verkümmern.
Dr. Dominic von Buchs Tipps zur Mitarbeitermotivation in Stress-Zeiten:
- Definieren Sie in Einzelgesprächen gemeinsam zu erreichende Ziele.
- Schaffen Sie Vertrauen durch Verständnis, Personalführung nach Gutsherrenart stößt auf Ablehnung.
- Übertragung Sie mehr Verantwortung, um Positionen interessanter zu gestalten.
- Sorgen Sie für gute Rahmenbedingungen, beispielsweise für Zuschüsse zu Fahrtkosten oder Mahlzeiten.
- Ganz wichtig: Seien Sie ein Vorbild an Zuverlässigkeit, versprechen Sie nichts, was Sie nicht auch halten können.
- Empfehlenswerte Lektüre: "Soziale Intelligenz" von Daniel Goleman.
Als echter Motivationsschub hat sich laut von Buch übrigens eine Entscheidung erwiesen, die auf den ersten Blick wie ein technologischer Rückschritt anmutet: Die E-Mail-Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzen eines Unternehmensstandorts wurde komplett abgeschafft. Mails konnten nur noch an Externe geschickt und von diesen empfangen werden. Von Buch: "In dieser Firma sprach man plötzlich wieder miteinander, auch in der Chefetage. Unangenehme Dinge mussten nun persönlich geklärt werden und nicht mehr hinter der Maske einer E-Mail. Das hat das ganze Team zusammengeschweißt, zu deutlich mehr Spaß an der Arbeit und damit zu mehr Effizienz geführt."
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